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Bundeswehrsoldaten aus Hagenow : Üben für den Ernstfall in Mali

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Bundeswehr verstärkt ihre Präsenz in Westafrika/ 36 Kameraden aus Hagenow werden im Sommer in den Einsatz gehen

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 11:45 Uhr

Das schwarze Gewehr G36 vor der Brust patrouillieren die Soldaten einen schmalen Weg entlang. Sie schauen sich misstrauisch in alle Richtungen um. Den Finger haben sie stets am Abzug. Plötzlich fallen Schüsse. Schreie sind zu hören. Dann geht alles ganz schnell: Zwei Soldaten schleifen im Laufschritt einen Kameraden hinter sich her. Eine Kugel hat ihn am Bein getroffen. Der Rest der Truppe erwidert das Feuer.

Hier in Hagenow ist es nur eine Übung, in Mali könnten solche Situationen Realität sein. Ende Dezember hat der Bundestag beschlossen, das Engagement der Bundeswehr in dem westafrikanischen Land auszuweiten. Das heißt, dass auch 36 Soldaten des Panzergrenadierbataillons 401 in den Einsatz gehen werden. Aller Voraussicht nach wird es im Sommer so weit sein. Bis dahin üben die Männer immer wieder Situationen, denen sie dort begegnen könnten – wie etwa den Beschuss durch Terroristen.

„Magazin nachladen“ schallt es über den Platz der Ernst-Moritz-Arndt Kaserne in Hagenow. Der stellvertretende Zugführer Lars Peschke beobachtet die Männer genau, denn im Einsatz muss jeder Handgriff perfekt sitzen. Er ist stolz: „Es ist natürlich eine Auszeichnung für unseren Zug für diese für uns neue Mission ausgewählt zu werden.“ Der dritte Zug der zweiten Kompanie sei bereits auf einem guten Ausbildungsstand gewesen, erklärt Presseoffizierin Stefanie Boddien, warum die Wahl auf die Hagenower Soldaten gefallen ist. Für die Teilnahme an der Minusma-Mission in Mali wurden die Männer speziell ausgebildet. Vom Camp Castro in der Stadt Gao im Südosten Malis werden sie sich durch den Osten und Norden des Landes bewegen. Die Aufgabe der 36 Männer vom Standort Hagenow wird es sein, die Kollegen und sensiblen Gerätschaften vom Aufklärungsbataillon 6 aus Eutin zu schützen, damit diese möglichst viele Daten sammeln können. Dort wo es wirklich gefährlich werden kann, gehen sie voraus. „Wir springen in die Bresche, damit den Deutschen nichts passiert“, beschreibt Lars Peschke die Aufgabe.

Neben den Tuareg-Rebellen im Osten des Landes, müssen sie im Norden mit Anschlägen von Al Kaida, dem Islamischen Staat und Splittergruppen von Terrororganisationen rechnen, weiß Soldat Stefan Donner. Die Kameraden sind sich der Gefahr bewusst: „Wir haben auf jeden Fall gesunden Respekt vor der Aufgabe. Natürlich haben wir auch Angst, das gehört dazu“, so Oberfeldwebel Daniel Lücke. Er war bereits in Afghanistan und denkt, dass ihm diese Erfahrungen nützlich sein werden. Neben dem nicht genau definierten Feind, wird vor allem das Klima eine Herausforderung. Das Gebiet gehört zur Sahelzone, es ist trocken und heiß. Nur wer hundertprozentig fit ist, geht mit.

Die Soldaten sind auch auf die psychischen Strapazen vorbereitet worden. „Gerade im afrikanischen Raum können sich uns Europäern Bilder bieten, die enorm belasten“, so Boddien. Neben Kindersoldaten sei es vor allem die große Armut, auf die ein Truppenpsychologe die Männer mental eingestimmt hat. Bei der Friedensmission der Vereinten Nationen in Mali geht es vor allem darum, den afrikanischen Staat zu stabilisieren und den Frieden im Land zu sichern. „Meines Erachtens in Anbetracht der Flüchtlingssituation sehr sinnvoll“, gibt der stellvertretende Zugführer Lars Peschke zu verstehen.

Um nicht noch mehr Schrecken in der Bevölkerung durch die Präsenz ausländischer Soldaten zu verbreiten, wurden die Männer im Vorfeld des Einsatzes ebenso mit den Sitten und Bräuchen in der Region bekannt gemacht. Sprache, Religion, Begrüßungsrituale wurden thematisiert, aber auch Möglichkeiten den Menschen dort eine besondere Ehre zu erweisen. „Sie wollen ja von der Bevölkerung Informationen gewinnen“, so Stefanie Boddien.

Zum Abschluss der Übung in Hagenow haben die beiden Soldaten ihren verletzten Kameraden aus der Schusslinie hinter einen Hügel gebracht. Der Verwundete liegt im Matsch und klagt über seine Schmerzen. Die zwei anderen Männer beginnen sofort mit der Ersten Hilfe: Sie legen ihn auf eine isolierende Unterlage, desinfizieren die Wunde, verbinden das Bein und bereiten eine Infusion mit Schmerzmitteln vor. Wenn es ernst wird im Einsatz muss jeder der Kameraden diese lebenswichtigen Handgriffe beherrschen.

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