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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 12:28 Uhr

Meinung : TV-Wahn: Mehr, mehr, mehr!

vom

Was ist bloß im deutschen Fernsehen los? Die Sender scheinen zurzeit mit Geld nur so um sich zu werfen: Millionen Euro werden ausgegeben, um Millionen Menschen zum Einschalten zu bewegen.

svz.de von
erstellt am 16.Apr.2012 | 12:03 Uhr

Was ist bloß im deutschen Fernsehen los? Die Sender scheinen zurzeit mit Geld nur so um sich zu werfen: Millionen Euro werden ausgegeben, um Millionen Menschen zum Einschalten zu bewegen. Ob beim RTL-Quiz „Wer wird Millionär?“, der ZDF-Show „Rette die Million“, dem ARD-Spiel „Opdenhövels Countdown“, das vor wenigen Tagen startete, oder dem Sat.1-Musikcasting „The Winner is...“ mit Linda de Mol, das ebenfalls in der Vorwoche losging: Es geht um viel Geld. Und diese paar Shows sind nur eine Auswahl. Doch die Rechnung „Mehr bringt mehr“ – also: mehr Zaster bringt auch mehr Zuschauer – geht nicht immer auf.

Die Strategie der Sender ließe sich auch mit den Worten des geltungssüchtigen Unternehmers Haffenloher (Mario Adorf) aus der Serie „Kir Royal“ beschreiben: „Isch scheiß disch sowas von zu mit meinem Geld.“ Doch findet der Zuschauer so etwas sympathisch? Manche Medien sehen in der aktuellen Entwicklung sogar einen Zeitgeist: „Griechenland ist abgebrannt. Die Deutschen üben das noch“, schrieb das Berliner Blatt „Der Tagesspiegel“. „Sie spielen Monopoly-TV um immer höhere Beträge. Und sie empören sich gleichzeitig über Rettungsschirme.“

Ob man das wirklich so allgemein sagen kann? Jedenfalls hieß es am Wochenende bei ProSieben wieder „Schlag den Raab“. Stolz verkündete der Privatsender„den größte Jackpot im deutschen Fernsehen“. Dabei konnte den Entertainer auch eine Meniskusverletzung nicht stoppen: Zum dritten Mal in Folge besiegte er seinen Herausforderer – diesmal einen 30-jährigen Sportwissenschaftler aus Oldenburg. Am 5. Mai gibt es also einen neuen Jackpot: zwei Millionen Euro. Die bisher höchste Summe gewann 2009 übrigens ein Mainzer Chemie-Doktorand: 3 Millionen Euro! Doch bei 22 von insgesamt 34 Ausgaben holte Stefan Raab den Sieg.

In der neuen ARD-Show mit Matthias Opdenhövel, die zum Auftakt am Donnerstagabend 3,21 Millionen Menschen verfolgten, geht es um vergleichsweise wenig Geld: nur 100 000 Euro. Das ist sogar weniger als man zuletzt bei „Big Brother“ (125 000 Euro) einheimsen konnte.

Immerhin eine Million Euro soll es am Ende bei Linda de Mols Gesangsshow „The Winner is...“ zu gewinnen geben. Apropos Castingshow und Geld: Bei „Deutschland sucht den Superstar“ bekommt der Sieger seit der achten Staffel neben dem Plattenvertrag noch eine halbe Million Euro. Früher – in den 50er bis 80er Jahren - spielte der Geldgewinn im Fernsehen keine so große Rolle. Beim heiteren Beruferaten „Was bin ich?“ fielen lediglich 5-Mark-Stücke ins „Schweinderl“, bei „Der große Preis“ oder „Alles oder nichts“ nahmen Kandidaten bei riskantem Spiel höchstens ein paar tausend Mark mit nach Hause. In der legendären Spielshow „Der goldene Schuss“ ging es allerdings um wertvolles Edelmetall.

Bei der ARD-Quizsendung „Einer wird gewinnen“, die von 1964 bis 1987 mit Hans-Joachim Kulenkampff lief, lag der Hauptgewinn für den Sieger laut „Fernsehlexikon“ von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier zu Beginn „bei 2000 DM, Ende der 60er Jahre schon bei 4000 und zum Schluss bei 8000 DM“.
Vor allem mit Sachpreisen, die heutzutage wohl kaum noch jemanden entzücken würden, lockten Spielshows wie „Am laufenden Band“ mit Rudi Carrell oder später auch „Der Preis ist heiß“ oder das „Glücksrad“.

Doch Geld allein macht nicht glücklich. Angepriesene hohe Geldbeträge auf dem Bildschirm halten TV-Zuschauer nicht unbedingt vom Wegzappen ab (das sieht man diese Woche auch an den schwach gestarteten Spielshows bei ARD und Sat.1). Das Konzept muss stimmen. Es muss spannend sein und unverwechselbar. Bestes Beispiel, wie es geht, ist das Quiz „Wer wird Millionär?“, das aus Großbritannien stammt. Zwar sind die Zuschauerzahlen längst nicht mehr so gut wie in den Anfangsjahren, aber noch immer ist der Klassiker mit Günther Jauch mit Abstand die erfolgreichste Gameshow im deutschen Fernsehen.

RTL holt mit Jauch regelmäßig den Quotensieg. Sendersprecherin Anke Eickmeyer freut sich: „Natürlich sind Geldbeträge immer ein Anreiz für Teilnehmer, aber nicht unbedingt für die Zuschauer. Für den Erfolg einer Show sind die Dramaturgie, das inhaltliche Konzept und die Marktgegebenheiten entscheidender.“


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