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Bundeswehr-Serien : TV-Sender für „Die Rekruten“ gesucht und neue Serie „Mali“

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Aus der Onlineredaktion

Das Bundesverteidigungsministerium ist gut drei Monate nach den gescheiterten Verhandlungen mit RTL II weiter auf der Suche nach einem TV-Sender für den auch in Parow in MV gedrehten Bundeswehr-YouTube-Hit „Die Rekruten“

svz.de von
erstellt am 18.Nov.2017 | 06:00 Uhr

Das Bundesverteidigungsministerium ist gut drei Monate nach den gescheiterten Verhandlungen mit RTL II weiter auf der Suche nach einem TV-Sender für den auch in Parow in MV gedrehten Bundeswehr-YouTube-Hit „Die Rekruten“. „Die Gespräche dauern an“, sagte Dirk Feldhaus, Beauftragter für die Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr, gestern in Berlin. RTL II hatte sich im Sommer gegen das Format entschieden, das auf YouTube der Nachwuchsgewinnung bei der Bundeswehr dienen sollte. Zur Begründung wurden unterschiedliche Terminwünsche des Ministeriums und des TV-Senders angeführt.

Die Serie müsste für das Fernsehen bearbeitet werden, weil sie medienrechtlich ansonsten als unzulässiges Themenplacement gelten könnte.

Die Webserie war im vergangenen Herbst auf YouTube gestartet und verzeichnete mehr als 44 Millionen Abrufe. Das Verteidigungsministerium hatte als Auftraggeber 1,7 Millionen Euro in die Produktion investiert, hinzu kamen 6,2 Millionen Euro für Werbung. „Die Rekruten“ zeichnete in 90 Folgen von etwa jeweils fünf Minuten die Entwicklung von zwölf jungen Frauen und Männern in der zwölfwöchigen Grundausbildung nach.

Bundeswehr-Serien in der Kritik

Zudem startete die Bundeswehr inzwischen eine zweite Serie, die den Alltag eines Auslandseinsatzes zeigen und neue Soldaten gewinnen soll. Wie bei der Vorgängerserie „Die Rekruten“ wird auch dieses Mal Kritik laut. Die Bevölkerung werde immer mehr ans Militär gewöhnt, sagt Linken-Politikerin Christine Buchholz.

Hauptfeldwebel Peter steht am Kölner Flughafen und muss seine Freundin trösten. Sie kämpft mit den Tränen. „Es ist immer scheiße sich zu verabschieden“, sagt er abgeklärt. „Das ist aber mein Job und mein Job verlangt, dass ich die nächsten fünf, sechs Monate in Mali verbringe.“

So beginnt die erste Folge der Bundeswehr-Serie „Mali“, die seit Mitte Oktober auf Youtube zu sehen ist. Sie ist die Fortsetzung von „Die Rekruten“, die im vergangenen Jahr erschien und die in 64 Folgen die Grundausbildung von jungen Soldaten abbildete.
Professionelle Aufmachung

Wie schon bei der Vorgängerserie zeichnen sich die Macher auch dieses Mal durch ihre hohe Professionalität aus. Dramatische Musik, Spezialeffekte, eine Kameraführung, die zwar amateurhaft wirkt, aber bei der Zielgruppen der Jugendlichen sehr angesagt ist.

„Wir wollen mit unserem neuen Social Media-Projekt ‚Mali‘ den Auslandseinsatz der Bundeswehr erlebbar machen, aus der Perspektive unserer Soldatinnen und Soldaten“, sagt Dirk Feldhaus, Beauftragter für die Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr im Bundesministerium der Verteidigung. „Wir zeigen das Leben und Arbeiten im Camp, wie es die Soldatinnen und Soldaten in Mali tatsächlich erleben.“ Dazu gehörten die Belastungen, denen die Soldaten in der Krisenregion in der Wüste ausgesetzt sind, aber auch der ganz normale Alltag. „Der ist mal anstrengend, mal witzig, auch mal langweiliger als das manche denken mögen, aber immer authentisch“, so Feldhaus.
Zwei Monate lang fast täglich

Von „Mali“ erscheint montags bis donnerstags täglich eine neue Folge bei Youtube, zwei Monate lang. Acht Soldaten werden darin porträtiert. Daneben wird die Serie von einer Informationskampagne in den sozialen Netzwerken Facebook, Instagram – dort unter dem Titel Bundeswehr Exclusive – und Snapchat begleitet. Die Macher versprechen viele exklusive Fotos, Videos und Hintergrundinformationen zum Einsatz.

Wie schon bei „Die Rekruten“, stößt auch die Nachfolgeserie auf Kritik. Es sei schlimm, dass es mittlerweile normal ist, auf Häuserwänden, im Kino, in Fitnessstudios oder an Bushaltestellen mit Bundeswehrwerbung konfrontiert zu sein, sagt Christine Buchholz, verteidigungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Bevölkerung wird Stück für Stück an das Militär gewöhnt.“ Neben dem Sinn und Zweck der MINUSMA-Mission, die die Bundeswehr in Mali erfüllt, kritisiert Buchholz vor allem die Ausgaben für die Serie. „6,5 Millionen Euro für diese PR-Show sind alles andere als sinnvoll investiert“, sagt die Linken-Politikerin.

Unterstützung bekommt die Bundeswehr vom Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, Hans-Peter Bartels. „Die Bundeswehr sollte alle Kanäle nutzen, um in Kontakt mit ihren Zielgruppen zu kommen, auch im Netz“, sagt der SPD-Politiker. Er habe zwar noch nicht viele Folgen gesehen, fand aber bislang nichts Anstößiges. Die Bundeswehr könne nicht mehr auf Wehrpflichtige zurückgreifen, sondern müsse in Konkurrenz mit Wirtschaft und öffentlichem Dienst um Freiwillige werben. „Klar ist, dass die öffentliche Darstellung des Dienstes in der Bundeswehr realistisch und nicht verharmlosend sein darf“, sagt Bartels. Das wüssten aber die Macher.
„Werbung im Reality-Look“

Der Kommunikationswissenschaftler Reinhard Fuhrberg bezeichnet das Bundeswehr-Projekt als „Werbung für neue Rekruten im Reality-Look“. Die Serie sei keine naturalistische Dokumentation, wolle es aber auch gar nicht sein. „Allerdings zeigt sie sicherlich mehr vom Alltag im Auslandseinsatz, als den meisten Zuschauern vorher bewusst war“, so der Wissenschaftler der Hochschule Osnabrück. Wenn diese Maßnahme effizienter zu neuen Rekruten führe, sei es sinnvoll investiertes Geld.

Die Youtube-Serie aus dem vergangenen Jahr war überaus erfolgreich. Über 45 Millionen Abrufe und 270.000 Abonnenten sind laut Bundeswehr die Bilanz von „Die Rekruten“. Außerdem konnte man ein „deutliches Bewerberplus“ verzeichnen.

Angesichts des großen Budgets ist Linken-Politikerin Bucholz über diesen Erfolg nicht verwundert. „Mit ihrem Millionenbudget hat sich die Bundeswehr Werbeprofis eingekauft.“ Es sei schlimm, wenn hochprofessionelle PR-Manager junge Leute dazu bringen können, ihre berechtigten Bedenken und Zweifel beiseite zu schieben. „In Gao gibt es kein Abenteuer und auch keine Mission, für die es sich lohnt, sein Leben zu riskieren“, so die Verteidigungsexpertin.


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