Türkische Geldgeber in Heiligendamm

Das Interesse war groß, als der Vorstandsvorsitzende der Palladio AG, Michael Stehr, über den Verkauf des Hotels informierte.
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Das Interesse war groß, als der Vorstandsvorsitzende der Palladio AG, Michael Stehr, über den Verkauf des Hotels informierte.

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30. Mai 2013, 09:47 Uhr

Heiligendamm | Vorsichtiges Aufatmen bei den rund 240 Angestellten des Grand Hotels in Heiligendamm. Seitdem Investor Anno August Jagdfeld Ende Februar 2012 bekanntgegeben hatte, dass das seit dem G8-Gipfel 2007 weltberühmte Grand Hotel Heiligendamm zahlungsunfähig sei, lebten sie in Unsicherheit. Aber nachdem Insolvenzverwalter Jörg Zumbaum gestern den Mitarbeitern, die das Hotel über die schwierige Zeit gerettet haben, und den Medien die neuen Investoren präsentierte, blieben doch viele Fragen offen.

So konnte der Vorstand der Berliner Beratungs- und Immobilienfirma Palladio AG, Michael Stehr, zwar eine eigens gegründete Firma, die Resort Heiligendamm GmbH & Co KG, präsentieren. Von dem Beteiligungspartner, der ebenfalls in der Hauptstadt ansässigen Immobilien- und Investitionsgesellschaft De & De Holding GmbH, ist letztlich nur bekannt, dass sie den Betrieb Ende August 2012 aufgenommen hat. Auf die Frage, woher die mutmaßlich knapp 30 Millionen Euro Kaufsumme stammen, wurde Stehr einsilbig. "Aus der Türkei, (...) nicht Ost-Anatolien, Istanbul."

Positiv wurde aufgenommen, dass die Investoren den weitläufigen Hotelkomplex nicht zerschlagen wollen. Das Haus - laut Stehr eine Perle mit kleinen Mängeln - soll ein Fünf-Sterne-Plus-Hotel bleiben. Doch ein fertiges Konzept für die Zeit nach dem 1. Juli liegt nicht vor, ein Hotelmanager soll es entwickeln.

Die vergangenen zehn Jahre seit der Eröffnung haben gezeigt, dass ein Hotelkomplex von dieser Größe fernab von Metropolen extrem schwer zu betreiben ist. Frühere Manager haben immer wieder da-rauf hingewiesen, dass Innenstadthotels gleicher Güte mit einem um Größenordnungen geringeren Personalaufwand gesteuert werden können.

Die Frage für die neuen Investoren ist, wie sie es schaffen, die vermögende Klientel anzulocken. Der am Mittwoch viel beschworene Ausbau der Nebensaison-Aktivitäten wird da wohl nicht reichen. Nach Meinung von Tourismusexperten verbietet es sich, ein Fünf-Sterne-Haus mit Billigangeboten zu betreiben.

Baustellen gibt es rund um das Hotel genügend. Jagdfeld, dem wesentliche Teile des Geländes gehören, hat sich auch mit unvorsichtigen Bemerkungen an der Doberaner Gemeindevertreterversammlung die Zähne ausgebissen. Diese wollte mehrheitlich den Zugang der Öffentlichkeit auf das Gelände gewährleisten. Jagdfeld wehrte sich strikt dagegen. Für ihn hängt das Scheitern des Projektes, an dem er eigenen Angaben zufolge immer noch mit ganzem Herzen hängt und rund 1900 Anleger ihr Geld verloren haben, ausschließlich mit dieser Frage zusammen. Sein Sprecher machte klar, dass bei der Frage Stichweg kein Kompromiss möglich ist. Etwa 25 Prozent des dafür notwendigen Geländes gehören Jagdfeld, der Streit könnte mit einer Enteignung enden. Keine guten Voraussetzungen für eine gedeihliche Zusammenarbeit.

Denn rings um den Hotelkomplex stehen weitere Häuser, die einer Tochtergesellschaft der Jagdfeld-Gruppe gehören. Sie verfallen und müssten renoviert werden. Es ist kaum vorstellbar, dass der Komplex Heiligendamm im anhaltenden Dauerstreit entwickelt werden kann.

Für Tourismuspräsidentin Sylvia Bretschneider ist das Ostseebad eine Ikone für MV. "Das soll so bleiben", sagt sie. "Wir erwarten, dass die Positionierung als erstklassiges Hotel unter der neuen Führung beibehalten und mit neuem Schwung weiterentwickelt wird." Die Latte für die Betreiber hängt nach Meinung von Beobachtern hoch. Sie müssen neben wirtschaftlichem auch psychologisches Geschick beweisen, um das Grand Hotel zu der von vielen Menschen in Mecklenburg-Vorpommern erhofften Erfolgsgeschichte zu machen.

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