Tag der Absichtserklärungen in Lübtheen : Truppenübungsplatz schnell und zum Nulltarif

Lübtheener Konferenz: Christian Schmidt (li.) als Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesverteidigungsministerium hatte eingeladen. Neben ihm Umweltminister Till Backhaus, einer seiner Mitarbeiter, CDU-Bundestagsabgeordneter Dietrich Monstadt und Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau. Foto: Mayk Pohle
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Lübtheener Konferenz: Christian Schmidt (li.) als Parlamentarischer Staatssekretär des Bundesverteidigungsministerium hatte eingeladen. Neben ihm Umweltminister Till Backhaus, einer seiner Mitarbeiter, CDU-Bundestagsabgeordneter Dietrich Monstadt und Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau. Foto: Mayk Pohle

Was wird aus der 8 mal 8,5 Kilometer langen Fläche, wenn die Bundeswehr abzogen ist? Diese Frage wurde auf einer hochkarätig besetzten Konferenz zum ersten Mal halböffentlich besprochen: Ergebnisse und Schlussfolgerung:

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05. Juli 2012, 06:59 Uhr

Lübtheen | Was wird aus der 8 mal 8,5 Kilometer langen Fläche, wenn die Bundeswehr abzogen ist? Diese Frage wurde auf einer hochkarätig besetzten Konferenz zum ersten Mal halböffentlich besprochen: Ergebnis: Till Backhaus verkündete in Absprache mit dem Ministerpräsidenten und der Finanzministerin den klaren Willen des Landes nach einer kompletten Übernahme der gut 6000 Hektar und das möglichst zum Nulltarif. Zweite Erkenntnis: Ein beträchtlicher Teil der Flächen soll als Kernzone des künftigen Biosphärenreservates "Flusslandschaft Elbe" herhalten. Nach vorläufigen Untersuchungen sind wohl gut 800 Hektar dafür geeignet. Dritte Schlussfolgerung: Ein weiterer Teil könnte energetisch genutzt werden, ausdrücklich war von Solaranlagen oder etwas nebulöser von Windanlagen die Rede. Nicht nur Backhaus schloss gestern eventuelle Gedanken für einen Braunkohleabbau kategorisch aus und verwies auf den einstimmigen Beschluss des Landtages in dieser Frage.

Viertens: Es gibt jeder Menge ungeklärter Probleme. Das betrifft vor allem den Brandschutz. Mit dem Abzug der Bundeswehr am 31. Dezember 2013 wird auch die derzeitige Berufsfeuerwehr nicht mehr da sein. Die umliegenden Gemeinden können diese Lücke bisher nicht einmal im Ansatz füllen. Dazu kommen wohl erhebliche Munitionsbelastungen, die zu einem Großteil noch aus Zeiten der Wehrmacht oder der Nationalen Volksarmee stammen. Die NVA hat ja Lübtheen jahrzehntelang als Artillerieschießplatz genutzt.

Und nicht zuletzt gibt es Angst vor möglichen Folgekosten, die die ganze Region überfordern könnten.

Erzählt und diskutiert wurde das alles vor einer Gruppe, die in dieser Zusammensetzung wohl noch nie getagt hatte. Mit Christian Schmidt hatte der Bundesverteidigungsminister seinen Parlamentarischen Staatssekretär geschickt. Diesen Termin hatte maßgeblich der Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt über die CDU-Schiene eingefädelt. Mit am Tisch saß auch Karin Strenz, die auch als Mitglied im Verteidigungsausschuss sitzt. Die SPD hatte den zuständigen Minister Backhaus dabei und natürlich wäre eine Beratung über den Platz ohne die Bürgermeisterin Ute Lindenau undenkbar. Dazu kamen die Bürgermeister von Belsch, Leussow, Alt Krenzlin, vom Amt Dömitz-Malliß, die Bundesforst war dabei und natürlich auch Vertreter des Bundesministerium des Inneren, das nach dem Abzug der Armee zunächst die Regie führen wird.

Der hohe Gast aus Berlin bedankte sich bei allen für die gute Zusammenarbeit mit der Bundeswehr in all den Jahren und versprach ein Höchstmaß an Flexibiliät und Entgegenkommen seines Hauses bei der Umwidmung des Platzes. Auch bei frühzeitiger ziviler Nutzung, z. B. in Randlagen, sei man sehr gesprächsbereit. Bürgermeisterin Lindenau verwies dennoch darauf, dass der Abzug der Bundeswehr mit immerhin 60 Dienstposten ein harter Schlag für die Region sei. "Dass Hagenow seinen Standort behält, tröstet uns in diesem Zusammenhang nicht besonders." Aus ihren Äußerungen, aber auch aus den Andeutungen von Backhaus wurde gestern deutlich, dass man intern in Sachen Konzepte für das riesige, aber auch wunderschöne Gebiet schon viel weiter ist, es aber aus taktischen Gründen nicht sagen will.

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