G7-Gipfel : Trump will Russland wiederaufnehmen

US-Präsident Donald Trump hat neue Ideen zum G7-Gipfel
US-Präsident Donald Trump hat neue Ideen zum G7-Gipfel. Foto: Kay Nietfeld

Paukenschlag bei Auftakt des G-7-Gipfels: Die EU lehnt den Vorstoß ab und die Gruppe der großen Industriemächte droht zu zerbrechen

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08. Juni 2018, 20:45 Uhr

La Malbaie | Ein neuer Alleingang von US-Präsident Donald Trump stürzt die Gruppe der sieben großen Wirtschaftsmächte in eine tiefe Krise. Mit seiner völlig überraschenden Forderung nach Wiederaufnahme Russlands trieb Trump einen weiteren Keil in die Gruppe der G7.

Mehr als 40 Jahre nach ihrer Gründung droht der Wertegemeinschaft damit auf ihrem Gipfel im ostkanadischen La Malbaie nahe Quebec die Spaltung. Ohnehin ist das Treffen der Staats- und Regierungschef überschattet von massiven Differenzen der Europäer mit Trump über amerikanische Strafzölle, seinen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzvertrag und aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran.

Im offenen Widerspruch zu den meisten G-7-Partnern überraschte Trump mit dem Vorschlag, den illustren Club erneut zur G 8 zu machen. „Russland sollte am Verhandlungstisch sitzen“, erklärte Trump in Washington vor seinem Abflug nach Kanada. An die G-7-Partner gerichtet, sagte er: „Sie haben Russland rausgeworfen, sie sollten Russland auch wieder hineinlassen.“ Die Aufgabe sei es, die Welt zu organisieren, und dazu werde Russland gebraucht.

Russland war wegen der Annexion der ukrainischen Krim 2014 aus der Gruppe ausgeschlossen worden. Kanzlerin Angela Merkel und andere G-7-Partner haben eine Wiederaufnahme Russlands aber bisher klar abgelehnt. Der Kreml äußerte sich zurückhaltend zu dem Vorschlag. „Wir legen den Akzent auf andere Formate“, sagte ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Italien wollten Russland nicht wieder in den Staatenbund aufnehmen, hieß es gestern aus der Delegation des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Die 7 sei eine „Glückszahl“, sagte EU-Ratspräsident Donald Tusk.

Schon vorher war im G-7-Kreis ein offener Streit mit dem US-Präsidenten ausgebrochen. Der kanadische Gastgeber Justin Trudeau und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron übten scharfe Kritik an den Alleingängen und der Handelspolitik Trumps. Der US-Präsident ging zum Gegenangriff über und warf dem Nachbarn Kanada und Frankreich vor, mit hohen Zöllen und anderen Markthürden amerikanische Exporte zu behindern.

Vor dem Hintergrund der Streitigkeiten will Trump den Gipfel auch vorzeitig verlassen. Wegen der Kontroversen mit Trump wird es diesmal wohl keine Einigung auf eine sonst übliche gemeinsame Abschlusserklärung geben. Dafür wird der gegenwärtige G-7-Vorsitzende Kanada nur die Ergebnisse zusammenfassen.

Ein solcher Dissens ist in der Geschichte der G7 höchst ungewöhnlich, da die Gruppe eigentlich gemeinsam globale Probleme anpacken will. Schon vor einem Jahr beim Gipfel in Taormina auf Sizilien war nur mit Mühe eine Abschlusserklärung erreicht worden. Doch will beispielsweise Kanzlerin Angela Merkel nicht hinter die Ergebnisse zurückfallen und lieber auf die Erklärung verzichten.

dpa/afp

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