zur Navigation springen

Bilanz : Trotz Umweltzonen keine bessere Luftqualität

vom

Viel Aufwand, wenig Ertrag? Umweltzonen in Innenstädten nerven viele Autofahrer. Sie seien nötig für die Gesundheit der Bürger, betont die Regierung. Doch 2011 sind die Feinstaubbelastungen trotzdem gestiegen.

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2012 | 11:25 Uhr

Berlin | Geht es nach dem Feinstaub-Experten Hans-Joachim Hummel, ist das Wetter schuld. Trotz inzwischen 54 Umweltzonen in Deutschland wurden 2011 die Grenzwerte für Feinstaubwerte vielerorts deutlich überschritten. Ein wesentlicher Grund sei, "dass es viele Inversionswetterlagen gab", sagt Hummel, der Leiter des Fachgebiets für Luftreinhaltung im Umweltbundesamt (UBA) ist. "Das muss man sich wie einen Kochtopf vorstellen, auf dem ein Deckel ist", erläutert Hummel. "Wenn unten weiter viel Auto gefahren wird und die Heizungen laufen, sammeln sich dort die Schadstoffe."

Gestern vorgestellte Zahlen des UBA zeigen, dass beim Feinstaub, der die Atemwege schädigen kann, im vergangenen Jahr 42 Prozent der verkehrsnahen Messstationen über dem zulässigen Grenzwert lagen. Dieser erlaubt nur 35 Tage pro Jahr mit über 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft. Beim Stickstoffdioxid lagen 57 Prozent der Stationen in Städten über den erlaubten Grenzwerten. Damit waren die Belastungen sogar noch höher als in den Jahren 2007 bis 2010.

Über Sinn und Unsinn von Umweltzonen, in die nur schadstoffarme Autos einfahren dürfen, wird gerne gestritten - die neuen Werte verschärfen die Debatte. Der Automobilclub von Deutschland (AvD) fordert die Abschaffung "wegen erwiesener Wirkungslosigkeit". "Es sind eher meteorologische Einflüsse wie Jahreszeit, Wind und Sonnenstand, die für höhere oder niedrigere Feinstaubkonzentrationen sorgen", heißt es hier.

UBA-Präsident Jochen Flasbarth betont hingegen: "Umweltzonen sind ein geeignetes Mittel." Mit Einführung der modernsten Abgas-Norm (EURO 6) und immer mehr schadstoffarmen Autos werde die Situation in Zukunft verbessert. Ob die Zonen wirklich zu wenig bringen, dürfte auch das laufende Jahr zeigen. Denn im Januar wurde das Ruhrgebiet zur größten Umweltzone Deutschlands. Auf rund 850 Quadratkilometern zwischen Duisburg und Dortmund dürfen nur noch Autos mit mindestens der roten Plakette fahren. Die Autobahnen sind aber ausgenommen. Bisher seien alle Klagen gegen Umweltzonen in Deutschland gescheitert, wird zudem beim UBA betont. Gerichte bewerteten sie als verhältnismäßig.

Vielleicht liegt die - zumindest von den Zahlen her zweifelhafte - Bilanz auch an fehlenden Kontrollen. Nur in Berlin und Hannover wurde 2011 nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) streng kontrolliert, ob alle Autos, die in der Umweltzone unterwegs sind, dies auch dürfen. Die DUH rät Anwohnern stark befahrener Straßen, die Kommunen zu verklagen, wenn sie nicht kontrollieren. Das Bundesumweltministerium betont mit Blick auf strenge Kontrollen in Berlin: Diese Zone habe zu 58 Prozent weniger Ruß- und zu 20 Prozent weniger Stickstoff-Emissionen geführt.

Wer darf in die Innenstädte fahren?

Umweltzonen gibt es in drei Stufen: Rot bedeutet, dass es nur für wenige Autos Einschränkungen gibt. In der zweiten Stufe dürfen nur Autos einfahren, die mindestens eine gelbe Plakette haben. Mit der 3. Stufe (grüne Plakette) dürfen nur Pkw mit geringem Schadstoffausstoß in die Städte. Wer gegen die Vorschriften verstößt, muss mit 40 Euro Strafe und einem Punkt rechnen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen