Landgericht Neubrandenburg : Trotz Schweigens: Drogen-Rocker verurteilt

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16 Monate schweigen Rocker in Neubrandenburg vor Gericht, weil sie eine Verurteilung vermeiden wollen. Das klappt nicht. Die Kammer ist sich sicher, dass die Männer mit Drogen handelten. Ein V-Mann und Handyüberwachungen lösen das Indizien-Puzzle.

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16. April 2015, 20:00 Uhr

Ihr Schweigen führte nicht zum erhofften Freispruch: Wegen bandenmäßigen Drogenhandels hat das Landgericht Neubrandenburg drei Rocker zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt.

Der 26-jährige Haupttäter erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten, seine 22 und 35 Jahre alten Komplizen je zwei Jahre auf Bewährung, sagte Richter Carl Christian Deutsch gestern. Der Prozess, der 16 Monate dauerte, fand unter großer Polizeipräsenz statt. „Wir hatten nur Indizien, aber haben sie zusammengefügt“, sagte Deutsch. Die Verurteilten hatten vor Gericht beharrlich geschwiegen.

Deutsch ermahnte sie: „Sie haben einen Haufen Glück gehabt, dass die Ermittlungen so gelaufen sind. Wenn sie aber so weitermachen, verleben sie ihr Leben hinter Gittern.“  Das Trio, das in Neubrandenburg einen Ableger der Rocker-Vereinigung „Mongols“ gegründet hatte, hatte von Herbst 2012 bis Juli 2013 mindestens zehnmal Drogen aus Bremen geholt und in der Region Neubrandenburg verkauft. 20 Fälle kamen zur Anklage. Durch den Tipp eines V-Manns kam die Polizei den Männern Anfang 2013 auf die Spur, es folgten monatelange Telefonüberwachungen. Die Gesprächen mit den Bremern gingen laut Gericht unter anderem darum, „ob man neue DVDs abholen kann.“ „Insgesamt gab es 30 Fahrten innerhalb kurzer Zeit nach Bremen“, sagte Deutsch. Die Fahrten - meist mit Mietwagen - waren lang, die Aufenthalte nur kurz. Mehrere Bekannte der Rocker hatten angegeben, dass klar war, „dass Drogen in der Region Neubrandenburg über die Mongols vertickt werden“. Bei dem 22-Jährigen, „Vizepräsident“ der Mongols, wurde ein Buch mit Verkaufslisten, Drogen und Rauschgiftutensilien beschlagnahmt. „Die Männer hatten erst kaum Geld, später ging man in Spielotheken und hielt sogar Fußballwetten gegen Geld ab“, sagte Deutsch.

Das Gericht blieb unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft nach fünf bissieben Jahren Haft. Die Verteidiger wollten Freisprüche, da die Männer vorher nicht einschlägig in Erscheinung getreten seien und die Polizei über die Geschäfte schon im Januar gewusst habe, so Deutsch. Hätte die Polizei nicht erst am 2. Juli 2013 zugegriffen, wären es weniger Taten geworden. Die Bremer Mongols wurden mit einer großen Menge Rauschgift gefasst.

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