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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 19:44 Uhr

Rostocker Projekt : Trotz Rolli auf Reisen

vom
Aus der Onlineredaktion

Rostocker Projekt organisiert Urlaub für pflegebedürftige Menschen

Urlaub – das hieß für Familie Wehde aus Schwerin früher: Ferienwohnung und Fahrradtouren. Seit fast vier Jahren jedoch ist alles anders: Otto Wehde, damals noch nicht mal 63, erlitt einen Schlaganfall. Seitdem ist er pflegebedürftig, an Fahrradfahren ist nicht mehr zu denken, nicht an ein selbstständiges Leben und auch nicht an einen normalen Urlaub mit seiner Frau.

Er kann seine linke Hand nicht benutzen und nur unter Mühen selbst gehen, ist auf den Rollstuhl angewiesen. „Zum Glück ist er geistig fit und kann sprechen“, sagt Margit Wehde. „Er hat sogar seinen Humor behalten.“ Allerdings sind inzwischen immer wieder epileptische Anfälle vorgekommen – eine mögliche Spätfolge bei Schlaganfallpatienten. Ein Grund mehr für Wehdes Frau, ihren Mann nicht allein zu lassen. Sie ist inzwischen Rentnerin und versorgt ihn zu Hause. „Aber es ist wichtig, dass man mal eine andere Gegend und andere Menschen sieht – für beide“, sagt sie. „Es hat meinem Mann so viel Kraft und Motivation gegeben, mal wieder rauszukommen.“

Denn im Sommer waren die beiden für ein paar Tage in Warnemünde – pünktlich zum 40. Hochzeitstag. „Ich dachte, es muss doch auch für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, eine Möglichkeit geben, Urlaub zu machen“, sagt Margit Wehde. Sie fand das Angebot von Sorglos-Urlaub Rostock, maßgeschneidert für die Bedürfnisse der Familie: Taxi-Transfer, Hotelzimmer mit Pflegebett und barrierefreiem Bad, der Pflegedienst kam direkt ins Hotel, nachmittags betreute jemand Otto Wehde für eine Weile, sodass seine Frau ein bisschen Zeit für sich selbst bekam – alles organisiert von Sorglos-Urlaub.

Die Pflegeleistungen wurden von der Kasse bezahlt. „Wir hätten mit dem Rollstuhl sogar bis ans Wasser ranfahren können“, schwärmt Margit Wehde. „Das hat alles wunderbar geklappt.“ Das Ehepaar unternahm eine Dampferfahrt, beobachtete Kreuzfahrtschiffe und genoss die Stimmung in Warnemünde.

Zu reisen und Neues zu entdecken – das ist auch für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen reizvoll. Das Projekt aus Rostock ermöglicht ihnen eine Auszeit vom Alltag. Derzeit gibt es Kooperationen mit 17 Hotels an der Küste und der Mecklenburgischen Seenplatte. „2017 werden wir über 20 Buchungen abwickeln“, sagt Regina Schäfer, die das Projekt beim Institut für Gesundheitsmanagement Nord (IGM) steuert. „Oft sind es Ehepaare, außerdem ältere Damen, die verreisen möchten, aber Pflegeangebote brauchen. Wir haben viel mehr Nachfragen, müssen aber manchmal absagen, weil es noch zu wenig Möglichkeiten gibt. Das heißt, wir suchen weiter nach geeigneten Partnerhotels.“ Sie hofft, dass der positive Verlauf der aktuellen Saison noch mehr Hoteliers vom Sorglos-Urlaub-Konzept überzeugt. Kontakte entstehen zum Beispiel über den Tourismusverband des Landes. „Für die Häuser ist es eine gute Sache, denn wenn die älteren Herrschaften sich wohl und gut aufgehoben gefühlt haben, werden es Stammgäste.“ Sie reisen gern außerhalb der Hauptsaison, weil es dann nicht so voll und nicht so heiß ist. Und sie bleiben länger – bis zu sechs Wochen. „Denn sie sagen sich, wenn wir schon diesen Aufwand betreiben, wollen wir es auch ausnutzen“, weiß Schäfer.

Weitere Informationen auf: www.sorglos-urlaub.de

 

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