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Mecklenburg-Vorpommern

26. September 2017 | 11:08 Uhr

Trotz Rekordflut wenig Schäden

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2013 | 07:28 Uhr

Schwerin | Mecklenburg-Vorpommern ist beim diesjährigen Elbehochwasser vergleichsweise glimpflich davongekommen. "Die größten Schäden sind in der Landwirtschaft entstanden", zog gestern der Landrat des betroffenen Landkreises Ludwigslust-Parchim, Rolf Christiansen (SPD), gegenüber unserer Redaktion eine erste Bilanz. In der Nähe der Elbe stehen zahlreiche Felder unter Wasser, weil der hohe Pegelstand des Flusses das Grundwasser nach oben drückt. Wie hoch die Ausfälle für die betroffenen Bauern tatsächlich sind, werde man erst in den kommenden Wochen wissen, wenn die Äcker wieder trocken sind.

"Hier im Landkreis Ludwigslust-Parchim haben wir in den zurückliegenden Tagen mit Pegelständen von 7,21 Metern in Dömitz und 7,32 Metern in Boizenburg das schlimmste Sommerhochwasser der Elbe erlebt. Aber wir haben großes Glück gehabt. Überflutungen, Deichbrüche und andere größere Schäden blieben uns erspart", sagte der Landrat. Andernorts habe die Flut verheerende Schäden angerichtet. Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück bezifferte seinen Nettoschaden in ersten Schätzungen auf 100 bis 200 Millionen Euro. Exakte Zahlen gebe es erst, wenn die Pegelstände wieder normal seien.

Die Elbe fließt auf 21 Kilometern bei Dömitz und Boizenburg durch Mecklenburg-Vorpommern. Im hochwassergefährdeten Gebiet des Landes leben auf einer Fläche von 25132 Hektar 14 000 Menschen. Die Schäden seien auch deshalb in Mecklenburg-Vorpommern überschaubar geblieben, weil seit der Flut 2002 etwa 52 Millionen Euro in die Verbesserung des Hochwasserschutzes an der Elbe investiert worden sind. "Mit den Deichen von 2002 hätten wir bei den diesjährigen Pegelständen sofort evakuieren müssen", so Christiansen.

Allerdings haben die Mecklenburger indirekt auch vom Unglück der Menschen in Sachsen-Anhalt profitiert. Durch den Deichbruch bei Fischbeck und der planmäßigen Flutung der Havelpolder in Brandenburg kam die Scheitelwelle des Hochwassers bei Dömitz um 70 Zentimeter niedriger als erwartet an.

Dennoch wurden 1,2 Millionen Sandsäcke von Bundeswehr, Technischem Hilfswerk, Feuerwehren und anderen Helfern verbaut. Die meisten Säcke kamen aus anderen Landesteilen Mecklenburg-Vorpommerns. "Das lief schnell und unkompliziert ab", berichtete Christiansen. 41 000 Säcke brachte die Bundeswehr gleich mit.

Aber die Flut habe auch gezeigt, dass das Schutzsystem an der Elbe längst noch nicht komplett ist. Es würden Deiche bei Heiddorf und Neu Kaliß fehlen, schätzt der Landrat ein. Als Ersatz mussten Helfer seit dem 4. Juni tagelang Wälle mit Sandsäcken aufschichten, um die Orte vor dem Rückstau in der Elde-Müritz-Wasserstraße zu schützen, die bei Dömitz in die Elbe fließt. "Diese Deiche müssen wir umgehend bauen", sagte der Landrat. Es handelt sich um einen Abschnitt von insgesamt etwa acht Kilometern. Hinzu kommt eine Schutzwand an der Bundesstraße 191 vor Heiddorf.

Außerdem seien Schäden an Deichen durch das aktuelle Hochwasser besonders in Dömitz und in der Nähe von Horst bei Boizenburg entdeckt worden, die in den nächsten Wochen und Monaten repariert werden müssen.

Kritik übte der Landrat an der Versorgung der Helfer in den ersten Tagen. "Manche hatten, nachdem sie ankamen, vier bis fünf Stunden nichts zu trinken", meinte Christiansen. Das müsse künftig besser organisiert werden.

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