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Luftwaffe verlegt Afghanistan-Transporte nach Köln : Trollenhagens letzter Flieger

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Vom Fliegerhorst Neubrandenburg-Trollenhagen sind gestern die letzten Transportflugzeuge zur Versorgung der Bundeswehr in Afghanistan gestartet. Nach dem Jahreswechsel verlegt die Bundeswehr ihre Flüge nach Köln.

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erstellt am 28.Dez.2012 | 07:47 Uhr

Trollenhagen | Das schwere Transportflugzeug befindet sich erst ein paar Minuten am Boden, da beginnen gestern neben dem Rollfeld des Fliegerhorstes Neubrandenburg-Trollenhagen schon die Verladearbeiten. Während sich die Heckrampe der Iljuschin 76 öffnet und Gabelstapler die ersten Paletten heranfahren, hebt nebenan eine Schwestermaschine der aserbaidschanischen Fluggesellschaft Silkway zum Flug über Baku nach Afghanistan ab.

Für den Abend sei aus Algier kommend noch eine dritte, russische Maschine angekündigt, sagt Fluglotse Werner Bartsch. Es sind die letzten Versorgungsflüge für die in Masar-i-Scharif stationierten Bundeswehrtruppen, die über Mecklenburg-Vorpommern gehen. Nach acht Jahren verlegt die Bundeswehr die Luftbrücke von Trollenhagen zum Flughafen Köln/Wahn.

"Wir sind immer sehr gern Trollenhagen angeflogen", sagt Flugkapitän Alimjan Bileteyeu, während seine Maschine beladen wird.

Nicht nur, weil der kleine Fliegerhorst in nur vier Stunden von Baku aus zu erreichen sei, sondern auch, weil die Besatzung hier die Möglichkeit gehabt habe, schnell noch privat einzukaufen. Die Besuche in einem Neubrandenburger Supermarkt wurden eigens von einem ehemaligen Piloten der früheren DDR-Fluggesellschaft Interflug organisiert. Rund 110 Paletten werden an diesem Tag in den fast dreieinhalb Meter breiten Frachtraum der Iljuschin gehievt und festgezurrt. Fast die Hälfte sei dieses Mal Feldpost, darunter vermutlich auch noch verspätete Weihnachtspäckchen, sagt Feldwebel Dieter Menacher.

Insgesamt 15 Tonnen verschwinden im Rumpf des Riesen-Transporters, darunter auch Ersatzteile für Kraftfahrzeuge, Werkzeug, Sanitätsmaterial und Gefahrengut wie brennbare Flüssigkeiten. Die größte Einzelladung sei erst vor fünf Wochen aus Afghanistan eingeflogen worden, sagt der 26-Jährige: Ein 14 Tonnen schwerer "Yak", ein dreiachsiges gepanzertes Radfahrzeug für Sanitäter, Drohnentransporte und Kampfmitteleinsätze.

Seit Aufnahme der Transportflüge für die deutschen Truppen in Afghanistan im Jahre 2004 seien 77 280 Tonnen Luftfracht über Trollenhagen gegangen, sagt der Sprecher des Fliegerhorstes, Andreas Schrödel. Dazu gehörten allein 2010 zusammen 226 Fahrzeuge wie Geländewagen, gepanzerte Fahrzeuge und sogar eine Feuerwehr.

Insgesamt hoben Iljuschins und Antonows mehr als 2 500 Mal ab. Bis zu vier Mal täglich starteten die von mehreren Fluglinien in Aserbaidschan, Weißrussland, Usbekistan, der Ukraine und Russland gecharterten Maschinen zum Hindukusch.

Nach dem Jahreswechsel werden die Flüge über Köln organisiert. Im Zuge der Bundeswehrreform soll der militärische Flugbetrieb in Trollenhagen wie bekannt gegeben Ende März 2014 eingestellt werden.

Investitionen etwa in die Sanierung der rund 2 300 Meter langen Landepiste wird es vorerst nicht geben. Immerhin aber soll Trollenhagen Ausweichflughafen für die Eurofighter in Rostock-Laage bleiben.

Am Nachmittag hebt auch Kapitän Bileteyeu in Trollenhagen zum Flug nach Afghanistan über Aserbaidschan ab. Die Mannschaft wippt im Vorbeiflug noch einmal mit den Flügeln, dem internationalen Pilotengruß "Rocking Wings", hinüber zum Tower.

Künftig werden in Trollenhagen wohl nur noch Geschäfts- und Privatflieger, Rettungshubschrauber sowie zivile und militärische Schulflugzeuge starten und landen.

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