Rückblick 2013 : Triumph und Tränen auf der politischen Bühne

Erst die Träne, dann der Stinkefinger: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück
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Erst die Träne, dann der Stinkefinger: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

Die besonderen Augenblicke eines Jahres, das ganz im Zeichen der Bundestagswahl stand

svz.de von
29. Dezember 2013, 21:00 Uhr

Pippi Langstrumpf und die „Toten Hosen“, ein grünes Damenjackett und ein Dirndl. Sie alle hatten ihren Auftritt – auf der politischen Bühne 2013.

Die FDP und der Herrenwitz

Rainer Brüderle stolpert über ein Dekolleté. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“, soll der Endsechziger einer jungen Reporterin an einer Hotelbar zugeraunt haben. Auf Twitter starten Frauen eine Anti-Sexismus-Kampagne mit dem Hashtag „#aufschrei“. Ein Fremdgeh-Portal plakatiert Brüderle am Berliner Bahnhof Zoo: „Diskreter und anonymer als jede Hotelbar.“ Der Politische Aschermittwoch ist um ein Thema reicher.

Pannen-Peer und die Träne

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der kühle Kopfmensch, zeigt Gefühl in einer Gesprächsrunde auf dem SPD-Parteikonvent in Berlin. Seine Ehefrau Gertrud hat den Druck im Wahlkampf geschildert. „Es wird immer geguckt, wo können wir ihn erwischen. Wo ist er schon mal ausgerutscht. Wo könnte eine Panne lauern, wo hat er sich versprochen? ... Das finde ich schwer zu ertragen.“ Die nächste Frage. Er stockt. Applaus. Viele erheben sich von ihren Plätzen. Andere werfen ihm später Weinerlichkeit vor. Eine Woche vor der Wahl zeigt „Pannen-Peer, Problem-Peer, Peerlusconi“ nur noch den Stinkefinger – auf dem Cover des „SZ-Magazin“.

Pippi und der Bundestag

Nicht lupenrein – aber es wird gesungen, im Deutschen Bundestag. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles gibt die Pippi Langstrumpf: „Ich mach mir die Welt, widde-widde-wie sie mir gefällt.“ Die Linke-Abgeordnete Sabine Zimmermann hakt schriftlich nach: Wie steht die Bundesregierung „zu dem seitens der Abgeordneten Andrea Nahles in ihrem melodischen Redebeitrag (...) geäußerten Vorwurf, es gebe Parallelen zwischen dem Agieren der Bundesregierung in den vergangenen vier Jahren und den Handlungsabsichten und Verhaltensweisen der Figur Pippi Langstrumpf aus dem bekannten Kinderbuch von Astrid Lindgren?“ Der Staatsminister im Kanzleramt, Eckart von Klaeden (CDU), schreibt zurück: „Pippilotta Viktualia Rollgardine Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf hat in der Bundesregierung viele Fans.“ Ende vom Lied? Na hoffentlich.

Die CDU und die „Toten Hosen“

CDU goes Punkrock. Um 21.20 Uhr gibt es für die Parteivorderen kein Halten mehr. Gut drei Stunden nach Schließung der Wahllokale sehen die Hochrechnungen CDU und CSU um die 42 Prozent – so stark war die Union im Bund nicht mehr seit 1990. Die absolute Mehrheit zum Greifen nah. „An Tagen wie diiiiesen“, röhrt Fraktionschef Volker Kauder die „Toten Hosen“-Hymne. Armin Laschet wippt neben Ursula von der Leyen, Heiner Geißler nickt im Takt. Dabei war die Ansage der Band eigentlich klar: Keine „Toten Hosen“-Songs im Wahlkampf. Kauder am Morgen danach: „Der Generalsekretär hat gesagt, dass Wahlsieger das Lied singen dürfen.“

Die Drei und der Vertrag

In Grün-Schwarz präsentiert Angela Merkel den schwarz-roten Koalitionsvertrag. Sie in der Mitte, SPD-Chef Sigmar Gabriel links, CSU-Chef Horst Seehofer rechts. Fünf Wochen Verhandlungen auf 185 Seiten. „Deutschlands Zukunft gestalten“. Die Kanzlerin staatstragend nach nächtlicher Runde, über ihren Kopf hinweg harmlose Frotzeleien. Er habe seine CSU gefragt, ob zum Regierungsprogramm noch mal ein Parteitag gewünscht sei, erzählt Seehofer: „Das war nicht der Fall.“ Gabriel: „Das würde uns nie passieren.“ Seehofer zurück: „Ich würde Ihnen raten, auf diesen Zustand hinzuarbeiten, Herr Gabriel.“ Der Ausgang ist bekannt...

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