Ferien in MV : Trend: Urlaub vor der Haustür

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Fotos: Colourbox/dpa/Dollage:cri.p

Auch zwei Ostsee-Orte schaffen es auf die Liste der meistgebuchten Inlandsziele

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07. Juli 2018, 05:00 Uhr

Endlich Ferien! Sonne auf der Haut, sandige Füße, der Duft nach Meer – dafür braucht man jedoch nicht in die Ferne zu reisen. Das alles gibt es direkt vor der Haustür. Die Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern verbringen daher ihren Urlaub in diesem Jahr am liebsten in der Heimat. Das teilt das Reiseunternehmen Tui mit. Drei Sommer lang, von 2015 bis 2017 sei demnach Spanien das gefragteste Reiseziel gewesen. 2018 ist es wieder Deutschland.

Auch bundesweit bevorzugt, laut der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen, dieses Jahr jeder zweite Urlauber heimische Ziele gegenüber einer Fernreise. Eine Auszeit im Inland sei mit unter 80 Euro auch deutlich günstiger als eine Fernreise, die täglich im Durchschnitt 120 Euro kostet.

Smartphone statt Postkarte

Die quietschenden Drehständer mit Postkarten gibt es zwar noch, doch sie scheinen unwichtig geworden. Handgeschriebene Ansichtskarten mit „schönen Grüßen“ aus dem Urlaub sind im 21. Jahrhundert passé. Stattdessen werden dank Smartphone Grüße und Fotos in Echtzeit an die Liebsten geschickt. Freunde werden in sozialen Netzwerken mit Schnappschüssen und Infos versorgt - und gern auch mal neidisch gemacht. Motto: „Und ihr so?“ Dazu ein Emoji.

Ohne Fotos geht nichts

Wer zu Touri-Hotspots kommt - zum Beispiel nach Paris, New York oder zum Schloss Neuschwanstein - der sieht die Leute vor weltbekannten Bauwerken posieren. Selfiesticks werden gezückt, Leute spannen Freunde oder Passanten ein. Alles nur, um den flüchtigen Moment mit einem perfekten Motiv festzuhalten und dann - bewusst oder unbewusst - anzugeben: „Schau, wo ich war.“ Da entsteht schnell Freizeitstress.

Recherche im Internet

Online statt Reisebüro:  Die Deutschen verzichten bei der Planung des Urlaubes zunehmend auf den Gang zum Reisebüro. 70 Prozent haben eine Reise schon einmal online gebucht – das zeigt eine repräsentative G DATA Studie unter 1000 deutschen Internetnutzern. Nur drei von zehn Reisenden verzichteten bisher auf eine Buchung im Netz. Doch auch der Urlaubsort wird  vorab  virtuell ausgekundschaftet. Mit Google Street View kann man vor Antritt der Reise durch Straßen schlendern. Bei Portalen wie TripAdvisor werden vorher Restaurants gesucht, Bilder und Bewertungen der Tellergerichte gecheckt. Dem Zufall keine Chance. Statt Stadtplänen wie früher hilft heute das Handy auch vor Ort beim Navigieren. Nie zuvor schien Hans Magnus Enzensbergers Satz „Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet“ so wahr wie heute.

Couch statt Bettenburgen

Betonburgen und Hotels sind nicht mehr das Nonplusultra als Unterkunft. Couchsurfing liegt im Trend. Mit Airbnb aus dem kalifornischen Silicon Valley hat sich auch die Idee verbreitet, ein Zuhause an anderen Orten anzumieten.  Traumorte wie das überrannte Venedig, die Inka-Stadt Machu Picchu oder auch das boomende Berlin, das früher für billigen Wohnraum bekannt war, ächzen unter ihrer Beliebtheit.

Weniger ist mehr

Früher war das Gepäck Ballast. Und die überladene Familie am Flughafen (oder an der Autobahnraststätte) zeigte die Ausnahmesituation des Reisens. Heute scheint die Mitnahme des Nötigsten ein müheloser Vorgang.

Billig muss es sein

Airlines wie Ryanair, Wizz Air, Eurowings oder Easyjet lassen die Leute für recht wenig Geld für ein Wochenende nach Barcelona, London, Lissabon, Mallorca oder Rom jetten. Was das für die Umwelt bedeutet, verdrängen viele. Das ist auch beim Kreuzfahrt-Boom der Fall. Über die dreckige Seite des Reisens denkt keiner gerne nach.

Zurück in die Heimat

Die Heimat ist in den vergangenen Jahren wieder beliebter geworden. Davon zeugt die Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen. Während es vor 18 Jahren noch hieß, dass nicht einmal ein Drittel der Urlaube der Deutschen Inlandsreisen gewesen seien, liegt Deutschland heute wieder voll im Trend.

Lieber wandern statt baden

Im Jahr 2000 schien die Küste noch die Berge zu verdrängen, 2017 lag Bayern eindeutig vor Mecklenburg-Vorpommern. Wandern gilt übrigens als Megatrend.

Camping erlebt eine Renaissance

Fast jeder  dritte Bundesbürger (31%) möchte laut der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen beim Camping der Natur nahe sein. Besonders im Trend ist dabei Glamping: Eine Mischung aus Glamour und Camping. Denn auch beim Urlaub in der Natur wollen viele nicht auf besondere Annehmlichkeiten verzichten.

 

Doch wohin fahren die Deutschen im eigenen Land am liebsten weg? – Nach Hamburg, so das überraschende Ergebnis des in Schwerin ansässigen Reiseanbieters Kurzurlaub.de. „Städtereisen sind bei den Deutschen sehr beliebt“, erklärt Sprecher Frank Bleydorn. Neben weiteren Großstädten wie Dresden, Leipzig und München schafften es auch Heringsdorf und Zingst an der Ostsee unter die Top-10 der beliebtesten Inlandsziele. „Man darf ohne Übertreibung sagen, dass sich das Seeheilbad auf der Insel Usedom zu einer touristischen Perle entwickelt hat“, sagt Bleydorn. „Und Zingst hat mit seinem ewig langen Strand eine Menge zu bieten. Die Landschaft fasziniert und lädt viele Fahrradfahrer zu Touren ein.“

Wer doch lieber weiter weg will, den zieht es vor allem in den europäischen Süden. Spanien, Griechenland und Italien schafften es mit den dazugehörigen Inseln auf Platz 3 bis 4 der beliebtesten Reiseziele der Urlauber aus MV. Auch die Türkei sei wieder stark nachgefragt, nachdem das Land in den vergangenen Jahren aufgrund der Unruhen weniger hoch im Kurs bei Urlaubern stand. Das beliebteste Fernreiseziel der Menschen aus MV sind unverändert die USA auf Platz sieben.

Doch ob Nah oder Fern: Entspannung – das sei es, was sich die meisten Menschen, laut der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen, während ihrer freien Tage wünschen. Mehr als vier von fünf Reisende (86 Prozent) suchen im Urlaub den Kontrast zum Alltag, schauen nicht ständig auf die Uhr und lassen auch mal Fünf gerade sein. Doch nur Faulenzen kommt für jeden zweiten dennoch nicht in Frage.

51 Prozent der Reisenden wollen viel erleben. Ob eine Wanderung, Stadtbesichtigung oder Surfkurs. Immerhin sei für vier von fünf Befragten der Urlaub der Höhepunkt des Jahres.

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