Warnemünde : Treibgut und Müll wird zu Kunst

Im Atelier von Anke Paap gibt es Collagen und andere Kunst aus Plastikmüll.
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Im Atelier von Anke Paap gibt es Collagen und andere Kunst aus Plastikmüll.

Anke Paap führt das Atelier beached art. Ihre Collagen drücken neben der kreativen Ader ihr Umweltbewusstsein aus

svz.de von
21. August 2016, 07:00 Uhr

Geht Anke Paap am Strand spazieren, lässt sie sich nicht nur von der Sonne bescheinen oder den Wind um die Nase pusten. Sie verfolgt ein anderes Ziel: Sie sucht Strandgut. Dabei geht es der Architektin nicht etwa um kostbaren Bernstein. Ihr Blick ist auf andere Dinge geschult, den die Ostsee anspült: Meeresmüll. Und den gibt es mei-stens aus Plastik in jeder Art, Farbe und Form. Gleichzeitig säubert sie mit der Sammelei auch den Strand. Und es entspricht ihrem Sinn für Nachhaltigkeit, im Anschluss daraus Kunstobjekte zu gestalten. Collagen, Bilder und Mobiles aus Fundstücken stellt die Frau mit dem Kunst- und Umweltsinn in ihrem Atelier beached art in der Alexandrinenstraße106 aus.

Begonnen hat die Sammelei 2008 als Spiel mit Nichte und Neffen. Es hieß: „Wir gucken mal, was wir am Strand so finden und was wir daraus gestalten können“, erklärt sie das Vorgehen. Den Kunstsinn hat sie von ihrer Mutter und durch ihren Beruf ein gutes Gespür für Struktur, Formen und Anordnung. „Wenn ich am Strand suche, bin ich fasziniert und beängstigt zugleich über das Nebeneinander von Natur und Plastik“, sagt Anke Paap. Das Ausmaß des Mülls beängstigt sie ebenso wie der Verpackungswahn der Menschen und was Strandbesucher alles liegenlassen. Sie ärgert sich auch über den vielen Müll der Cafe-To-Go-Marotte.

Gerade Stürme treiben viel Strandgut an. Es interessiert sie die Geschichte hinter den Stücken. Zum Beispiel hat sie einen kaputten, teilweise geflickten Gummistiefel gefunden, der wahrscheinlich aus dem Zweiten Weltkrieg angespült worden ist. Und er passt auch zur aktuellen Flüchtlingskrise.So faszinierend sie die Farben von Plastik findet, so beängstigend empfindet sie den Umgang der meisten Menschen mit diesem schwer zersetzbaren Material. „Kindersandspielzeug ist wahrscheinlich zu billig, das wird ganz viel liegengelassen“, sagt die Treibgut-Sammlerin. „Ich will deshalb den Blick schärfen für dieses Thema Plastikmüll und Umweltverschmutzung“, sagt sie. „Mit meinen Arbeiten geht das auf spielerische Weise“, sagt sie.

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