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21-Jähriger erfüllt sich Kindheitswunsch : Traumjob in der Landwirtschaft

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Daniel Miedke aus Hohendorf hat sich einen Kindheitstraum erfüllt: Der 21-Jährige ist Junglandwirt. Doch immer weniger Jugendliche begeistern sich für "grüne Berufe".

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erstellt am 12.Okt.2012 | 11:00 Uhr

Hohendorf | Die Weizenaussaat auf den Äckern der Peeneland Agrar GmbH Hohendorf bei Wolgast verfolgt Daniel Miedke vom Sitz seines Traktors aus. Beim Pflügen des Saatbetts muss der 21-Jährige darauf achten, dass das rechte Rad des Traktors exakt am Furchenrand fährt und der Drehpflug den Boden in Breite und Tiefe genau so wendet, wie ihm aufgetragen wurde. Das Pflügen gilt unter Traktoristen als die Königsdisziplin, die jahrelange Erfahrung braucht. Miedke dagegen hat gerade erst die Lehre beendet.

"Aber der Junge ist ein Glückstreffer", lobt ihn Norbert Krüger, der in der Agrargesellschaft für den Einsatz der Technik und die Ausbildung der Lehrlinge zuständig ist. Denn der junge Mann hat alle Eigenschaften, auf die Krüger großen Wert legt. "Er zeigt nicht nur gute Leistungen in der Praxis. Er kniete sich auch in die theoretische Ausbildung hinein. Und im Auftreten ist er so, wie es sein muss: höflich, zuverlässig und pünktlich."

Miedkes vorbildliche Einstellung zum Beruf ist nicht verwunderlich. Er hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. Immer, wenn die Traktoren oder Mähdrescher der Agrargesellschaft durch sein Heimatdorf fuhren, lief er zum Feldrand. Manchmal nahm ihn auch ein Fahrer mit. Seitdem stand für ihn fest, dass er einmal selbst diese Maschinen steuern wird.

Jedes Jahr bildet die Peeneland Agrargesellschaft einen jungen Mann aus der Region über drei Jahre zum Landwirt aus. Aber gegenwärtig ist nur ein Lehrling im dritten Lehrjahr eingestellt.

Ein zweiter hatte aufgegeben. "Weil er nicht einsehen konnte, dass in der Landwirtschaft das Wetter die Arbeitszeit bestimmt", sagt Krüger. Und in diesem Jahr wollte keiner angefangen. So ging es vielen Ausbildungsbetrieben.

"Eine Umfrage hat ergeben, dass zum 1. September 120 Lehrstellen offen geblieben sind", sagt Karsten Peters, Referent im Schweriner Landwirtschaftsministerium und Ansprechpartner für die Bildung im Agrarsektor. "Zwar ist der tatsächliche Bedarf der Branche nicht eindeutig zu beziffern, aber seit 2007 ist die Zahl der Auszubildenden in den grünen Berufen um 42 Prozent gesunken."

Das Problem der offenen Lehrstellen steht nicht nur für die Agrarbranche. Mit dem drastischen Sinken der Zahl der Schulabsolventen seit 2005 konkurriert die gesamte Wirtschaft um die Sicherung ihres Berufsnachwuchses. "Da ist Landwirt für die meisten nicht gerade der Traumberuf", sagt die Referentin für Berufsausbildung im Landesbauernverband, Rotraud Geiger. "Und außerdem müssen die jungen Leute ja auch für den Beruf geeignet sein."

Diesbezüglich hat Landwirt Krüger schlechte Erfahrungen gemacht. "Viele denken, dass man ja noch immer in die Landwirtschaft gehen könne, wenn es für andere Berufe nicht reicht. Diese Zeiten sind aber vorbei." Die Agrarbetriebe bräuchten heute intelligente Leute, die selbstständig eine Aufgabe lösen könnten und sorgsam mit der teuren Spezialtechnik umgehen würden. Die Peeneland Agrargesellschaft lässt deshalb jeden Bewerber erst einmal ein Praktikum machen. "Damit beide Seiten sehen, ob der Beruf etwas für ihn ist", sagt Krüger.

Der Bauernverband unterstützt die Sicherung des Berufsnachwuchses. Auf Job- und Schulmessen sowie den Tagen des offenen Hofes stellen Mitarbeiter die 14 grünen Berufe mit selbst erarbeiteten Flyern vor.

Der Verband geht zudem neue Wege. Zusammen mit einem Berliner Softwareunternehmen wurde dieses Jahr die Internetplattform "Bewerberpool Agrarwirtschaft M-V" geschaffen. Dort können sich gegenwärtig suchende Betriebe eintragen. Aber auch Schulabgänger können hier ihre Bewerbung hinterlegen.

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