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Arbeitsmarktexperte : Transfergesellschaften haben sich bewährt

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Nach dem Scheitern einer Auffanglösung mussten sich gekündigte Schlecker-Mitarbeiterinnen in Mecklenburg-Vorpommern arbeitslos melden. Eine Transfergesellschaft - wie seinerzeit bei den Wadan-Werften - gab es nicht.

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erstellt am 11.Apr.2012 | 01:25 Uhr

Schwerin | Nach dem Scheitern einer Auffanglösung mussten sich die 199 gekündigten Schlecker-Mitarbeiterinnen in Mecklenburg-Vorpommern arbeitslos melden. Eine Transfergesellschaft - wie seinerzeit bei den Wadan-Werften - gab es nicht. Über Sinn und Unsinn solcher Arbeitsmarkt-Instrumente sprach Ralph Sommer mit Hans-Peter Speiser, Geschäftsführer der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktentwicklung (GSA) in Schwerin.

MV wollte für 2,2 Millionen Euro bürgen, um die von der Schlecker-Pleite betroffenen Mitarbeiterinnen in eine Transfergesellschaft zu überführen, zu qualifizieren und möglichst zu vermitteln. Das scheiterte an der Position der FDP in mehreren Bundesländern. Wäre so eine Gesellschaft die Lösung gewesen?

Speiser: Dafür hätte der Insolvenzverwalter von Schlecker ein Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau aufnehmen müssen. Die Schlecker-Läden in Spanien reichten dafür wohl nicht aus, also sollten die Länder mit einer Rettungsbeihilfe einspringen. So etwas gab es aber in Mecklenburg-Vorpommern bislang noch nie.

Aber das Land sprang in der Vergangenheit schon mehrfach nach Firmenpleiten ein, und zwar mit ziemlich viel Geld.

Nicht immer. In den letzten 16 Jahren gab es landesweit über 50 Transfergesellschaften, aber nur in zwei Fällen sprang auch das Land finanziell ein. Über die von uns betreute Transfergesellschaft Küste wurden zum Beispiel vor drei Jahren etwa 2300 Mitarbeiter der früheren Wadan-Werften Wismar und Warnemünde übernommen. Damals standen 50 Millionen Euro zur Verfügung, davon 13 Millionen vom Insolvenzverwalter, 22 Millionen von der Bundesagentur für Arbeit und 15 Millionen vom Land.

Mit welchem Resultat?

Etwa 46 Prozent der Betroffenen wurden nach entsprechenden Schulungen wieder in den regulären Arbeitsmarkt vermittelt, mehr als zwei Drittel davon gingen zu Nordic Yards. Weitere Mitarbeiter nutzten zusätzliche Qualifizierungslehrgänge. Etwa 50 Schweißer und Metallfacharbeiter fanden in Dänemark einen neuen Job. Zehn Prozent der Betroffenen gingen in Rente.

Im Fall des gescheiterten CD-Werkes in Dassow stellten Amt, Land und Insolvenzverwalter 2008 nur fünf Millionen Euro bereit. Dabei ging es aber auch da um 900 Mitarbeiter.

Da ging es aber nur um eine vorübergehende Betreuung über vier Monate, während bei den Werften eine Auffanggesellschaft für ein Jahr gegründet wurde. Trotz der kurzen Zeit fanden 59 Prozent der arbeitslos gewordenen CD-Werker einen neuen Job.

Also rundweg nur gute Erfahrungen mit den teuren Transfergesellschaften?

Im Großen und Ganzen haben sich die Transfergesellschaften in MV bewährt. In ihnen werden die Leute in Bewegung gehalten, damit sie sich nicht fallen lassen und schnell vermittelt werden. Und die langjährig tätigen Vermittler der Transfergesellschaft Küste sind sehr gut vernetzt und können auf viele Vermittlungsstellen zugreifen.

Aber es ist eben auch immer schwieriger, vor Ort für gut ausgebildete Fachkräfte einen passenden Job zu finden als für angelernte und flexiblere Beschäftigte.

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