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Zwischen Sportgymnasium und Handballsport : Training statt Freizeit - aber gerne!

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Die Schülerin Annemarie Rahn begibt sie sich fünfmal die Woche auf den Weg zur Handballhalle, um dort gemeinsam mit ihren Team-Kameradinnen an Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft und Präzision zu arbeiten. Ihre Motivation?

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2012 | 10:46 Uhr

Schwerin | Als Schülerin des Sportgymnasiums in Schwerin und Mitglied des Vereins Grün-Weiß begebe ich mich fünfmal die Woche auf den Weg zur Handballhalle, um dort gemeinsam mit meinen Team-Kameradinnen an Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft und Präzision zu arbeiten. Doch was motiviert ein 16 Jahre altes Mädchen zu dieser schweißtreibenden Angelegenheit, wenn es seine Freizeit ebenso gut mit Freundinnen beim Shoppen oder mit Schokolade vor dem Fernseher verbringen könnte?

Meine Verbindung zu der dynamischen Sportart zieht sich bis ins frühste Kindesalter zurück. Schon aus dem Babywagen hatte ich beobachtet, wie mein Vater in seiner aktiven Zeit als Spieler und Trainer mit den Vereinen Post Schwerin, SG Lützow und SV Crivitz Siege feierte und Niederlagen einstecken musste. Fast jedes Wochenende begleitete ich ihn zu den verschiedenen Spielstätten in Grevesmühlen oder Neukloster, drückte fest die Daumen und sammelte auch erste eigene Erfahrungen mit der klebrigen Kugel.

Im Alter von acht Jahren beschloss ich dann, dass mir Zugucken alleine nicht mehr ausreicht. Ich wollte mehr. Also fand ich mich bald darauf bei meiner ersten Trainingseinheit beim SV Grün-Weiß Schwerin wieder. Die vielen neuen Gesichter machten mich ziemlich nervös und die Ausführung der geforderten Aufgaben fiel mir schwer. Denn Passgenauigkeit und Ballsicherheit sind eben keine Selbstverständlichkeit und müssen immer wieder bis zum Umfallen geübt werden. Doch so schnell gab ich nicht auf und nach einiger Zeit waren erste Freundschaften geschlossen und einige Fortschritte zu erkennen. Der Teamgedanke, dass man zu einer Einheit verschmilzt, in der wirklich jeder für den anderen kämpft und alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um das gesetzte Ziel zu erreichen, beeindruckte mich sehr. Das ist auch der Grund, warum ich dem Handballsport bis heute treu geblieben bin.

Als sich für mich die Frage stellte, welche weiterführende Schule ich besuchen möchte, musste ich nicht lange nachdenken. Es sollte das Sportgymnasium sein. Und nach bestandener Aufnahmeprüfung, bei der sowohl unsere koordinativen Fähigkeiten, als auch Sprintvermögen und die spielerische Komponente eine Rolle spielten, freute ich mich gemeinsam mit sechs anderen Handballmädels auf unseren ersten Schultag.

Mit dem Eintritt ins Sportgymnasium ging es auch mit den Erfolgen voran. So haben wir Landesmeistertitel, Landessiege bei Jugend trainiert für Olympia und gute Platzierungen bei überregionalen Vergleichen erzielt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Saison 2007/08, unser erstes erfolggekröntes Jahr. Nachdem wir unerwartet und ungeschlagen Landesmeister wurden, durften wir unser Land bei der Ostdeutschen Meisterschaft in Wismar vertreten. Es galt, sich gegen die besten 15 Teams der neuen Bundesländer und Berlin zu bewähren. Am Ende belegten wir einen sehr guten vierten Platz und konnten gegen den im Voraus selbst ernannten Meister Magdeburg zwei Punkte erringen. Das kostete Magdeburg den Titel. Wir alle waren an diesem Wochenende weit über uns hinausgewachsen.

Dieses Jahr bin ich für zwei Mannschaften des SV Grün-Weiß aktiv. Während mit der B-Jugend die heiße Phase im spannenden Kampf um den MV-Landesmeistertitel beginnt und die Kontrahentinnen aus Wismar, Rostock und Neubrandenburg zu bezwingen sind, übernehmen die II. Frauen als jüngstes Team der aktuellen Spielzeit einen guten Part im Mittelfeld der MV-Liga und konnten sich kürzlich sogar gegen den derzeitigen Tabellenführer Mecklenburger SV beweisen.

Doch nun zurück zu der Frage, warum man für den Sport auf die vielen schönen Kleinigkeiten des Alltags verzichtet. Denn viel Freizeit bleibt neben Schule und Training wirklich nicht. Aber dieses Opfer bringe ich gerne. Und zwar für das einmalige Gefühl, ein hartes und umkämpftes Spiel in letzter Sekunde für sich zu entscheiden, sich danach gegenseitig in den Armen zu liegen und zu wissen, dass sich der wochenlange Aufwand letztendlich ausgezahlt hat.


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