Lastwagen rast auf haltenden Reisebus: Zwei Tote : Tragisches Ende einer Klassenfahrt

Tödlicher Unfall auf der A 10: Feuerwehrleute stehen an dem verunglückten Reisebus aus Polen. Zwei Menschen wurden getötet und 19 verletzt. dapd
Tödlicher Unfall auf der A 10: Feuerwehrleute stehen an dem verunglückten Reisebus aus Polen. Zwei Menschen wurden getötet und 19 verletzt. dapd

Bei einem schweren Unfall mit einem Reisebus und mehreren Lastwagen auf der Autobahn 10 bei Michendorf (Landkreis Potsdam-Mittelmark) sind in der Nacht zu gestern zwei Menschen getötet und 19 weitere verletzt worden.

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27. September 2012, 08:06 Uhr

Michendorf | Kurz nach Mitternacht reißt der wuchtige Aufprall viele der 54 Kinder aus Polen plötzlich aus dem Schlaf. Auf der brandenburgischen Autobahn A 10 wird ihre Reise aus Poznan nach London jäh unterbrochen. Ein Lkw prallt auf ihren Bus. Der 23 Jahre alte Fahrer des Reisebusses musste zwischen Michendorf und Ferch auf dem rechten Fahrstreifen halten. Ein nachfolgender Lkw bemerkte das zu spät und fuhr auf. Die eingeklemmten Fahrer und Beifahrer im Alter von 45 und 58 Jahren konnten erst nach mehreren Stunden tot aus ihrer völlig zerstörten Kabine geborgen werden.

Nach dem Aufprall war der Bus zunächst in die Leitplanke und dann gegen einen weiteren Lastzug geschleudert worden. Dieser Laster kollidierte dann noch mit einem dritten Lastwagen. Weshalb der Reisebus gestoppt hatte, blieb zunächst unklar.

Der Unfall muss in Polen schreckliche Erinnerungen wach werden lassen: Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, am 26. September 2010, ereignete sich ebenfalls in der Nähe von Berlin ein schweres Unglück mit einem polnischen Reisebus. Es forderte damals 14 Todesopfer.

In einem nächtlichen Großeinsatz kümmern sich Rettungskräfte um die Verletzten. Einige werden vor Ort behandelt, andere kommen vorsorglich ins Krankenhaus. Der Busfahrer muss operiert werden. Die meisten Kinder von etwa 14 Jahren werden gut zweieinhalb Stunden nach dem Unfall in den nahen Ort Beelitz gebracht. Dort ist das Feuerwehrtechnische Zentrum auf solche Notfälle vorbereitet.

Die ehrenamtlichen Helfer stellen zusätzliche Liegen in die Schulungsräume und versorgen die Gestrandeten mit Essen. "Wir konnten uns nur mit Händen und Füßen verständigen, doch es ging irgendwie", sagt Kreisbrandmeister Herbert Baier am nächsten Morgen. "Wir haben die Kinder und ihre Betreuer verpflegt und sie konnten übernachten." Die polnischen Betreuer sind erleichtert: "Allen Schülern geht es gut.Wir wollen Danke sagen, an alle die uns geholfen haben", sagt Alicja Przybilska. Am Nachmittag konnten die Schüler mit einem Ersatzbus nach Polen zurückkehren.

Der Staatssekretär im brandenburgischen Europaministerium, Henning Heidemanns, machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. Den Kindern sei sicher zugute gekommen, dass sie alle angeschnallt waren, sagt er. Der Bus sei sehr modern gewesen. Die Betreuer hatten auch sämtliche Kontaktdaten der Eltern dabei. Schnell konnten die dann informiert werden, wie es ihren Kindern geht. Um die Angehörigen der tödlich Verunglückten kümmerten sich die zuständigen Stellen in Warschau, sagt der Leiter der Konsularabteilung der polnischen Botschaft in Berlin, Mariusz Skórko. "Der Busfahrer wird wahrscheinlich noch sieben bis zehn Tage im Krankenhaus bleiben müssen", sagt er.

Mit Blick auf den neuerlichen Unfall verwies der Bundesvorsitzende der Kraftfahrergewerkschaft, Willy Schnieders, auf die Überlastung vieler Fernfahrer. Das Problem betreffe aber nicht nur Fahrer aus Osteuropa. "Die Übermüdung gehört zum Alltag der Kraftfahrer", sagte er. "Dass osteuropäischen Fahrern noch mehr abverlangt wird als anderen kann ich mir nicht vorstellen. Die Kraftfahrer werden von der Wirtschaft zweckentfremdet", kritisierte Schnieders. Sie müssten nicht nur fahren, sondern oft auch ihre Dienste disponieren, für das Büro-Management arbeiten, kleinere Reparaturen selbst übernehmen sowie die Lastwagen be- und entladen.

"In ihren angeblichen Pausen stehen die Fahrer oft stundenlang an der Rampe und warten auf die Entladung", sagte Schnieders. Auch nachts stünden viele Fahrer oft in der Warteschleife und würden mehrfach geweckt, damit sie vorrücken können. Da sei an einen ausreichenden Schlaf nicht zu denken. Die Gefahr werde noch verschärft, wenn Fahrer die automatischen Abstandshalter und Bremsassistenten in ihren Lkw einfach abschalteten, um etwa beim Überholen Windschneisen besser ausnutzen zu können.

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