Missbrauchsprozess in Schwerin : Tränen im Gerichtssaal

Der 41-Jährige Angeklagte Peter B. ist Gründungsmitglied eines Kinder- und Jugendvereins im Schweriner Plattenbaugebiet Großer Dreesch.
Der 41-Jährige Angeklagte Peter B. ist Gründungsmitglied eines Kinder- und Jugendvereins im Schweriner Plattenbaugebiet Großer Dreesch.

Prozess gegen Schweriner Jugendtreffleiter fortgesetzt. Eltern der Opfer sagen aus

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28. Januar 2016, 20:55 Uhr

Sie halten im Zuschauerraum einander an den zitternden Händen. Wenn sie als Zeugen aufgerufen werden, wischen sie sich immer wieder die Tränen von den Wangen. Den Müttern und Vätern der Jungen, die der Schweriner Jugendtreffleiter Peter B. sexuell missbraucht hat, fiel es gestern äußerst schwer, im voll besetzten Saal des Schweriner Landgerichts über die Vorfälle zu berichten.

Dem 41-jährigen Schweriner wird vorgeworfen, zwischen 2009 und seiner Verhaftung im August 2015 zahlreiche Jungen im Alter zwischen sieben und dreizehn Jahren missbraucht und in zehn Fällen vergewaltigt zu haben. Er hat die Taten pauschal gestanden. Peter B. war Gründer und de facto Kopf des Vereins „Power for Kids“ und leitete dessen Tanzgruppe. Die Kinder missbrauchte er in seinem Büro, einem Vereins-Wohnwagen und offenbar auch bei sich zu Hause.

Einen der Jungen plagten bis vor kurzem fast jede Nacht Albträume. Ob es allein die Übergriffe sind, die ihn verfolgten, oder ob er immer noch Angst vor Peter B. hatte, konnte seine Mutter nicht sagen. Ihr Sohn hat sich in der vergangenen Woche seinen verschämten Peiniger vor Gericht angesehen. „Jetzt schläft er wieder durch“, berichtete die Zeugin. Eine andere Mutter bemerkte im vergangenen Jahr, dass ihr Sohn sich immer aggressiver verhielt – was möglicherweise eine Folge eines Übergriffs durch Peter B. war. Nichtsahnend unterhielt sie sich damals ausgerechnet im Verein mit Peter B. über das Verhalten des Kindes. B. sagte ihr, das müsse an der Pubertät liegen. Die nächste Zeugin berichtete, die Familie sei wegen der Übergriffe auf eines ihrer Kinder aus Schwerin weggezogen – früher, als sie es geplant hatte.

Der Verhandlungstag hatte zunächst verspätet begonnen. Peter B. humpelte, als er in den Gerichtssaal geführt wurde. Er hatte sich in der Nacht in seiner Zelle in Bützow mit einem Küchenmesser absichtlich am Fuß verletzt. Wie viel Blut er dabei verlor, blieb unklar. Eine Amtsärztin bescheinigte ihm jedoch, verhandlungsfähig zu sein. Sie empfahl dem Gericht und dem Gefängnispersonal, Peter B. nicht aus den Augen zu lassen, da das Risiko bestehe, dass er einen Selbstmord versucht. Sein Verteidiger indes wollte die Selbstverletzung nicht als Selbstmordversuch werten.

Peter B. verkroch sich förmlich in die Kapuze seines Anoraks und senkte den Kopf auf die Tischplatte, um sich nicht den Blicken der Eltern seiner Opfer stellen zu müssen, die als Nebenkläger direkt vor ihm saßen.

Unterdessen fragten einige Zuschauer in einer Pause vorwurfsvoll, warum niemand vom Schweriner Jugendamt den Prozess beobachtet. Schließlich habe das Amt bereits sieben Monate, bevor Peter B. aufflog, Hinweise auf sexuelle Übergriffe gehabt, ohne darauf angemessen zu reagieren. Ein Ausschuss der Stadtvertretung soll die Fehler des Amtes aufarbeiten. Er trifft sich am 17. Februar zum ersten Mal.

Der Prozess gegen Peter B. wird voraussichtlich am 10. Februar zu Ende gehen. Er wird jedoch ein zweites Mal vor Gericht gestellt. Vor einer Woche hatten einige der Jungen neue schwere Vorwürfe gegen B. erhoben. Außerdem haben sich weitere mögliche Opfer bei der Polizei gemeldet und gegen ihn ausgesagt.

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