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Tourismusland fehlen tausende Köche und Kellner

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erstellt am 05.Mär.2012 | 08:52 Uhr

Schwerin | Vier Wochen vor Saisonstart fehlen der Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben der Arbeitsagentur Nord noch 1600 Mitarbeiter vom Zimmermädchen bis zum Chefkoch. Das dürfte aber nur die Spitze des Eisberges sein, die Dunkelziffer erheblich höher liegen: Allein auf der Ferieninsel Usedom gibt es 1200 offene Stellen, sagt der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Ostvorpommern, Peter Drechsler. Grund für die offensichtliche Differenz zwischen den Zahlen ist, dass die Arbeitgeber bei Weitem nicht mehr alle offenen Stellen an die Arbeitsagentur melden, sondern mit eigenen Mitteln versuchen, die Fachkräftemisere zu beheben - unter anderem mit Jobbörsen und Werbeaktionen in anderen Bundesländern.

Landesweit haben die Tourismusbetriebe den Arbeitsagenturen 1581 freie Stellen gemeldet. Das sind 9,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und fast 500 Stellen mehr als im Januar 2012, sagte Horst Schmitt, Sprecher der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit.

Trotz dieser Zahlen mahnte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) zu Gelassenheit. "Alarmglocken läuten bei uns noch nicht", sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes, Uwe Barsewitz. Man müsse zunächst den März abwarten, um zu sehen, wie die freien Stellen besetzt werden könnten. Viele Unternehmen hätten zudem ihre Mitarbeiter über den Winter beschäftigt, um Personalmangel vorzubeugen.

Das Problem seien - zumindest in den Tourismushochburgen - mittlerweile weniger Niedriglöhne. "Wir bezahlen gerne mehr, finden aber dennoch kaum Fachkräfte", sagt Drechsler. Wie in anderen Regionen auch sei ein Hauptprob lem fehlender bezahlbarer Wohnraum und der mangelnde Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, sodass Mitarbeiter auch zu sehr später oder früher Stunde ihre Arbeitsstelle erreichen können. Der Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeografie an der Universität Greifswald hat zudem zusammen mit dem Dehoga untersucht, wie sich Berufs- und Privatleben von Köchen und Kellnern besser miteinander vereinbaren lassen. Langfristig angelegte Arbeitszeitkonten, flexible Kinderbetreuungsangebote oder bezahlbarer Wohnraum in Nähe der Arbeitsstätte könnten die Situation entspannen, so Projektleiterin Jekaterina Rudolph. Im Februar startete darüber hinaus über die Internetseite des Dehoga eine landesweite Umfrage. Ziel sei es, den Bedarf zu erfassen und dann ein landesweites Netzwerk an möglichen Unterstützungsmodellen aufzubauen, so der Landesverband.

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