Projekt in MV : Tourismus ohne Handicaps

Auf welche Geräte Blinde im Alltag – wie den Blindenstock – angewiesen sind, erfuhren die Schüler beim Workshop.
Auf welche Geräte Blinde im Alltag – wie den Blindenstock – angewiesen sind, erfuhren die Schüler beim Workshop.

Blind im Museum, taub im Theater: Landesweites Projekt will Anbieter zum Umdenken bewegen.

Karin.jpg von
08. Mai 2018, 05:00 Uhr

Als Blinder oder Sehbehinderter ins Theater gehen? Aber ja: Im Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin ist das schon seit Längerem möglich. Am kommenden Sonntag gibt es beispielsweise zur Vorstellung der „Nibelungen“ eine live eingesprochene Audiodeskription. Auch die Oper „Tosca“ soll bei den diesjährigen Schlossfestspielen für Sehbehinderte erlebbar gemacht werden.

„In Sachen Kultur ohne Barrieren hat unser Land schon einiges zu bieten“, weiß Tina Lucka. Ihre Aufzählung reicht von den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern über die der Müritz Saga bis zu den Klassikertagen in Wismar. Letztere werden am 22. Juli mit „Der Drache“ schon im dritten Jahr in Folge ein komplett barrierefreies Stück auf die Bühne in der St.-Georgen-Kirche bringen.

Möglich machte das alles das aus EU-Mitteln geförderte Modellprojekt „Kultur ohne Barrieren“, das im Herbst auslief. Tina Lucka verantwortet nun das Nachfolgeprojekt „Tourismus ohne Barrieren“, aus dem beispielsweise dem Mecklenburgischen Staatstheater die Audiodeskription bestimmter Stücke für den ganzen aktuellen Spielplan bezahlt wird. „Ging es bei unseren Vorgängern darum, Großereignisse so zu gestalten, dass sie für jedermann zugänglich sind, wollen wir jetzt davon ausgehend aber die gesamte touristische Servicekette in den Blick nehmen“, erklärt die Projektleiterin. Wo also können Menschen mit Behinderung, die eine kulturelle Veranstaltung hier im Land besucht haben, anschließend übernachten? Wo finden sie behindertengerechte Sanitäreinrichtungen? Welche Freizeitangebote sind für sie geeignet? Und wo können sie sich nach einem erlebnisreichen Tag stärken? „Ich sammle alle entsprechenden Angebote, die es schon gibt, und versuche außerdem, neue zu erschließen“, erklärt Tina Lucka.

Ihr Ziel sei es, ein Umdenken in den Köpfen aller touristischen Anbieter zu erreichen. „Denn nur vier Prozent aller Behinderungen sind angeboren – es kann also jeden von uns von heute auf morgen treffen“, betont die junge Frau. Es sei deshalb ein wichtiges Signal, wenn möglichst viele entlang der touristischen Servicekette deutlich machten: „Wir haben an euch gedacht.“

Zudem sei Barrierefreiheit zwar für eine bestimmte Menschengruppe unverzichtbar, komfortabel aber sei sie für alle. „Auch eine Familie mit Kleinkindern profitiert von einer Rampe im Eingangsbereich oder von fühlbaren Modellen“, nennt Tina Lucka nur zwei Beispiele.

Für hilfreiche Veränderungen bereits bestehender Angebote sei oft gar kein großer finanzieller Aufwand nötig, weiß Tina Lucka. So bietet sie im Rahmen ihres Projektes an, Speisekarten oder Programmhefte in Brailleschrift zu „übersetzen“ und zu drucken. Museen oder Veranstalter können von ihr taktile Lagepläne erhalten, die vor allem blinden oder sehbehinderten Menschen bei der Orientierung helfen. Außerdem verleiht „Tourismus ohne Barrieren“ kostenlos eine hörverstärkende Funkübertragungsanlage.

„Mir ist wichtig, nachhaltig etwas zu bewegen“, betont Tina Lucka bereits mit Blick über die zweijährige Laufzeit ihres Projektes hinaus. Gemeinsam mit dem Landestourismusverband baut sie deshalb ein Netzwerk auf, in dem touristische Akteure auch ohne Anleitung barrierefreie Angebote generieren können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen