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Mecklenburg-Vorpommern

25. November 2017 | 12:29 Uhr

Tourismus nach Regensommer in der Krise

vom

svz.de von
erstellt am 25.Nov.2011 | 10:23 Uhr

Rostock | Ein gutes Jahr sieht anders aus. Zumindest für den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Sommer mit Regenfluten ohne Ende, ein Jahr voller meteorologischer Unwegbarkeiten. Beim Blick hinauf in die grauen Wolken wurde es so manchem in der Branche schwer ums Herz.

Seit 2010 sinken die Übernachtungszahlen im Land. 2009 gab es 28,4 Millionen Übernachtungen, 2010 27,7 Millionen, in den ersten neun Monaten dieses Jahres 23,4 Millionen. Der Tourismusverband erwartet insgesamt rund 27,6 Millionen Übernachtungen für das gesamte Jahr. 100 000 weniger als im Vorjahr. "Das war zu erwarten im Jahr nach der Buga", hieß es im vergangenen Jahr. "Klar, bei dem Wetter", heißt es in diesem Jahr. Viele hoffen, dass 2012 keine dritte Erklärungsvariante herhalten muss.

Verband hofft auf bessere Zahlen

Allen voran hofft das der Tourismusverband, der heute seinen Verbandstag in Warnemünde hat. "Geschadet hat der verregnete Sommer sicherlich, aber auf der anderen Seite haben die Hoteliers viel Einfallsreichtum bewiesen und ihren Gästen trotz des schlechten Wetters viel bieten können", sagt der Verbandsvorsitzende Bernd Fischer. Doch obwohl sich Fischer bemüht, selbst dem Regenjahr etwas Positives abzugewinnen, sprechen die Zahlen eine klare Sprache. In den Monaten Juli und August gab es 500 000 Übernachtungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Der sonnigere Herbst sorgte allerdings dafür, dass sich das Gesamtminus zwischen Januar und Ende September nur bei 0,6 Prozent bewegt.

Hätte die Branche einen Medizinmann, der mit Regentänzen sonniges Wetter herbeizaubern könnte - viele würden ihn buchen. Bernd Fischer versucht es mit einem Blick in die Kristallkugel: "Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetter im kommenden Jahr wieder so schlecht wird wie in diesem Jahr, ist äußerst gering."

Doch 2012 könnte schon das nächste Problem für den Tourismussektor um die Ecke kommen. Denn ein verregneter Sommer zieht einen Rattenschwanz hinter sich her: den Schlechtwettereffekt. Wer seinen Urlaub zwei Wochen über im Regen verbringen musste, der ist eher unwillig, im darauf folgenden Jahr wieder an den Ort des abgesoffenen Urlaubs zu reisen, tauscht Deutschland vielleicht sogar lieber gegen eine absolut sonnensichere Gegend im Ausland ein. Doch auch hier beschwichtigt Bernd Fischer: "Auswirkungen wird es sicherlich geben, aber unsere Erfahrung zeigt: Stammgäste lassen sich durch ein verregnetes Jahr meist nicht abschrecken." Fischer hofft darauf, dass das Regenjahr 2011 nicht allzu stark auf 2012 ausstrahlt. Der Tourismusverband sorgt sich um die Situation. Nicht umsonst startet der Verband eine Herbstkampagne, um das Geschäft zu beleben. Auch eine außerplanmäßige Frühjahrskampagne ist geplant.

Dass die Bemühungen fruchten, hofft Bärbel Witte. Sie betreibt zusammen mit ihrem Mann einen Campingplatz in Eldena (Landkreis Ludwigslust-Parchim). "In diesem Jahr hatten wir rund 30 Prozent weniger Gäste als sonst", sagt Witte. Für die Campingbranche war es generell ein ganz besonders schlechtes Jahr. Denn hier schlug der viele Regen besonders durch. Viele Besucher reisten ab oder blieben gleich ganz weg. Um acht Prozent brachen die Übernachtungszahlen in der gesamten Branche ein. Ein erdrutschartiger Verlust.

Hoteliers verzeichnen Übernachtsungsplus

Hotelinhaberin Gesche Krohn beschreibt ihren Wunsch für das kommende Jahr mit exakt einem Wort: "Sonne!" In ihrem Hotel Stranddistel in Göhren (Rügen) gingen die Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr um rund acht Prozent zurück. "Der Regen hat sich bei uns deutlich bemerkbar gemacht", sagt Krohn. Im Allgemeinen allerdings sind die Hoteliers trotz Dauerregens durchaus zufrieden. Im ersten Dreivierteljahr stieg die Übernachtungszahl sogar um 2,9 Prozent.

Auch auf den Umsatz vieler Restaurants im Land wirkte sich der Regensommer nicht negativ aus. So registrierten die Restaurants laut einer aktuellen Umfrage der IHK Neubrandenburg allein bis Ende August einen Umsatzzuwachs von 4,5 Prozent.

Große Zuwächse gab es in dieser Saison auch bei den Jugendunterkünften. Die Übernachtungszahlen nahmen laut Tourismusverband im ersten Dreivierteljahr um satte sechs Prozent zu. Besonders gut startete die neue Jugendherberge in Prora in ihre erste Saison. "Wir waren im Sommer komplett ausgebucht", sagt Mitarbeiterin Sandra Härtel. Aber auch hier das gleiche Lied: Einige Gäste seien aufgrund des schlechten Wetters eher abgereist.

Des einen (Wetter-)Leid ist des anderen Freud: Die Museen im Land profitierten vom mauen Sommerwetter. 250 000 Menschen kamen im Juli und August beispielsweise ins Stralsunder Ozeanum. "Der verregnete Sommer war für uns zuträglich, denn dadurch konnten wir das sonnige Frühjahr ausgleichen", sagt Museumssprecherin Diana Quade. Doch auch für die Museen war der viele Regen nicht ausschließlich ein Vorteil: "Viele Urlauber und Kurzurlauber sind wegen des schlechten Wetters gar nicht erst in die Region und damit auch nicht in unser Museum gekommen", zieht Quade Bilanz. Im Rostocker Schifffahrtsmuseum ist man mit den Besucherzahlen ebenfalls zufrieden. "Wir hatten aufgrund des verregneten Sommers phasenweise deutlich mehr Besucher an Bord", sagt Museumsleiter Peter Danker-Carstensen. Im vergangenen Jahr hatten 27 000 Menschen das Museum besucht.

So unterschiedlich die Bilanz des Sommers in den einzelnen Tourismusbereichen auch ausfällt - eine Frage stellen sich alle: "Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?"

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