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Mecklenburg-Vorpommern

20. September 2017 | 14:52 Uhr

Pasewalk : „Tourismus-Lokomotive“

vom
Aus der Onlineredaktion

Land will Eisenbahn-Erlebniszentrum in Pasewalk zu einem Aushängeschild entwickeln

Vorsichtig packt Deborah Thomas das Gepäck in den Fahrradanhänger. Ihre Kinder erforschen unterdessen das Gelände des Eisenbahn-Erlebniszentrums in Pasewalk. Wenige Meter weiter in den Wiesen an der Uecker rufen Kraniche. „Wir können ruhig noch hierbleiben“, sagt Tochter Sophia. Die vierköpfige Familie aus Berlin ist – wie viele andere – auf dem Radweg Berlin-Usedom unterwegs. „Das ist ein tolles und ungewöhnliches Gelände hier“, lobt Thomas nach der Nacht in einem ehemaligen DDR-Regierungszug. Der frühere Nobelzug ist eine der Attraktionen des 3,5 Hektar großen Eisenbahn-Erlebniszentrums. Es zieht mit dem denkmalgeschützten Lokschuppen zwar immer mehr Touristen an, gilt aber noch als Geheimtipp.

Das soll sich ändern: Das halbrunde Gebäude mit traditioneller Drehscheibe, auf der Lokomotiven auf die Reparaturgleise dirigiert wurden, soll mit Landeshilfe zu einem touristischen Aushängeschild entwickelt werden. Das kündigte Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) gestern bei einem Besuch an. „Solange wir Infrastrukturmaßnahmen fördern können, werden wir das unterstützen.“ Basis soll eine Machbarkeitsstudie sein, für die Glawe und Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih (SPD) den Startschuss gaben. „Pasewalk braucht eine Attraktion, die überregional ausstrahlt“, erklärt der Minister. Das Industrie-Denkmal Lokschuppen stammt noch aus einer Zeit, als die knapp 11 000-Einwohner-Stadt der wichtigste Knotenpunkt zwischen Berlin, Stralsund, Neubrandenburg und Stettin war. Damals, vor mehr als 100 Jahren, kam sogar der Kaiser nach Pasewalk, um die Einweihung eines Wasserturms für Dampfloks zu erleben. Bis 1990 arbeiteten Hunderte Menschen bei der Deutschen Reichsbahn, inzwischen hat sich die Deutsche Bahn AG weitgehend zurückgezogen, ein Verein bewirtschaftet das Gelände. Sogar Konzerte der Festspiele MV finden hier statt.

Auf den Gleisen stehen viele Reisewaggons – wie der Regierungszug des damaligen DDR-Staatschefs Erich Honecker –, Signale und unterschiedliche Bahntechnik. Im Schuppen sind sieben Lokomotiven und andere Fahrzeuge zu sehen, man kann auf den Führerstand, wie es Glawe auch ausprobiert. Doch das Gebäude ist in die Jahre gekommen, Abwassersystem und Heizung müssen erneuert werden.

„Wir haben jetzt so 10 000 Gäste im Jahr“, sagt Vereinschef Hans-Jörg Görl. Vor zehn Jahren seien es noch 1400 Besucher gewesen. Doch die Gästezahl ist noch zu niedrig, jährlich fährt der Verein ein Minus von etwa 50 000 Euro ein und musste schon Waggons verkaufen. Mit der Studie soll nun geklärt werden, an welche Zielgruppen man sich wenden sollte, was baulich nötig ist, und wie die bisher verwirrende Straßenanbindung verbessert werden kann. Unterdessen hat Familie Thomas ihre Sachen gepackt. Der Radweg führt gleich nebenan durch die Wiesen der Uecker entlang. „Die Kinder würden gern noch mal hierherkommen“, sagt die Mutter.    

Winfried Wagner

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