naturschutz : Tote Seeadler: Jeder Dritte stirbt an Blei

Bedroht: Seeadler gehören zu den seltenen Tierarten.
Bedroht: Seeadler gehören zu den seltenen Tierarten.

Vergiftung durch Jagdmunition beim Fraß erlegter Tiere. Aktuell 363 Brutpaare in MV

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20. Januar 2016, 08:00 Uhr

Immer wieder sterben Seeadler in Mecklenburg-Vorpommern qualvoll an bleihaltigen Munitionsresten. Wie das Umweltministerium auf eine Kleine Anfrage aus der CDU-Fraktion im Landtag mitteilte, sind von 1990 bis 2014 landesweit 395 tot aufgefundene Seeadler untersucht worden. Bei jedem dritten Tier (31 Prozent) wurde eine Bleivergiftung als Todesursache festgestellt. 18 Prozent der Todesfälle waren auf Zusammenstöße mit Eisenbahnzügen zurückzuführen. Weitere 12 Prozent überlebten Revierkämpfe nicht, sechs Prozent starben nach Infektionen und lediglich fünf Prozent verunglückten nach einer Kollision mit Windkraftanlagen.

Seeadler sind mit fast drei Metern Spannweite die größten Greifvögel im Nordosten und waren lange Zeit vom Aussterben bedroht. „Wir fordern deshalb das generelle Verbot bleihaltiger Jagdmunition“, sagte Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Denn Seeadler sind besonders im Winter, wenn Seen und Flüsse zugefroren sind, auf Aas angewiesen. Dieses besteht häufig aus Resten geschossener Tiere, die mit Bleimunition verseucht sind.

Seit 2014 ist bleihaltige Jagdmunition durch Umweltminister Till Backhaus (SPD) zwar verboten – aber nur im landeseigenen Forst. „Zum Schutz der Seeadler muss das Verbot auf alle Waldflächen ausgedehnt werden“, forderte Cwielag. Jäger sind skeptisch. „Wir hängen nicht an der Bleimunition, aber wir brauchen Alternativen, die Jagdsicherheit und Tötungswirkung hundertprozentig garantieren“, sagte der Präsident des Landesjagdverbandes, Volker Böhning gegenüber unserer Redaktion. Soweit sei die Industrie noch nicht.

Trotz der Bleivergiftungen hat sich die Population der Seeadler positiv entwickelt. Wie das Umweltministerium mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 364 Brutrevierpaare im Land gezählt – so viel wie noch nie. „Die Brutdichte ist inzwischen so hoch, dass Exemplare aus Mecklenburg-Vorpommern nach Bayern und in die Niederlande ausgewandert sind“, sagte der Neubrandenburger Naturschützer, Axel Griesau. Einfluß auf die weitere Entwicklung hätten vor allem auch Zahl und Standorte von Windkraftanlagen. Landesweit wurde durch das Vorkommen von Seeadlern die Genehmigung für zehn Windkraftanlagen versagt. Die gerichtlichen Entscheidungen dazu stehen noch aus.

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