Leichenfund in Alt Rehse : Tote könnte vermisste junge Frau sein

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Über Monate hat ein Mann seine Nachbarn in einem Dorf an der Mecklenburgischen Seenplatte mit Lärm genervt. Jetzt wurde eine Leiche bei ihm gefunden. Dorfbewohner vermuten, dass es sich um eine deutlich jüngere Mitbewohnerin handeln könnte.

svz.de von
10. August 2016, 12:49 Uhr

„Die Leute haben hier schon befürchtet, dass einmal etwas Schlimmes passiert“, sagt Fritz Krüger in Alt Rehse (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Der Ortsvorsteher steht unweit des ehemaligen Landgasthofs Rethra, dessen Besitzer das Fachwerkdorf jetzt in die Schlagzeilen gebracht hat. Krüger sieht nach den Nachbarn, die fast alle ihre Probleme mit dem Eigentümer der Ex-Gaststätte haben und nun erschrocken sind. Die Polizei hatte in dem Haus am Dienstagmorgen eine Leiche gefunden.

Die Beamten waren eigentlich wegen einer Ruhestörung alarmiert worden, denn der 51-jährige Hausbesitzer hatte morgens um 7.00 Uhr Trompete geblasen. „Das war kein Einzelfall“, sagt ein Nachbar, der Mann habe seine Verstärkeranlage schon mehrfach aufgedreht. Die Polizei nahm den Hausbesitzer fest. Nach umfassenden Ermittlungen wurde am Mittwochabend Haftbefehl erlassen. Es bestehe der Verdacht der Körperverletzung mit Todesfolge, sagte Staatsanwältin Beatrix Komning der Nachrichtenagentur dpa.„Geschockt bin ich darüber nicht, aber es ist traurig, dass es erst soweit kommen musste“, findet Ortsvorsteher Krüger. Der Festgenommene stammt aus der Region Stuttgart (Baden-Württemberg) und war 2007 nach Alt Rehse gekommen. Er habe sich bei dem alternativen Wohnprojekt Tollense-Lebenspark niederlassen wollen, sei aber von den aus Bayern stammenden Betreibern abgelehnt worden, berichten Anwohner. Daraufhin hatte der Computerfachmann den Gasthof gekauft, diesen aber nur noch drei Jahre betrieben und dann geschlossen. In der Zwischenzeit war auch das Wohnprojekt nebenan gescheitert.

Auf dem zum Teil sehr unordentlichen Grundstück mit einem stark beschädigtem Wohnwagen, den er selbst demoliert haben soll, und einem offenen Auto, arbeiten am Mittwoch wieder Ermittler in weißen Schutzanzügen. Matratzen liegen umher, der Flur ist voller Müll.

Wie Nachbarn berichten, war der Computerfachmann anfangs oft beruflich unterwegs, dann immer seltener. Später habe sich seine Frau von ihm getrennt und 2015 sei eine jüngere Frau bei ihm aufgetaucht.

Nach mehrfachem Streit soll diese in der Zwischenzeit auch einmal in einem Frauenhaus in Güstrow gewesen sein. Sie wurde im Juni zuletzt in Alt Rehse gesehen und soll am 17. Juli zuletzt etwas im Internet gepostet haben, hat ein Nachbar bemerkt.

Der 51-Jährige und die Frau sollen auch immer zusammen einkaufen gewesen sein. Ab Mitte Juli sei er aber nur noch allein gekommen, heißt es im Einkaufsmarkt in Penzlin.

Bei der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft versucht man nun, die vielen Informationen zu ordnen. Die Obduktion ergab nur, dass die Tote eine Frau war. Aber das ist nur ein Teil des Puzzles. Es gebe auch bisher keinen passenden Vermisstenfall. Man ermittle in alle Richtungen, dazu gehöre auch die Suche nach der jungen Frau, die bei dem Mann gelebt haben soll, sagt Komning.

Einige der Nachbarn in Alt Rehse hatten schon versucht, eher mit dem 51-Jährigen zu sprechen. Er habe aber keine Hilfe gewollt, sondern den Behörden übel genommen, dass sie ihn nach seiner eigenen gescheiterten Brandstiftung im Haus zwangsweise mitgenommen hatten. Ein junge Mutter hofft, dass der Mann erst wieder ins Dorf kommt, wenn die Sache geklärt sei. Sie habe Angst um ihr Kind.

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