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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 06:17 Uhr

Rückblick2015 : Tornado verwüstet Bützow

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Anfang Mai zerstörte ein schweres Unwetter die Innenstadt. Große Hilfsbereitschaft unserer Leser

svz.de von
erstellt am 30.Dez.2015 | 15:00 Uhr

Inzwischen sieht Bützow fast wieder aus wie eine ganz normale Kleinstadt. Nur hier und da lässt sich noch erahnen, was sich am 5. Mai 2015 abspielte. Als ein Tornado mit 330 Stundenkilometern durch den Ort tobte, hunderte Häuser abdeckte, Autos wie Spielzeug durch die Gegend schleuderte und unzählige Bäume mit sich riss.

„Sobald es hagelt oder stark gewittert, kommt wieder die Angst“, sagt Ramona Dohrn. Beim Blick auf die Fotos kann sie noch immer nicht glauben, was damals passiert ist. Ihr Dach zur Hälfte verschwunden, der Regen, der in die Kinderzimmer eindrang. Die Möbel, der Boden – alles war zerstört. „Meine Tochter kam die Treppe herunter gerannt und rief: „Mama, Mama, es hat eingeschlagen“, erinnert sich Dohrn. Acht Minuten hat der Tornado gewütet. Wie eine schwarze Wand habe er sich durch die Straßen geschoben und die Stadt ins Dunkle getaucht, schildern die Anwohner später. Acht Minuten. Dann war alles vorbei.

Als die ersten Bützower sich wieder nach draußen trauten, erkannten sie ihre Stadt kaum wieder. Schutt und Ziegelsteine lagen überall. Autos waren demoliert. Riesige Bäume hatte es aus der Erde gerissen. Die gesamte Innenstadt glich einem Kriegsschauplatz. 30 Menschen wurden durch umherfliegende Teile verletzt. Und dennoch: Niemand kam ums Leben – ein Wunder.

Auch was dann kam, gleicht einem kleinen Wunder. Eine Welle der Hilfsbereitschaft erreichte die Stadt. Nur einen Tag nach dem Sturm kamen hunderte Helfer nach Bützow, um aufzuräumen und die Häuser zu sichern. Betroffen vom Ausmaß der Katastrophe rief unsere Zeitung zu Spenden auf. Und die kamen. Innerhalb einer Woche überwiesen unsere Leser bereits 51  000 Euro. Insgesamt kamen 123    400 Euro zusammen. Geld, das dringend gebraucht wurde. Auch von Ramona Dohrn und ihrer Familie.

Durch die Sturmschäden waren die Zimmer ihrer beiden Töchter unbewohnbar. Die zehn und 14 Jahre alten Mädchen kamen bei ihren Großeltern unter. Dohrn und ihr Mann schliefen im Erdgeschoss des Hauses. „Das war eine sehr, sehr schwere Zeit“, meint Dohrn. Insgesamt 63 Tage konnten ihre Kinder nicht nach Hause. Ihre Zimmer mussten von Grund auf renoviert werden. Möglich war das nur mit einer Soforthilfe aus den Spendengeldern. Möbel, Teppiche, Gardinen, fast alles konnte ersetzt werden. „Wir sind sehr dankbar“, betont Dohrn immer wieder.

Inzwischen ist in Bützow wieder der normale Alltag eingekehrt. Die letzten Baukräne verschwinden aus dem Stadtbild. Die Fassaden und Dächer der Häuser erstrahlen im neuen Glanz. Und dennoch: Bützow hat sich verändert. Vor allem die Lücken, die die Bäume im Stadtbild hinterlassen haben, werden die Bewohner noch lange an den Tornado erinnern. Doch im kommenden Frühling sollen neue Bäume gepflanzt werden.

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