Tag der offenen Töpferei in MV : „Ton hat ein Gedächtnis“

Christiane Gregorowius ist seit 1982 selbstständige Keramikerin. Sie hat bereits 17 Gesellen ausgebildet.
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Christiane Gregorowius ist seit 1982 selbstständige Keramikerin. Sie hat bereits 17 Gesellen ausgebildet.

Heute und morgen öffnen 90 Keramiker ihre Werkstätten – Töpferin Christiane Gregorowius aus Dambeck organisiert den „Tag der offenen Töpferei“ in MV

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14. März 2015, 08:30 Uhr

Im großen Bauernhaus in der Töferstraße 1 in Dambeck hat Christiane Gregorowius ihre Werkstatt und ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Susi, die schneeweiße Katze, schleicht behutsam durch die Regale. Die Töpferei Gregorowius ist in der Region bekannt für ihre einzigartigen Muster auf den Keramikerzeugnissen. „Die feinen Risse entstehen erst nach drei Brennvorgängen bei 1200 Grad“, so die 55-Jährige. „Normalerweise brennt man das Objekt zweimal nach dem Töpfern“, sagt die gelernte Keramikerin, während sie eine Glasur auf den getrockneten Ton aufträgt und den Teller zum Trocknen in ein Regal stellt.

Ob kleine Gefäße, Tassen oder Teller – Gregorowius fertigt verschiedene Keramikprodukte aus buntem und einfarbigem Craqueleé an. „So bezeichnen wir die feinen Risse“, sagt sie. „Die Muster sind jedoch immer verschieden und auch wie und wo die Glasur reißt, kann nicht durch uns beeinflusst werden.“ Ihr sei es zudem wichtig, Gebrauchsgegenstände herzustellen. „Bereits als Kind habe ich aus Spaß gesagt, dass ich später Tassen herstellen werde.“

Einen Überblick über die Bandbreite des Sortiments können sich Interessenten beim bundesweiten „Tag der offenen Töpferei“ an diesem Wochenende verschaffen. Hier öffnen jeweils am Samstag und Sonntag Keramiker aus Mecklenburg-Vorpommern ihre Werkstätten und zeigen ihr Handwerk.

„Besucher erhalten Einblicke in die unterschiedlichsten Techniken und haben die Möglichkeit, vielen Keramikern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.“ Die Idee, sich an der Aktion zu beteiligen, sei durch einen Kontakt zu Handwerksfreunden nach Sachsen-Anhalt entstanden, berichtet Gregorowius, die bereits zum achten Mal den „Tag der offenen Töpferei“ in Mecklenburg-Vorpommern organisiert. Bundesweit feiert der Aktionstag bereits seinen zehnten Geburtstag. „Das Angebot wird von einem immer größer werdenden Kreis von Besuchern angenommen“, so die Keramikerin erfreut. Mittlerweile sei MV mit 90 Teilnehmern die größte Gruppe, die ganz nach dem Motto „Schauen-anfassen-staunen“ in ihre Ateliers einlädt.

Das Spektrum reicht von eigenen Drehversuchen an der Töpferscheibe über Angebote zum gemeinsamen Rakubrand bis hin zum Bemalen von Keramik. Besonders beliebt sei die Veranstaltung bei jungen Familien, „denn Kinder mögen den Kontakt mit dem formbaren Material.“ In Dambeck können die Kleinen dann Ton-Teelichthalter oder Schmetterlinge bemalen, was jedes Jahr gut ankommt, denn einige Kinder sind immer dabei“. Gregorowius selbst fand ebenso früh zum Handwerk. „Mein Vater war im Außenhandel tätig. So verbrachte ich mein erstes Schuljahr in Chile“, sagt sie.

„Hier sah ich zum ersten Mal eine Töpferwerkstatt und fand das Handwerk sehr spannend“, so Gregorowius weiter. Später, zurück in Deutschland, folgten Keramikzirkel, das Abitur und schließlich eine Töpferlehre. Seit 1982 dann die eigene Werkstatt. Hier entsteht alles in Handarbeit, doch als Künstlerin sieht sich die Dambeckerin nicht. „Es sind aber gewiss handwerkliche Unikate.“ Bei der Verarbeitung von Ton müsse man sehr vorsichtig vorgehen. „Beim Töpfern zählt Gefühl, denn Ton hat ein Gedächtnis“, sagt sie. Zunächst wird der Ton auf der Scheibe geformt.

Dann folgt das einwöchige Trocknen. Daraufhin wird er beim „Schrühen“ das erste Mal gebrannt. Anschließend folgt der zweite, der Glasurbrand, erkärt Gregorowius. Ein eigenes Bild können sich die Besucher heute davon machen.
 

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