Tollensesee-Mord: Experte bezweifelt Motiv

Einsatzkräfte bringen im Januar diesen Jahres die in blauen Tüten verpackten Leichenteile zu einem Leichenwagen am Ufer des Tollensesee. Foto: dpa/ Archiv
Einsatzkräfte bringen im Januar diesen Jahres die in blauen Tüten verpackten Leichenteile zu einem Leichenwagen am Ufer des Tollensesee. Foto: dpa/ Archiv

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28. Juni 2012, 08:26 Uhr

Neubrandenburg/Stralsund | Im grausigen Mordfall vom Neubrandenburger Tollensesee bleiben auch nach der Entdeckung des mutmaßlichen Täters weiter viele Fragen offen. Nur eines scheint sicher: "Wir haben keinen Hinweis auf einen dritten Beteiligten", sagte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler am Donnerstag in Neubrandenburg. Rechtsmediziner konnten inzwischen über DNA-Untersuchungen zweifelsfrei nachweisen, dass es sich bei der Toten um die 68 Jahre alte Ehefrau des ermittelten Täters handelt. Unklar sei aber, wie die Neubrandenburgerin genau zu Tode kam, wo und wie der 69-Jährige die Leiche seiner Ehefrau zerteilte und vor allen Dingen, warum.

Der Mann hatte die Leichenteile vermutlich Ende 2011 im Tollensesee und in einem Mühlenteich versenkt, wo sie später - bis auf den Kopf, der immer noch fehlt - gefunden wurden. Der Täter erstickte sich danach zu einem bislang unbekannten Zeitpunkt selbst im eigenen Auto in einer Garage, wo sein Leichnam vor einer Woche entdeckt wurde.

Das angebliche Motiv des 69-Jährigen passt nach Ansicht des Stralsunder Gerichtspsychiaters Stefan Orlob nicht mit dem Zerstückeln der Leiche und der Art der Beseitigung überein. "Wer jemanden aus Mitleid tötet, handelt hinterher nicht so grausam", sagte Orlob. Laut Polizei hatte der Rentner in einem Abschiedsbrief geschrieben, dass seine Frau krank war und die Einhaltung eines Versprechens von ihm gefordert habe. Im Umfeld der Familie sei aber von einer ernsten Krankheit der Frau nichts bekannt gewesen, hieß es. Solche altruistischen Motive, also wenn Leute vorgeben, jemanden erlösen zu wollen, seien nicht selten, sagte Orlob. Die Art, wie die Leiche zerteilt und versteckt wurde, spreche aber "eher für etwas Destruktives". So handele eher jemand, der diese Person nicht mag. Außerdem brauche man schon viel kriminelle Energie für so ein Vorgehen.

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