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Gallin-Kuppentin : Tolle Gemeinschaft – aber 94 Euro Schulden pro Kopf

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Aus der Onlineredaktion

Holger Klukas, Bürgermeister der Gemeinde Gallin-Kuppentin, berichtet aus dem Alltag seiner Gemeinde

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erstellt am 04.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Man kennt ihn als Menschen, der keine Angst vor klaren Worten hat. Der Rückblick auf 2016 macht da keine Ausnahme. „Angesichts der Tatsache, dass wir als Kommune wegen unserer katastrophalen finanziellen Lage zu absolut keiner Investition mehr in der Lage sind, wundern wir uns auf unterster Ebene zum Beispiel über einige Aktionen von Land und Kreis“, sagt Holger Klukas, Bürgermeister der Gemeinde Gallin-Kuppentin. So sei eine Umlagen-Senkung verkündet worden, während die Kommunen künftig effektiv jedoch mehr überweisen müssten, weil man für die Berechnung den (in der Regel besseren) finanziellen Stand von vor drei Jahren zugrunde lege.

Im Amt Eldenburg Lübz kann keine der 13 zu ihm gehörenden Gemeinden noch einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen. In Gallin-Kuppentin waren die liquiden Mittel beispielsweise 2015 zwar noch einmal leicht auf 52 000 Euro gestiegen, was aber die grundsätzliche finanzielle Talfahrt nicht beenden konnte. Nach Auskunft der Verwaltung lag die Verbesserung vor allem in der höheren Einnahme von Gewerbesteuern begründet, die jedoch erfahrungsgemäß immer sehr schwanke. 2016 betrug das Minus im laufenden Haushalt in Gallin-Kuppentin der Kämmerei zufolge rund 200  000 Euro – doppelt so viel wie im Jahr zuvor.

„Und wenn sich der Staat mit der Erhöhung des Kindergeldes brüstet, habe auch ich als Hartz-IV-Empfänger gemeinsam mit hunderttausenden anderen Betroffenen gar nichts davon, weil ich es gar nicht bekomme“, so der Bürgermeister. Sein Einsatz werde sogar noch bestraft, weil man ein Drittel der ihm gezahlten Aufwandsentschädigung von der Hartz IV-Summe abziehe: „Das ist die Wahrheit, wie mein eigener Dienstherr mit mir umgeht.“ Die Aussage, dass alle Ebenen gleich behandelt werden, sei eine Phrase, schimpft er. Das Erste, was die neue Landesregierung hingegen nach der Wahl getan habe, sei , die „Sachleistungen“ für die Abgeordneten im Landtag zu erhöhen, kritisiert der Bürgermeister, ohne dass es dabei allerdings einen sachlichen Zusammenhang gibt.

Klukas ist seit zehn Jahren Bürgermeister und der erste Mann in fünf Orten: Gallin, Kuppentin, Zahren, Daschow und Penzlin. Als großen Erfolg wertet er, dass mittlerweile alle Straßen, bis auf eine Ausnahme in Kuppentin, in Ordnung sind. Für den Rest sei die Zahlung von Fördergeldern zwingend erforderlich.

In dem 2012 gegründeten Sportverein SG Gallin-Kuppentin mit seinen fünf Abteilungen sieht Klukas eine „tolle Sache für die Dorfgemeinschaft“, was mit fast 100 Mitgliedern bei 480 Einwohnern objektiv nachvollziehbar ist. Überhaupt spielt Kultur in dieser Gemeinde eine große Rolle. Ob Frühjahrsputz, Osterfeuer, Gemeinde- und Erntefest oder Seniorenweihnachtsfeier im eigenen Gemeindezentrum – das alles gibt es seit Jahrzehnten. „Es ist eine Leistung, angesichts der finanziellen Begleitumstände nicht eingebrochen zu sein“, so der Bürgermeister. Die Veranstaltungen seien die Höhepunkte im Gemeindeleben, in die man auch die Kinder und Jugendlichen einbinde. Von den Jüngsten kamen über 30 allein zum Fackelumzug, was als Trend hoffentlich langfristig anhalte.

Die Bürger sollten der Maßstab sein, was in der Regel jedoch nicht mehr der Fall sei: „Das kann ich nicht akzeptieren! Und wenn der Landrat verkündet, dass der Haushalt ausgeglichen ist, gehört als Ergänzung zwingend dazu, dass dies auf Kosten der Kommunen geschieht, die dafür bluten, denn die Einwohner zahlen die Steuern.“

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