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Urteil in Schwerin : Tödliche Rache aus Frust

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

35-Jähriger tötet seinen Gastgeber und Kumpel, weil der ihn aus der Wohnung geworfen hatte

Wegen Totschlags hat das Schweriner Landgericht einen wohnungslosen Mann aus Nordwestmecklenburg zu sieben Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Der 35-Jährige hatte Ende September vergangenen Jahres einen Bekannten erstochen, in dessen Wohnung in einem Dorf bei Rehna er eine Zeit lang Unterschlupf gefunden hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre, der Verteidiger sechs Jahre Gefängnis gefordert. Der Anwalt der Hinterbliebenen hielt hingegen 14 Jahre Haft für angemessen.

Der Angeklagte habe sein wehrloses, betrunkenes Opfer mit großer Brutalität getötet, so der Vorsitzende Richter, der 45-Jährige sei innerhalb kürzester Zeit verblutet. Andererseits habe der Angeklagte gestanden, Reue gezeigt und beteuert, die Bilder seiner blutigen Tat nicht mehr aus seinem Kopf heraus zu bekommen.

Wenige Stunden vor den tödlichen Stichen hatte das spätere Opfer den Mitbewohner mit Hilfe der Polizei rausgeworfen. Er sei drei Stunden später zurückgekommen, um eine Begründung für den Rauswurf zu verlangen, sagte der Angeklagte. Da habe sein Kumpel ihn ausgelacht. Daraufhin nahm er ein Jagdmesser, das auf dem Wohnzimmertisch lag, und stach dem anderen in kürzester Zeit vierzehnmal in die Brust und den Hals. Der Angeklagte konnte sich nur an vier Stiche erinnern. „Ich bin erst wieder zu mir gekommen, als ich gesehen habe, was ich getan habe.“

Ein Psychiater attestierte dem Angeklagten, nicht grundsätzlich gewalttätig zu sein. Aber von seinem Kumpel ausgelacht zu werden, „das traf ihn ins Mark“. Allein schon der Rauswurf mit Hilfe der Polizei demütigte ihn bereits. Denn bis dahin sei der Angeklagte der Dominantere in der Beziehung zwischen den beiden gewesen. Ob das Opfer kurz vor der Tat wirklich gelacht hat, wusste allerdings nur der Angeklagte. Zeugen gab es nicht.

Als sein Trinkkumpan regungslos auf dem Wohnzimmersofa lag, legte der Täter eine Decke über ihn. Er klaubte Bargeld, die Kreditkarte des Opfers und ein paar Lebensmittel zusammen und orderte ein Taxi. Das fuhr ihn nach Lübeck, „wo mich keiner kennt“.

Der Messerstecher habe „ruhig und gelassen“ gewirkt, so der Taxifahrer als Zeuge vor Gericht. Eine Woche später stellte sich der Angeklagte der Polizei. Zu diesem Zeitpunkt war der Tote bereits entdeckt worden. Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, weil sie aus dessen Wohnung seit mehreren Tagen keinen Laut mehr gehört hatten.

Opfer und Täter wohnten seit ein paar Wochen zusammen. Beide lebten von Hartz IV und verbrachten ihre Tage häufig in Rehna vor der Kaufhalle oder aber in jenem Dorf bei den Nachbarn, die ebenfalls gern Bier und Schnaps konsumierten.

Es war ein eigentlich banaler Streit, der das tödliche Drama auslöste. Der Angeklagte hatte seinem Wohnungsgeber vorgeworfen, sein Bier allzu spendabel an die Nachbarn zu verteilen, und diese Ansicht offenbar mit einer heftigen Ohrfeige „verdeutlicht“. Das hatte das spätere Opfer offenbar derart getroffen, dass er seinen Kumpel aus der Wohnung warf. Der Fund der Leiche wurde von der Polizei öffentlich nicht mitgeteilt. Ein zu groß geratenes Lagerfeuer im selben Dorf war den Beamten einige Tage zuvor allerdings eine Meldung wert.

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erstellt am 12.Apr.2017 | 06:25 Uhr

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