zur Navigation springen
Mecklenburg-Vorpommern

23. November 2017 | 16:14 Uhr

Tödliche Geisterfahrt auf der A14

vom

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2013 | 07:04 Uhr

wismar/schwerin | Ein tödlicher Unfall in Mecklenburg-Vorpommern hat gestern die traurige Liste von Geisterfahrten fortgesetzt: Auf der A14 kam eine 72 Jahre alte Falschfahrerin aus Schwerin ums Leben. Nach Angaben der Polizei war die Frau zwischen Jesendorf und Schwerin-Nord in Richtung Wismar unterwegs. Ihr Smart kollidierte mit dem Wagen einer 44-Jährigen aus Potsdam. Die Geisterfahrerin starb an der Unfallstelle, die zweite Frau wurde schwer verletzt ins Klinikum Schwerin geflogen.

Horror-Unfälle durch Geisterfahrer sorgten zuletzt immer wieder für Aufsehen. In Offenburg raste ein 20-Jähriger in einen Minivan - sechs Tote. In Bremen wendete ein Sattelzug auf der Autobahn - zwei Tote... Häufen sich Falschfahrten? Wie lassen sie sich verhindern? Sind die Auffahrten ausreichend beschildert?

Etwa 2000 Falschfahrer meldet der Verkehrsfunk Jahr für Jahr, etwa 20 Menschen sterben dabei. Allein in den vergangenen drei Monaten waren es mehr. Seitdem wird diskutiert, wie sich unbeabsichtigte Geisterfahrten verhindern lassen. Das größte Risiko sind unübersichtliche Autobahnauffahrten. Mecklenburg-Vorpommern hat bereits nachgebessert, sagt Steffen Wehner, Sprecher von Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD). Im ersten Halbjahr 2012, also vor der Unfallserie, hätten Straßenmeistereien und Autobahnpolizei bei Ortsterminen alle knapp 60 Autobahnzufahrten des Landes überprüft. "Es sollte festgestellt werden, ob die jeweilige Situation vor Ort zu Fehlinterpretationen mit der Folge von Falschauffahrten führen könnte", sagt Wehner. Das Ergebnis lag Ende Oktober vor. "Es ergaben sich einige wenige Hinweise für zusätzliche Verbesserungen, die auch zeitnah umgesetzt wurden." Im Bereich Güstrow seien etwa bei Auffahrten zur A19 und A20 Markierungen angepasst worden. Bei einigen Zufahrten, etwa in Neustrelitz, wurden größere Schilder aufgestellt. "An den Auffahrten der A14 wurden bei diesen Begehungen keine Schwachstellen oder Auffälligkeiten entdeckt", so der Schlotmann-Sprecher zum jüngsten Unfall.

Und doch soll sich etwas ändern. "Der ADAC unterstützt die Forderungen, dass gut sichtbare Warnhinweise in leuchtenden Neonfarben an den Auf- und Ausfahrten der Autobahnen stehen sollten", sagt Christian Schäfer, Verkehrschef vom ADAC Hansa, gegenüber unserer Zeitung. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will die Schilder aufbauen, deutschlandweit, wie er vor Kurzem versprach. Die Frage ist wann. Schon seit 2010 läuft in Bayern ein Pilotprojekt mit den Schildern, die in Österreich seit vielen Jahren existieren. Ergebnisse gibt es noch nicht, sollen aber "demnächst" vorliegen, wie gestern ein Ramsauer-Sprecher gegenüber unserer Zeitung vorsichtig sagte. Die Bundesländer sind in die Diskussion über das Geisterfahrerproblem eingebunden, heißt es im Schweriner Ministerium.

"Wenn man nur einen Geisterfahrer verhindert, ist das schon ein Gewinn", sagt der Ramsauer-Sprecher. Mit schnellen Entscheidungen ist dennoch nicht zu rechnen. Bei der nächsten Verkehrsministerkonferenz am 11. April steht der neue Warnhinweis immerhin auf der Tagesordnung. So lange wollen nicht alle Länder warten: Baden-Württemberg beginnt die Auffahrten nach dem Unfall in Offenburg mit Extra-Pfeilen auf den Fahrbahnen aufzurüsten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen