Ex-KZ-Sanitäter vor Gericht : „Todesurteil-Vergleich“: Diestel kritisiert

Wahlverteidiger (l.) Peter-Michael Diestel kurz vor dem Beginn des Prozesses gegen einen 95-Jährigen KZ-Sanitäter in Neubrandeburg.
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Wahlverteidiger (l.) Peter-Michael Diestel kurz vor dem Beginn des Prozesses gegen einen 95-Jährigen KZ-Sanitäter in Neubrandeburg.

Internationales Auschwitz-Komitee, Prozessbeteiligte und Staatsanwaltschaft entsetzt

svz.de von
01. März 2016, 20:30 Uhr

Einen Tag nach dem verschobenen Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter in Neubrandenburg haben das Internationale Auschwitz-Komitee und mehrere Prozessbeteiligte dessen Verteidiger Peter-Michael Diestel in scharfer Form kritisiert. Wenn Diestel das Gerichtsverfahren mit einem Todesurteil für seinen Mandanten gleichsetze, gegen das es kein Rechtsmittel gebe, sei dies „eine zynisch kalkulierte und geschmacklose Äußerung“, erklärte der Exekutiv Vizepräsident des Auschwitz -Komitees, Christoph Heubner, gestern in Berlin. Heubner hatte das Verfahren, das wegen Krankheit des Angeklagten verschoben worden war, beobachtet.

Dem 95-jährigen Ex-SS-Mann wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen im Konzentrationslager Auschwitz vorgeworfen. Diestel hatte am Rande des Verfahrens erklärt, der Prozess sei „verheerend“ für den Gesundheitszustand seines Mandanten. Das Verfahren sei mit einer Todesstrafe gleichzusetzen, gegen die es kein Rechtsmittel gebe.

Diestels Erklärung verletze Opfer und Überlebende von Auschwitz in ihrem Anspruch auf Respekt und Empathie, erklärte die Schweriner Staatsanwaltschaft. Sie stelle die Verbrechen in Auschwitz in nicht hinnehmbarer Weise in einen vergleichenden Kontext mit einem rechtsstaatlichen Verfahren. Die Nebenkläger Cornelius Nestler und Thomas Walter erklärten, „die Entgleisung Diestels“ könne nur mit Abscheu zur Kenntnis genommen werden.

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