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Immer mehr Kommunen erinnern an Tragik von 1945 : Tod am Kriegsende

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"Fam. Gau, Bierhändler, erschoss sich, seine Ehefrau und Schwägerin", steht in Handschrift auf einer DIN-A 4-Seite. Dieses Blatt war der Anlass für Günther Langes Untersuchungen über das Kriegsende 1945.

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erstellt am 02.Sep.2013 | 08:49 Uhr

Burg Stargard/Schwerin | "Fam. Gau, Bierhändler, erschoss sich, seine Ehefrau und Schwägerin", steht in leicht krakeliger Handschrift auf einer DIN-A 4-Seite. Darunter "Fam. Jackwitz...erhängte sich." Dieses Blatt eines alten Burg Stargarders, der damals die Leichen bergen musste, war der Anlass für Günther Langes Untersuchungen über das Kriegsende 1945 in der Kleinstadt bei Neubrandenburg. "Insgesamt kamen mehr als 1000 Menschen ums Leben", sagt der Rentner, der die "Kladde" des Friedhofsarbeiters aus jener Zeit analysiert hat. Auf zwei Gräberfeldern wurden mehrere Hundert Tote aus jener Zeit begraben, zum Teil sogar in mehreren Reihen übereinander. Heute erinnert nichts mehr an das damalige Geschehen, was sich ändern soll.

Die Burg Stargarder sammeln für einen würdigen Gedenkstein, der zusammen mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge spätestens 2014 aufgestellt werden soll. Kein Einzelfall: "Landesweit erinnern inzwischen immer mehr Kommunen an das Geschehen 1945 und stellen Gedenkstelen auf", sagt Karsten Richter vom Landesverband des Volksbundes. Die sich überschlagenden Ereignisse jener Zeit und die hoffnungslose Lage trieben viele Menschen in die Selbsttötung, Tausende fielen auch Seuchen, wie Typhus in Burg Stargard, zum Opfer.

So sorgte der Volksbund dafür, dass in Schwerin-Mueß, in Brüel bei Sternberg und in Körkwitz an tote Flüchtlinge und Einheimische erinnert wird. Allein in Brüel wurden rund 300 tote Flüchtlinge aus Zügen aus dem Osten ausgeladen und begraben.

Auch Bad Kleinen bei Schwerin spielt hierbei eine Rolle, weiß Richter. Dieser Knotenpunkt der Bahn sei mehrfach von englischen und amerikanischen Flugzeugen angegriffen und beschossen worden. Dabei seien auch viele Flüchtlinge ums Leben gekommen, die in Zügen kamen. Die Toten wurden anonym bestattet. Immer wieder meldeten sich Angehörige, die auf der Suche nach ihren Vermissten auf Bad Kleinen stoßen. "Das war hier ganz lange ein Tabu-Thema und ist es bei manchen Leuten noch", weiß der 81-jährige Lange.

Zwischen 28. April und 9. Mai 1945 nahmen sich fast 100 Menschen in Burg Stargard das Leben. Einige aus Furcht vor den Soldaten der Roten Armee, andere aus Verzweiflung über ihre Lage. Bis zum Jahresende kamen noch fast 900 Menschen durch eine Seuche um. Die Leute wurden auf zwei Quartieren auf dem Friedhof beigesetzt. Da aber nichts an ihr Schicksal erinnerte, wurden die Gräber im Laufe der Jahre "überbaut." "Nun sammeln wir für eine Gedenkstele mit einer Gedenkplatte", sagt Lange. Die Stadtverwaltung unterstützt den Plan, für den 10 000 Euro veranschlagt werden.

Burg Stargard ist nicht der erste Ort, an dem an dies "Tabu-Thema" erinnert werden soll. In Demmin sowie in Teterin bei Anklam wird seit Jahren an die Massenselbstmorde erinnert, die dort stattfanden.

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