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„Jugend forscht“ : Tischfußball und Bienen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Pfiffige Ideen beim „Jugend forscht“-Bundeswettbewerb. Rostocker Schüler präsentieren sich mit einem „schlauem Bewegungsmelder“.

Wenn es Bienen schlecht geht, kann man es auch mal mit Homöopathie versuchen. Das hat sich Nora Willmaring überlegt – und drei von Varroamilben geplagte Völker ein Jahr lang mit einem Gemisch aus Zuckerwasser und einem homöopathischen Präparat behandelt. Danach ging es ihnen besser, denn aus den Stöcken fielen deutlich weniger tote Milben als aus denen von Bienen, die nur Zuckerwasser bekamen.

Bei den Bienen ohne homöopathische Behandlung war die Milbenzahl 3,65 mal so hoch – was Schlüsse auf die Schädlingsmenge im Stock zulässt. „Es scheint zu funktionieren“, sagt die 18-Jährige Niedersächsin über ihr Projekt. Derzeit nimmt sie am Finale des 50. Bundeswettbewerbs von Jugend forscht in Ludwigshafen teil – so wie 194 andere Mädchen und Jungen.

„Die Jugendlichen sind tatsächlich am Puls der Zeit mit ihrer Forschung“, sagt der Geschäftsführende Vorstand der Stiftung Jugend forscht, Sven Baszio. Insgesamt hat Jugend forscht seit dem Start 1965 knapp 250 000 Jugendliche gefördert. Die Gewinner werden am Sonnabend in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck geehrt.

Nora, deren Onkel homöopathische Mittel herstellt, weiß, dass deren Wirksamkeit umstritten ist. Oft werde sie nur dem Placebo-Effekt zugeschrieben – also der Einbildung, dass etwas wirke. Eine Biene verstehe allerdings nicht, dass sie ein Präparat bekommen habe. Der Placebo-Effekt sei in dem Fall also ausgeschlossen, sagt Nora. „Ob das beim Menschen immer so ist, das sei dann dahingestellt.“

Myrijam Stoetzer (14) und Paul Foltin (15) vom Duisburger Franz-Haniel-Gymnasium haben etwas für Menschen entwickelt – einen Rollstuhl, der mit der Bewegung der Augen gesteuert wird. Schaut der Nutzer nach rechts, fährt der Stuhl nach rechts, guckt er nach links, geht es nach links. Dafür haben sie eine Webcam zerlegt und die Linse an ein Brillengestell montiert, so dass sie die Pupille filmt. Ein Programm analysiert ihre Bewegung und überträgt die Befehle auf Scheibenwischermotoren, die die Räder antreiben. „Einen Rollstuhl, den man mit den Augen steuert, gibt es noch nicht“, sagt Paul. Gedacht sei er für Menschen, die zum Beispiel an den Nervenkrankheiten ALS oder MS litten und sich nicht mehr bewegen könnten. Sie sollen kostenlos davon profitieren können, denn ihre in der Freizeit entwickelten Pläne stellen die Jungforscher ins Internet. Myrijam: „Jeder kann es nachbauen, weiterentwickeln, aber niemand darf es vermarkten.“

Kostenlos stellt auch Daniel Meiburg (19) aus Rostock seinen „schlauen Bewegungsmelder“ zur Verfügung. Er reagiert nur, wenn ihm Menschen vor die Linse kommen, Tiere lässt er außen vor. Zwar gibt es schon Programme, die Menschen erkennen, der Abiturient hat aber eine Version geschrieben, die den Hintergrund ignoriert. Denn sonst würde das Programm etwa auch auf Familienbilder an der Wand reagieren. „Und das ist natürlich wieder eine Fehlerquelle“, sagt er. Dass der 19-Jährige dafür kein Geld will, begründet er damit, dass er selbst auch viele kostenlose Lösungen nutze. Er wolle etwas zurückgeben.

Ein Missstand der anderen Art brachte Joshua Petry (15) aus dem saarländischen Ottweiler dazu, einen automatisierten Toranzeiger für das Tischfußballgerät zu entwickeln. Der Nachbar habe mitunter so heftig geschossen, dass man nicht mehr habe erkennen können, ob der Ball im Tor war und wieder herausgesprungen sei, sagt er. Seine Software soll bei der Klärung der Frage helfen, ob ein Tor ein Tor ist. „Es sei denn, Sie schießen mit Überschall - dann wird es nicht mehr erkannt.“

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