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Auf großer Fahrt in Sternberg : „Tirpitz“ schwamm auf Luckower See

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„Stunden zähle ich nicht“, sagt Bernd Janella. Mal sei es eine, dann kämen gleich mehrere zusammen. In einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten veranstaltete der Modellbauer am Sonnabend eine Ausfahrt von Schiffsmodellen.

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erstellt am 07.Aug.2012 | 10:10 Uhr

Sternberg | "Stunden zähle ich nicht", sagt Bernd Janella. Mal sei es eine, dann kämen gleich mehrere zusammen, zum anderen beschäftige er sich mehrere Tage nicht mit seinem Hobby. Der Modellbauer aus Blankenberg gehörte am Sonnabend zu einer kleinen Gruppe von Gleichgesinnten, die am Luckower See in Sternberg eine Ausfahrt von Schiffsmodellen veranstalteten. Eigentlich sollte die am Roten See bei Brüel stattfinden, dort, wo sich die Modellbauer mehr oder weniger regelmäßig treffen.

"Wir sind kein Verein, sondern uns verbindet die Leidenschaft zum Modellbau", sagt Hartmut Böhnke aus Bützow. Für den Roten See war ihnen diesmal abgesagt worden, bei Kerstin und Heiko Thomä vom Campingplatz in Sternberg fanden sie offene Ohren. "Die Bedingungen sind ideal, wir haben einen Steg und Flachwasser, damit wir die Schiffe einsetzen können. Das Gelände ist ruhig gelegen, und die Nachbarn haben uns sogar erlaubt, über ihr Grundstück zum See heranzufahren", dankt Böhnke.

Denn immerhin kann so ein Schiffsmodell bis zu 50 Kilogramm wiegen, wie die "Tirpitz", ein im Zweiten Weltkrieg eingesetztes Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine, das an diesem Tag im Maßstab 1:100 auf dem Luckower See fährt. Die "Tirpitz" war das größte jemals in Europa fertig gestellte Schlachtschiff. "Wir haben uns mehrheitlich der so genannten Grauen Flotte verschrieben, das sind Schiffe aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie der Gegenwart. Es gibt auch einige Segelboote. Möglich ist alles, was schwimmfähig ist", sagt der Bützower. Er steuert ein 1,79 Meter langes Modell eines Großen Kreuzers - die "Von der Tann", die auf der Hamburger Blohm & Voss-Werft gebaut worden und 1909 vom Stapel
gelaufen ist. Schon als Kind habe er Schiffsmodelle gemacht, erzählt der Bützower. Vor zwei Jahren dann habe er sich aber regelrecht mit dem Modellbau infiziert, als Zuschauer einer Veranstaltung in Ludwigslust und durch einen Beitrag in der Schweriner Volkszeitung über die "Von der Tann". "Mich interessiert die Technik, die Leistung, die da hinter steckt. Es ist erstaunlich, was Ingenieure schon vor 100 Jahren entwickelt haben, ohne Computer. Ich lese viel, ich beschäftige mich mit der Zeit, mit der Seefahrt allgemein und hinterfrage auch vieles davon immer wieder", beschreibt Hartmut Böhnke, was für ihn den Reiz ausmacht.

Bernd Janella fasziniert die "Rodney" - ein Schlachtschiff der Royal Navy. 1927 wurde es als erstes von zwei Schiffen der Nelson-Klasse in Dienst gestellt und nach seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg 1948 abgewrackt. Eigentlich wollte der Blankenberger weniger ein Schiff und mehr ein Flugzeug bauen. Doch wenn das herunterfällt, sei es Schrott, meint er.

Auch Janella hat erst vor zwei Jahren so richtig mit dem Modellbau begonnen - mit Autos, dann zu den Flugzeugträgern gewechselt. Für die "Rodney" entschied er sich, weil das Schiff mit Flugzeugträgern ausgestattet war. Auch wenn der Blankenberger mit seinem 2,20 Meter langen Schiffsmodell schon an Ausfahrten teilnimmt, würden noch viele Details fehlen, sagt er, beispielsweise die Beiboote.

Die Modellbauer treffen sich in den wärmeren Monaten nach Möglichkeit alle sechs bis acht Wochen. Einmal seien sie sogar schon im Januar am Roten See zu einer Ausfahrt gewesen, sagt Hartmut Böhnke. Dann wird natürlich auch gefachsimpelt. Auf dem Luckower See fuhren am Sonnabend Schiffe von Modellbauern unter anderem aus Rheinsberg, Wismar, Güstrow, Bützow und Blankenberg. Steht der Termin für eine nächste Ausfahrt fest, verständigen sich die Männer übers Telefon, Internet und die Medien. Weitere Interessenten sind immer willkommen ebenso wie Zuschauer zu den Ausfahrten gern gesehen werden. Und die gab es besonders am Sonnabendvormittag auch am Luckower See.

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