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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 10:54 Uhr

Einschulung : Tipps für Eltern und Lehrer

vom

Viele Erstklässler und ihre Eltern sind schon aufgeregt. Heute wird gefeiert, was am Montag beginnt: die Schulzeit. Wir haben Tipps für Eltern, Großeltern und Lehrer gesammelt, die dabei helfen, dass der Anfang gelingt.

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Früh das Gespräch mit dem Lehrer suchen

Lässt bei Erstklässlern schon in den ersten Schulwochen die Motivation nach, sollten Eltern genau hinschauen. Spätestens nach den Weihnachtsferien sollten sie mit dem Klassenlehrer sprechen, rät Marlies Lipka vom Fachverband für integrative Lerntherapie in Potsdam. Das sei besser, als darauf zu hoffen, dass der Knoten noch platzt. Schulpsychologen, Lerntherapeuten oder Kinder- und Jugendpsychiater können testen, ob eine Lernstörung vorliegt, und gemeinsam mit den Eltern erörtern, welche Förderung sinnvoll ist. Das kann Nachhilfe, eine Lerntherapie oder eine spezielle Förderklasse sein, erläutert Lipka in der Zeitschrift „Baby und Familie“.

 

Foto: dpa
 

Das können Grosseltern tun

Wenn das Enkelkind in die Schule kommt, sind mitunter auch die Großeltern gefordert – vor allem, wenn beide Eltern arbeiten. „Da kann es hilfreich sein, wenn das Kind jemanden hat, mit dem es über seine Erlebnisse in der Schule sprechen kann“, sagt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen.

Damit Großeltern bei den Hausarbeiten helfen können, sollten sie sich kundig machen, wie Kinder heute lernen, rät Lenz: „Die Art, wie man selbst gelernt hat, kann man nicht mehr eins zu eins auf die Kinder übertragen.“ An manchen Schulen sollen Kinder heute zum Beispiel zunächst nach Gehör schreiben, statt nach Rechtschreibregeln, gibt Lenz ein Beispiel. „Es kann verunsichernd für die Kinder sein, wenn die Großeltern ,ihre’ Methoden einsetzen.“ Außerdem sollten Großeltern mit den Eltern abstimmen, wie die Unterstützung bei den Hausaufgaben aussehen kann.

Grundsätzlich sollten die Großeltern die Bedürfnisse des Kindes in den Mittelpunkt stellen: Das gilt sowohl für die Hilfe bei den Hausaufgaben als auch auf dem Schulweg. Da sollten Großeltern das Kind zum Beispiel nur begleiten, wenn der Weg gefährlich ist oder das Kind es ausdrücklich möchte, sagt Lenz. „Manche Kinder wollen gar nicht so sehr getüttelt werden.“

 

Pausenbrot selbst schmieren lassen

Damit das Pausenbrot als zweites Frühstück gut ankommt, schmieren Kinder es am besten selbst: Je nach Alter sollten sie das Brot auch selbst belegen und Obst oder Gemüse als Snacks eigenhändig waschen und schneiden. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln hin. Damit die Mahlzeit ein paar Stunden vorhält, sollte das Brot besser nicht durch Croissants, Schokoriegel oder Bonbons ersetzt werden. Auch gesüßte Getränke sind nicht zu empfehlen.All dies liefert zu viel Energie, aber wenig Vitamine und Mineralstoffe und macht schnell wieder hungrig. Damit Eltern einschätzen können, ob die Pausenverpflegung geschmeckt hat, sollten sie ihr Kind nach der Schule immer wieder danach fragen. Nur so können sie mehr über die Vorlieben ihres Kindes erfahren und sicher sein, dass es das Pausenbrot auch wirklich isst.

 

 

Motivieren statt Druck aufbauen

Der Schulbeginn ist für Kinder immer eine große Sache. Eltern sollten aber aufpassen, dass sie den Start in die Grundschule nicht überfrachten. Sonst geraten die Kleinen unnötig unter Druck. Der Medizinprofessor Veit Roessner von der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Dresdner Uniklinik erklärt zwei wichtige Regeln für Eltern:

 Das können Eltern tun:
„Eine Feier, Schultüte – den Schulanfang besonders zu begehen, ist durchaus sinnvoll, damit das Kind in diese neuen Lebensphase stolz und motiviert startet“, sagt Roessner. Eltern sollten den Schulanfang aber mit einer positiven Note versehen und keinen Leistungsdruck aufbauen. „Sprüche wie ,Jetzt beginnt der Ernst des Lebens’ kann man spaßhaft sagen – wenn es das Kind verkraftet.“ Aber manche Kinder könnten dadurch unnötigerweise Ängste entwickeln.

Das sollten Eltern vermeiden:
Druck aufbauen und eigene Ängste auf das Kind übertragen. Dazu gehöre zum Beispiel, Kindern das mitzugeben, was man eigentlich selbst gern gemacht hätte – nach dem Motto: Mein Kind soll es einmal besser haben. Oder der Gedanke: Ich bin vielleicht nicht so besonders, aber mein Kind ist dafür auf jeden Fall hochbegabt.

 

 

Gutes aus eigener Schulzeit erzählen

Zur Einschulung sollten Eltern ihrem Nachwuchs nur positive Sachen aus der eigenen Schulzeit erzählen. „Kinder freuen sich auf die Schule“, sagt Ilka Hoffmann. „Die Freude sollte man durch eigene schlechte Erfahrungen in der Schulzeit nicht verderben“, erklärt das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Eltern können zum Beispiel erzählen, was sie alles im ersten Schuljahr gelernt haben, etwa Lesen und Schreiben. Auch Berichte vom ersten Wandertag oder dem eigenen Schulanfang wecken Vorfreude.

Hatten die Eltern schlimme Lehrer oder waren total schlecht in Mathe, sollten sie dies in ihren Erzählungen dagegen lieber aussparen.

 

Andere Kinder treffen und sich austoben: Ein Hobby setzt einen wichtigen Akzent neben der Schule.
  Foto: Julian Stratenschulte
 

Den Sport nicht vergessen

Zum Schulanfang sollten Kinder den Sport in ihrem Alltag nicht vergessen. Denn dadurch sind die Schüler auch geistig fitter. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DSGP) in Frankfurt hin. Eine schwedische Studie bei Jugendlichen habe gezeigt, dass es eine enge Beziehung zwischen körperlicher Fitness und Lernfähigkeit gibt: Je trainierter die Jugendlichen waren, desto besser konnten sie sich konzentrieren und neue Dinge lernen. Durch körperliches Training wird das Gehirn besser durchblutet, die Synapsen stärker ausgebildet und mehr neue Neuronen entwickelt.Am besten starten Schüler laut DSGP ihr Sportprogramm nach der vierten Unterrichtsstunde. Zu diesem Zeitpunkt lasse die Aufmerksamkeit in der Regel nach.

 

 

Mit Lob beginnen

Bestellen junge Lehrer zum ersten Mal die Eltern zum Gespräch in die Schule ein, ist das vielen unangenehm. Keiner überbringt schließlich gerne die Nachricht, dass der Nachwuchs im Unterricht stört oder schwänzt. Das Gespräch beginnen sie dann am besten erst einmal mit einem Lob, rät die Buchautorin Frau Freitag.* Sie unterrichtet an einer Berliner Schule und hat Bücher über den Schulalltag verfasst. Lehrer könnten etwa sagen, dass sie das Kind mögen und viel von ihm halten. Dann stehen viele Eltern kritischen Worten eher offen gegenüber. Wer dagegen das Gespräch mit den Worten eröffnet: „Mit ihrem Sohn stimmt etwas nicht“ stelle die Weichen gleich in Richtung Konfrontation.

Damit das Gespräch gelingt, müssen außerdem die Rahmenbedingungen stimmen. Lehrer sollten dafür sorgen, dass für das Gespräch ein ruhiger Raum zur Verfügung steht und sie ausreichend Zeit haben.

*Der Name Frau Freitag ist ein Pseudonym, unter dem die Autorin ihre Arbeiten veröffentlicht.

Frau Freitag: Für mich ist auch die 6. Stunde: Überleben unter Schülern, Ullstein extra, 2016, 288 S., 14,99 Euro, ISBN-13: 978-3864930423

 

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