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Diskussion im Zoo Schwerin : „Tiger fressen keine Blumen“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Dürfen Tiere aus dem Streichelzoo an Raubtiere verfüttert werden? – Schweriner Zoo sorgt für Diskussionsstoff

von
erstellt am 13.Apr.2016 | 20:45 Uhr

Der Schweriner Zoo feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag und sorgte gestern mit einem neuen Konzept erst einmal für großes Staunen: Seltene und bedrohte Tierarten sollen neu für den Bereich Bauernhof und Streichelzoo angeschafft werden. Dafür wurden die Schafe, Ziegen und Schweine, die bisher dort lebten, abgegeben oder verfüttert. Die Tiere seien, bevor sie von Tigern oder Bären gefressen wurden, aber getötet worden. Erschrockene Kinder, Stirnrunzeln bei den Eltern. Tiere aus dem Streichelzoo werden Raubtieren zum Fraß vorgeworfen?

„Es betraf konkret drei Schafe“, bestätigte Zoodirektor Tim Schikora gegenüber unserer Redaktion. Aber die meisten der bisherigen Tiere aus dem Streichelzoo seien an andere zoologische Einrichtungen oder Privatpersonen vermittelt worden. Nur die drei alten Schafe wollte keiner, außer den Raubtieren natürlich. Die Fleischspender seien vorher schmerzfrei getötet worden, fügte Schikora hinzu.

Doch künftig sollen sogar Jungtiere an Tiger und Bären verfüttert werden. Die Idee: Seltene heimische Tierrassen wie das Pommersche Landschaf werden in natürlicher und traditioneller Weise auf dem Hof mit Streichelgehege gehalten. „Dazu gehört auch, dass die Tiere tragend werden und ihre Jungen aufziehen“, erklärte Zoodirektor Schikora.

Was passiert aber mit den Jungtieren, wenn sie größer sind und der nächste Nachwuchs kommt? „Klar ist jedoch, dass Jungtiere, sollten sie nicht weitervermittelt werden können, auch an unsere Raubtiere verfüttert werden“, teilte der Schweriner Zoo mit. Und: „Ehrlich gesagt: Das ist uns lieber, als die Verfütterung eingekaufter Nutztiere aus dem konventionellen Fleischhandel.“

Der Aufschrei professioneller Umweltaktivisten und Tierschützer aus dem Land blieb allerdings aus. „Jedes dieser Jungtiere hatte ein schöneres Leben als Tiere aus der schlimmen Massentierhaltung“, meinte Corinna Cwielag, Landesgeschäftsführerin des BUND.

Ähnlich argumentierte Julia Kögler, Stellvertretende Geschäftsführerin des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) in Berlin. Jeder würde wissen, dass für die Ernährung von Raubtieren im Zoo andere Tiere das Fleisch liefern müssen. „Tiger fressen keine Blumen“, sagte sie. Aber Schafe oder Ziegen aus den eigenen Tiergärten würden dabei weniger leiden als Schlachtvieh. Sie würden nicht nur ein artgerechteres Leben führen, sondern seien auch nicht den langen Transporten zu den Schlachthöfen ausgesetzt.

Auch juristisch sei das Verfahren einwandfrei, meinte die Zoologin. Das Tierschutzrecht erlaubt das Töten von Wirbeltieren, wenn berechtigte Gründe dafür vorliegen. Die Ernährung von Menschen und Tieren seien als akzeptierte Gründe ausdrücklich aufgeführt. Bedingung ist allerdings, dass das Tier zuvor schmerzfrei getötet wurde, erklärte Julia Kögler. Zudem müsse bei jeder Tötung in einem Zoo ein Amtstierarzt als Kontrollinstanz benachrichtigt werden. Lebende Schafe oder Exoten seien als Futter in Zoos ohnehin Tabu.

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