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Nutztierhaltungsverordnung : Tierschützer wollen Nerzzucht verbieten

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Sechs Jahre nach ihrem Inkrafttreten ist die Nutztierhaltungsverordnung für Nerze immer noch nicht umgesetzt. Die 14 in MV arbeitenden Nerzzüchter haben bewusst auch eine gestern auslaufende Frist verstreichen lassen.

svz.de von
erstellt am 13.Dez.2012 | 10:43 Uhr

Schwerin | Sechs Jahre nach ihrem Inkrafttreten ist die neue Nutztierhaltungsverordnung für Nerze in Deutschland immer noch nicht umgesetzt. Die 14 noch im Land arbeitenden Nerzzüchter haben bewusst auch eine weitere, gestern auslaufende Frist verstreichen lassen, wie Jürgen Brokamp, Präsident des Zentralverbandes Deutscher Pelztierzüchter, erklärte. Die Unternehmer klagten vor mehreren Verwaltungsgerichten wegen "dem Tierschutz widersprechender Forderungen" gegen die Verordnung. Die Tierschützer selbst halten dieses Argument für absurd.

2006 hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Verordnung erlassen, wonach die Nerze unter anderem in weitaus geräumigeren Käfigen als vorher üblich gehalten werden sollen. Im Mittelpunkt steht dabei eine Vergrößerung der Käfige auf das Zehnfache: Wurde eine Nerzfamilie mit durchschnittlich fünf Tieren bislang in einem 0,3 Quadratmeter kleinen Käfig gehalten, soll es nun ein Drei-Quadratmeter-Gehege sein.

Verbandschef Brokamp, der selbst in Leizen (Mecklenburgische Seenplatte) eine Nerzfarm betreibt und pro Jahr etwa 50 000 Nerzfelle produziert, rechnet mit hohen Verlusten. Muttertiere würden in großen Käfigen leicht den Kontakt zu ihren Neugeborenen verlieren, nur etwa jedes zweite Jungtier überlebe das, sagte Brokamp. Das habe sich in Versuchen mehrerer Verbandsmitglieder mit den geforderten Großkäfigen gezeigt.

Dem widerspricht Thomas Pietsch, Wildtierexperte der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". Es gebe eine Studie der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, derzufolge die geforderten Großkäfige mit künftig festen Böden den Nerzen nachweislich deutlich bessere Lebensbedingungen bieten, als die bisherigen Gitterkäfige, sagte Pietsch im dapd-Gespräch. Die Züchter hätten ihre Versuchsprotokolle dagegen bislang nicht veröffentlicht.

Laut Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes werden in Deutschland jährlich etwa 350 000 Felle produziert. Schon nach sechs Monaten werden die Jungtiere gehäutet. Deutschland ist im Vergleich zu Nachbarländern kein Großproduzent. In Dänemark beispielsweise werden jährlich 14 Millionen Felle geliefert.


Tierschutzverbände fordern inzwischen ein generelles Verbot der Käfighaltung von Nerzen. Allein im Nordosten werden 31 000 Elterntiere gehalten, die alljährlich rund 75 000 Jungtiere aufziehen. Auch die Bundestierärztekammer lehnt die Haltung von Nerzen zum Zwecke der Pelzgewinnung inzwischen generell ab.

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