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Tierhilfe Norddeutschland : Tierparadies von Klein Sien

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nadine Gronek kümmert sich dort um 200 Tiere

von
erstellt am 20.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Wer in den Stoffbeutel schaut, den Nadine Gronek vor ihrem Bauch trägt, der blickt in die großen Augen eines scheuen Kängurubabys. „Seine Mutter ist kurz nach ihrer Ankunft hier bei uns gestorben“, erzählt die Tierpflegerin. Sie päppelt das Kleine auf, bis es auf dem Tierschutzhof genauso herumhüpfen kann wie das Vatertier.

Das Veterinäramt hatte die Kängurus irgendwo in Mecklenburg-Vorpommern beschlagnahmt, weil sie in einem viel zu kleinen Stall darbten, und zu Nadine Gronek gebracht. Seit 15 Jahren betreibt sie ihr Tierasyl in Klein Sien und die „Tierhilfe Norddeutschland“. Dafür ist sie vor kurzem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

Es bellt und muht und kräht und gackert rund um die alte Molkerei am Dorfrand nicht weit vom Großtessiner See, wo die 37-Jährige ihr Refugium gefunden hat. Sie kennt jeden Namen ihrer derzeit 200 Schützlinge.

„Unsere Kuh Yvonne wurde als Kalb von einem Kleinbauern verdreckt zurückgelassen. Sie lebt schon zehn Jahre hier“, erzählt Nadine Gronek, während hinter ihr ein Pfau ein Rad schlägt. Zwei beeindruckend große Doggen kamen nach Klein Sien, weil ein Ehepaar sich nach der Scheidung nicht über den Verbleib einigen konnte. Für die Waschbären, die auf einem dunklen Dachboden gefunden wurden, hat Nadine Gronek gerade ein neues Gehege gebaut. Zahlreiche Katzen bevölkern das extra für sie eingerichtete „Wohnzimmer“.

Hunde, Katzen und Hasen „kann“ fast jedes Tierheim. Nadine Gronek aber nimmt auch große Tiere in Obhut – oft auf Lebenszeit. Auf der angrenzenden Wiese grasen zwei Lamas und ein zotteliges tibetisches Yak. Die Kamele Ivan und Katja holte sie nach Mecklenburg, als der kleine Zirkus aufgab, zu dem sie gehörten.

Die Tierhilfe betreibt Nadine Gronek mit Geld- und Futterspenden sowie Tierpatenschaften, die sie über das Internet vergibt. Sie selbst lebt vor allem von den Erträgen der drei kleinen Ferienwohnungen, die sie vermietet, und indem sie Stadtkindern prima Ferien bietet. „Ich selbst brauche nicht viel, solange ich meinen Freiraum habe.“ Auf dem Tierschutzhof helfen ihr junge Frauen und Männer, die hier ein Freiwilliges Soziales Jahr (FJS) ableisten, und Praktikantinnen.

„Ich hab´ die beste Entscheidung meines Lebens getroffen“, sagt die Tierpflegerin, die als junge Frau „wegen der Liebe“ der Hektik ihrer Heimatstadt Essen entflohen ist. Die Liebe ist längst verflossen, aber aus Mecklenburg-Vorpommern „will ich gar nicht mehr weg“. Auf die Idee, ein eigenes Tierheim zu betreiben, kam sie, nachdem sie einen kleinen Hund gesund pflegte, der ihr vor das Auto gelaufen war. Schon bald darauf machte sie bundesweit Furore, weil sie die erste „Welpenklappe“ in Deutschland anbot, an der anonym Hunde abgegeben werden konnten. Mit den meisten Einheimischen in Klein Sien kommt Nadine Gronek inzwischen gut zurecht. Eine Einladung zum gemeinsamen Kaffeetrinken habe anfängliche Vorbehalte abgebaut, berichtet sie. Offenbar kam auch der Vorschlag für das Bundesverdienstkreuz aus dem Dorf.

„Ich dachte erst, das ist ein Scherz“, erzählt Nadine Gronek, dann aber habe sie sich riesig gefreut. „Jeder Mensch hat eine Aufgabe. Bei mir sind es die Tiere.“ Das Bundesverdienstkreuz sieht sie als Ansporn, weiterhin notleidendenden Tieren eine Unterkunft zu bieten. Den kleinen und den großen. Für Elefanten allerdings hat sie keinen Platz. Und es gibt auch Kreaturen, das räumt Nadine Gronek ein, für die ihre Tierliebe nicht reicht: Vogelspinnen.


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