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Schönheitskönigin aus MV : Tierische Topmodels

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Aus der Onlineredaktion

Schöner, hübscher, besser – der Ehrgeiz ist riesig unter den Züchtern im Land, egal ob bei Hund, Taube, Hühnchen, Katze oder Pferd

svz.de von
erstellt am 14.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern hat eine neue Schönheitskönigin. Sie ist erst zwei Jahre alt, am ganzen Körper behaart, hat eine feuchte Nase und hört auf den Namen „Alba Novis z Kralovskych chlmov“. Ja, das ist kein Tippfehler. Die Rede ist von einer Jagdhündin. Und weil ihr Name so schwierig auszusprechen ist, wird sie von ihrer Besitzerin Kerstin Westhoff einfach liebevoll „Pfefferkörnchen“ gerufen. Wegen der hellgrauen Farbe. Die war nur ein Grund, weshalb der Jagdhund aus Keez bei Sternberg auf der Welthundeausstellung in Leipzig am Wochenende zum schönsten Slowakischen Rauhbart der Welt gekürt wurde. Schöner, hübscher, besser – der Ehrgeiz ist riesig unter den Züchtern im Land. Egal ob bei Hund, Taube, Hühnchen, Katze oder Pferd.

„In dem kleinen Dörfchen Keez gibt es nicht nur ein Zuhause für gestrandete Hunde, sondern einen frischgebackenen Weltsieger“, sagt Westhoff stolz. Sie betreibt in Keez eine Hundeschule und Fundhundestation. Bei der World Dog Show & German Winner Show in Leipzig waren insgesamt 31 000 Hunde aller 423 registrierten Rassen vertreten. Bewertet wurde der Standard, dass heißt welcher Hund der jeweiligen Rasse der Schönste unter Schönen ist, erklärt Peggy Rewitz, 2. Vorsitzende vom Verband für das Deutsche Hundewesen in MV. „Speckrollen gehen zum Beispiel nicht“, sagt sie. Kein Herz für Plus-Size-Models also. Deshalb schaute ihre West Highland White Terrier-Hündin diesmal auch nur von der Zuschauertribüne zu. „Die hat schon ein zwei Röllchen“, sagt Rewitz und lacht. Mit fünf Jahren sei das auch in Ordnung. „Wenn sie älter ist, nimmt Jettchen vielleicht an den Veteranen-Schauen teil.

Auch Kaninchen müssen Model-Maße erfüllen. In keiner anderen Kategorie gibt es so viele Punkte wie beim Gewicht, erklärt Peter Kalugin, Vorsitzender des Landesverband der Rassekaninchenzüchter MV. Nämlich 20 Stück. Die Fellstruktur macht nur 15 der insgesamt 100 Punkte aus.

„Die Qualität der Tiere hat sich in den vergangen zehn bis 15 Jahren in MV sehr verbessert“, sagt Kalugin. Am Wochenende findet in Gnoien bei Rostock die 27. Landesverbandsschau der Rassekaninchenzüchter in MV statt. 1100 Tiere sind angemeldet. „Das ist ein gutes Ergebnis, bedenkt man, dass im Dezember die Bundesschauen in Leipzig stattfinden.“ Denn auch dort seien 620 Langohren aus dem Land registriert. Insgesamt werden 26  500 Tiere erwartet. „Für die Tiere ist das schon ein bisschen Stress“, räumt der Landesvorsitzende ein. Deshalb würden die meisten Tiere nur auf einer der beiden Messen präsentiert.

Dann werden sie vermessen, gewogen und begutachtet. Neben Gewicht und Fellfarbe ist auch die Löffellänge entscheidend. „Tiere, die dem Standard nicht genügen, werden nicht zur Zucht genommen.“ Sie werden stattdessen gemästet und geschlachtet. „Das Kaninchenfleisch ist das gesündeste“, versichert Kalugin. 18  000 Jungtiere verzeichnet der Verein pro Jahr. Etwa 5000 von ihnen eigenen sich für die Zucht.

Bei dem Vorsitzende hoppeln hauptsächlich Angorakaninchen. 80 Stück hat er. An den ist zwar wenig Fleisch, dafür ganz viel Fell dran. Namen hätten die Tiere auch, aber merken könne er sich nicht alle. Nur ab und an habe er einen Lieblingsbunny. Der darf dann bis zu seinem Lebensende bei Kalugin hoppeln und Löwenzahn mümmeln.

Warum man überhaupt züchtet? „Es ist schon toll, wie aus ein bisschen weißen und gelben Glibber eine Taube oder ein Hühnchen wird“, sagt Steffen Kraus. Der zweite Vorsitzende des Landesverbands der Rassegeflügelzüchter in MV hat selbst 40 Wiener Tümmler. Die kleinen zarten Tauben kommen aus Österreich. Sie können sogar sehr kuschelig werden: „Ich hatte schon viele, die richtig zutraulich wurden und hinter mit hergelaufen sind“, erzählt der Rostocker.

Doch die Kategorie Anhänglichkeit gibt es bei den Wettbewerben nicht. Dafür die der Leistung. Am Wochenende fand in Gnoien die Landesschau mit 1900 Vögeln statt. Wer mehr Eier legt, hat bei Wettbewerben bessere Chancen auf einen Titel. „Ein gutes Vorbeck Huhn legt etwa 100 Stück im Jahr“, meint Kraus. Zum Vergleich: Bei den Hybridhühnern sind es 300.

Auch bei Pferden geht es neben dem Aussehen um Leistung. Allerdings ist diese eher sportlich zu sehen, sagt Jörg Hasselmann, Präsident der Pferdezüchter in MV. Der Verband zählt etwa 1200 Mitglieder. Am Wochenende fand in Redefin die jährliche Hauptkörung statt. Dabei wurden aus 100 Hengsten Zuchttiere bestimmt.

Hasselmann selbst hat nur einen Favoriten: „Ich habe versucht, alle Rassen zu reiten, aber ich bleibe bei den Warmblütern.“ Sein Lieblingstier sei eine Juventus-Stute. In ihren 19 Jahren habe sie 13 Fohlen bekommen. Jetzt genießt sie auf dem Hof von Hasselmann ihren wohl verdienten Ruhestand.

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