Wilde Heimat : Tierische Gangster in MV unterwegs

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Neue Giftspinnen-Art im Müritz-Nationalpark entdeckt / Waschbär bricht in Jugendclub ein / Fischadler ließ Flugzeug abstürzen

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02. September 2015, 21:00 Uhr

Menschen, vor denen man sich in Acht nehmen sollte, gibt es zahlreiche. Doch Gangster gibt es auch im Tierreich. Waschbären, die als Einbrecher unterwegs sind. Vögel, die Flugzeuge zum Absturz bringen. Oder Spinnen, die echt giftig sein können...

Beispielsweise die Ammen-Dornfinger. Diese Giftspinne ist in Norddeutschland eine wahre Rarität, da sie ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt. Der Fund in Mecklenburg-Vorpommern gilt derzeit als die nördlichste selbstständige Ausbreitung der Art und könnte womöglich ein Vorbote des Klimawandels sein.

Im Nationalpark wurde der Ammen-Dornfinger eher zufällig entdeckt. Seine Ei-Kokons hängen jetzt im Spätsommer an Bündeln hoher Grashalme. Die hühnerei-großen Kokons werden dabei von den Weibchen bewacht. Auffällig: Die etwa 3 bis 4 Zentimeter großen, bernsteinfarbenen Tiere zeigen wenig Scheu vor möglichen Angreifern. Womöglich wegen ihrer auffällig großen Fangwerkzeuge, die zusätzlich noch mit Giftdrüsen ausgestattet sind.

In Mitteleuropa ist der Ammen-Dornfinger die eindeutig giftigste Spinne. Zwar haben andere Arten ein ähnlich starkes Gift, allerdings hat nur sie ausreichend starke Kieferklauen, um auch menschliche Haut zu durchbeißen. Vergleichbar sei ein solcher Spinnenbiss etwa mit dem Stich einer Hornisse, erklärt Nationalpark-Ranger Sebastian Krage.

Wirklich gefährlich für den Menschen sei diese Spinnenart prinzipiell zwar nicht, sagt er. „Das Gift ist jedoch Gewebe zersetzend und es kann durchaus zu Schwellungen kommen.“ Im schlimmsten Fall führen diese zum Absterben von Gewebe (Nekrose) und der betroffene Körperteil läuft dann blau-rot, im
Extremfall schwarz an. Auch eine Blutvergiftung kann entstehen – bisher sind in Deutschland solche Extremfälle jedoch nicht bekannt. Trotzdem empfiehlt der Ranger, dass vor allem Kinder oder Rentner, die gebissen wurden, lieber einen Arzt aufsuchen sollten. Bei ihnen kann es nach einem Biss zu Übelkeit und Kreislaufproblemen kommen. Man wisse auch nie, ob jemand auf das Gift allergisch reagiere, sagt Krage.

Werden die Tiere jedoch in Ruhe gelassen, droht keinerlei Gefahr, heißt es. Viel gefährlicher als diese Giftspinne seien dem Ranger zufolge sowieso die Tiere, die Krankheiten übertragen können. Wie Zecken oder die asiatischen Busch- und Tigermücken, die inzwischen bei uns heimisch geworden sind.

Eine rasante Vermehrung des Ammen-Dornfingers erwartet der Ranger nicht. „Den Bestand behalten wir im Auge. In den Kokons werden im Schnitt 100 bis 150 Eier abgelegt. Davon kommt nur ein Teil durch.“ Somit stellt die Giftspinne – da sie von sich aus nicht angriffslustig ist – kaum Gefahr dar.

Zu einem wahrhaftigen Gangster mutierte dagegen am Dienstagabend in Dömitz (Ludwigslust-Parchim) ein Waschbär. Dieser hatte in einem Jugendclub des Nachts das Licht angeschaltet, eine Zwischendecke zerstört und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Damit war er nicht der Erste seiner Art.

Was zunächst nach einem Einbruch aussah, stellte sich für die herbeigerufenen Beamten schnell als fieberhafte Fluchtweg-Suche heraus. Das vom Dach des Gebäudes kommende Tier brach nach Angaben der Polizeiinspek-
tion Ludwigslust in eine Zwischendecke ein. Auf der Suche nach einem Ausgang sei es gegen den Lichtschalter getapst und habe so die Beleuchtung angeknipst. Später sei es dem Tier gelungen, über das Dach wieder ins Freie zu gelangen. „Allerdings“, hielten die Beamten im Bericht fest, „hinterließ der Waschbär neben eindeutigen ,Fußabdrücken’ diverse Beschädigungen.“ Der Racker blieb trotz Identifizierung auf freiem Fuß.

In die Reihe der Rowdys kann sich nach neuesten Erkenntnissen wohl auch ein Fischadler einreihen. Das Tier hatte im Herbst 2012 bei einer militärischen Flugübung nahe Gnoien (Landkreis Rostock) ein schweres Flugzeugunglück mit zwei Toten verursacht.

Zu dem Ergebnis kam die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) Braunschweig in ihrem Abschlussbericht, der jetzt veröffentlicht wurde. Demnach kollidierte die Maschine bei hoher Geschwindigkeit mit dem Adler, riss sich einen Teil der linken Tragfläche ab und stürzte ab.

Experten hatten bereits einen Zusammenstoß mit einem Vogel als Ursache vermutet, da in der Nähe der Kadaver eines Greifvogels gefunden wurde. Die Bundesstelle empfahl nun, dass zivile Vertragspartner der Bundeswehr „künftig hinsichtlich Flugbetriebes und Flugsicherheitsorganisation Standards der Bundeswehr genügen.“

Leichter gesagt als getan, wenn sich die Tiere wie Gangster aufführen.

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