Einrichtungen vor Insolvenz : Tierheime in Not

Ohne Spendengelder müssten viele Tierheime im Land schließen. Was dann mit den Tieren passtiert, ist unklar.
Ohne Spendengelder müssten viele Tierheime im Land schließen. Was dann mit den Tieren passtiert, ist unklar.

1,6 Millionen Euro für Instandsetzungen und Sanierungen, doch kaum Geld für die Versorgung der Tiere

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18. März 2016, 20:45 Uhr

Bundesweit steht jede zweite Einrichtung vor der Insolvenz. Das berichtet der Deutsche Tierschutzbund. Für das laufende und das kommende Jahr stellt das Land daher 1,64 Millionen Euro den Tierheimen in MV zur Verfügung. Das sei achtmal so viel, wie in den Jahren zuvor, heißt es aus dem Agrarministerium in Schwerin. Doch das Geld komme nicht da an, wo es am dringendsten benötigt wird, beklagt der Landesverband des Tierschutzbundes.

„Die Tierheime leben alle von der Hand in den Mund“, sagt Landesvorsitzende Kerstin Lenz. Das ändere sich auch nicht durch die zusätzlichen 1,64 Millionen Euro. „Natürlich ist es ein riesiger Erfolg und unbedingt zu begrüßen, dass das Geld vom Land zur Verfügung gestellt wird. Das Problem ist, dass damit nicht die Betreibung der Tierheime, sondern nur die Schaffung neuer Plätze finanziert wird“, erklärt Lenz. Gefördert werden nämlich nur Tierheime, sowie anerkannte gemeinnützige Träger, die Neubauten, Erweiterungen, Aus- und Umbauten oder Sanierungen planen. „Das ist sehr wichtig, um die Einrichtungen den gesetzlichen Bedingungen entsprechend umzubauen“, so Lenz.

Und dennoch: Zum Überleben reicht die Finanzspritze nicht. „Die Tierheime brauchen Geld, um die Angestellten richtig zu bezahlen und Arztkosten zu begleichen“, erklärt Lenz. Mehr als 1,4 Millionen Euro gaben die Einrichtungen im Land vergangenes Jahr aus. Von den Kommunen kamen jedoch nur etwa 426 000 Euro zurück. Eine Million Euro müssten mit Spenden und Vereinsbeiträgen beglichen werden. Das werde zunehmend schwieriger. Dabei ist die Versorgung von Fundtieren eine öffentliche Aufgabe, für die die Kommunen zuständig sind. Die Gemeinden übernehmen in der Regel jedoch nur die Kosten für die Unterbringung der Tiere in den ersten 28 Tagen. Für die Zeit danach, müssen die Heimbetreiber selbst aufkommen. Der Tierschutzbund fordert daher, dass im Jahr pro Einwohner ein Euro an die Tierheime geht. Das entspräche in MV etwa 1,6 Millionen Euro.

„Wir wollen nur, dass die Kosten gedeckt werden. Das wäre damit erreicht“, sagt Lenz. Der Städte- und Gemeindetag sieht von solch einer Lösung jedoch ab. Eine Umfrage hätte ergeben, dass drei Viertel der Ordnungsämter in MV diese Finanzierung nicht für sinnvoll erachten. „Was der Landesverband will, ist eine Fond-Lösung. Das heißt, die Kommunen zahlen etwas ein und müssen hoffen, dass es klappt“, meint Klaus-Michael Glaser vom Städte- und Gemeindetag. Die genaue Verteilung der Gelder sei dann kaum nachvollziehbar. Außerdem betont Glaser, seien die Kommunen nicht verpflichtet für alle Tiere die Versorgung zu übernehmen. „Das gilt nur für gefährliche Tiere und Fundtiere.“ Zu Letzteren zählten nicht Tiere, die einfach ausgesetzt wurden. Wie es in Zukunft mit den Tierheimen weitergeht, wird heute auf der Mitgliederversammlung des Landesverbandes MV des Deutschen Tierschutzbunds in Demmin diskutiert.
 

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