Protest in Wolgast : THW-Helfer schmeißen hin

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Das Logo des Technischen Hilfswerks in Stralsund.

Schließung der Kinderstation im Krankenhaus Wolgast bleibt auch nach Ablehnung der Volksinitiative umstritten

svz.de von
15. Juni 2016, 05:00 Uhr

Aus Protest gegen die Schließung der Kinderstation im Krankenhaus Wolgast sind zwölf Mitglieder aus dem Ortsverband des Technischen Hilfswerks (THW) in Wolgast ausgetreten. Alle seien Familienväter und wollten nun nach der Schließung der Station stärker ihren Kindern und Frauen beistehen, begründete gestern der THW-Ortsbeauftragte Frank Hasche den Austritt der Kameraden.

Der Landtag in Schwerin hatte vor einer Woche mit den Stimmen der Regierungsparteien SPD und CDU eine Volksinitiative zur Wiedereröffnung der Klinik abgelehnt. Für die Volksinitiative waren knapp 20 000 Unterschriften in der Region Usedom und Wolgast gesammelt worden.

„Wenn die Landesregierung nicht für uns da ist, können wir nicht für die Region da sein“, sagte Hasche. Er und die ausgetretenen Kameraden hofften, dass die Entscheidung zur Schließung der Kinderstation überdacht werde. Weitere Austritte wurden angekündigt. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald reagierte mit Erschrecken auf die Entscheidung der THW-Kameraden. „Das ist ein besorgniserregendes, ernstzunehmendes Signal“, sagte Kreissprecher Achim Froitzheim.

Das Sozialministerium bedauerte gestern die Austritte, sieht aber keinen Grund, die Entscheidung zu revidieren. Die Landesregierung stehe weiter zur Schließung der Kinderstation und Gynäkologie, sagte Ministeriumssprecher Christian Moeller. Hätte man die Stationen nicht geschlossen, wäre das gesamte Krankenhaus in Gefahr gewesen.  „Wir bedauern es sehr, wenn sich Menschen entschließen, das Ehrenamt zu beenden.“ Ein Zusammenhang zwischen der Schließung der Kinderstation und dem Austritt von Kameraden aus dem THW erschließe sich aber nicht, sagte Moeller.

Der THW-Landesverband mit Sitz in Kiel wurde von den Austritten überrascht und ist jetzt um Aufklärung bemüht. Einen vergleichbaren Fall habe es bislang nicht gegeben, sagte der Landesverbandssprecher Claus Döpper.  In den nächsten Tagen will sich der THW-Landesbeauftragte mit den Kameraden treffen. „Das Problem liegt aber offenbar nicht beim THW, sondern beim Land“, hieß es aus Kiel.

Im Landkreis haben sich die Kameraden als engagierte Helfer einen Namen gemacht, so etwa bei der Beseitigung von Paraffin-Anspülungen oder bei Hochwasserkatastrophen. Dort ist man alarmiert. Technisches Hilfswerk und Freiwillige Feuerwehren seien die Organisationen, die in Flächenregionen die Gesellschaft zusammenhielten, sagte Kreissprecher Achim Froitzheim. „Das Ehrenamt ist das Tafelsilber in der Region.“ Die Landrätin von Vorpommern-Greifswald hat die Führungsspitze des THW zu einem Gespräch eingeladen.

Nach Angaben des THW-Ortsbeauftragten Hasche haben weitere Kameraden ihren Austritt zum 31. August angekündigt, so dass von den einst 35 Mitgliedern dann nur noch 11 aktive übrig blieben. Damit könne der Verband keine eigenen Einsätze mehr leisten.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) bedauerte, dass die Ehrenamtler ihren Dienst beim THW quittiert haben. „Aus der Zusammenarbeit  beim Elbe-Hochwasser oder der Unterbringung der Flüchtlinge im letzten Jahr weiß ich, welchen hohen Anspruch die Mitglieder des THW an ihre Arbeit haben.“ Er hoffe, dass die Gespräche die Kameraden umstimmen können. 

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