zur Navigation springen

Sattlermeister aus Niendorf geehrt : Therapie für den Pferderücken

vom

Zum Reiten hat Sattlermeister Armin Napp aus Niendorf bei Wismar selbst kaum mehr Zeit. Der findige Handwerker hat sich eine simple Methode ausgedacht, um Druckstellen und Rückenleiden bei Pferden zu entdecken.

svz.de von
erstellt am 14.Nov.2011 | 08:41 Uhr

Niendorf | Zum Reiten hat Sattlermeister Armin Napp aus Niendorf bei Wismar selbst kaum mehr Zeit. Der findige Handwerker hat sich eine simple Methode ausgedacht, um Druckstellen und Rückenleiden bei Pferden entdecken und für die Problemzonen des Tieres orthopädische Therapiemittel wie Polster und Sattelkissen passgerecht maßschneidern zu können. Seine Erfindung, eine Satteldruck-Messmatte, wurde bereits 2004 patentiert und mit dem Technologiepreis des Handwerks Mecklenburg-Vorpommern bedacht.

Von heute an wird Napps Werkzeug als "Meisterwerk der Woche" in der Imagekampagne des deutschen Handwerks präsentiert. Das Mecklenburger Unternehmen stehe stellvertretend für die Innovationskraft der Branche, meint eine Sprecherin der Handwerkskammer Schwerin.

"Pferde sagen uns ja nicht, wo der Sattel drückt", sagt der findige Meister. Selbst erfahrene Handwerker könnten die Druckverteilung unter einem Reitsattel bestenfalls erahnen. Marktübliche Mess-Systeme - elektronische Matten mit angeschlossenem Computer - wären aber viel zu teuer und würden daher nur selten angewendet. Das könne schlimme Folgen haben: Verspannungen, Schmerzen oder gar krankhafte Muskelveränderungen könnten den Vierbeiner reituntauglich oder vollends zum Invaliden machen, warnt der 51-Jährige. Oft rieten dann Tierärzte oder Therapeuten zum Satteltest.

Aus ganz Deutschland kämen inzwischen Anfragen nach seiner Diagnose-Methode und damit Aufträge, sagt Napp. So fährt er mit seiner "Hightech-Decke" im Gepäck regelmäßig übers Land, um an schmerzgeplagten Pferden Maß zu nehmen. Die Methode scheine simpel, habe aber monatelanges Experimentieren erfordert, erinnert sich der Erfinder. Seine Messmatte, die dem Problempferd unter den Sattel direkt auf den Rücken gelegt werde, bestehe aus vier Lagen: Eine wasserdichte Plane, ein ölgetränktes Vlies, darüber eine fein perforierte Folie und schließlich eine einfache Pappe.

Die Decke sei so geschichtet, dass erst nach einem Ritt von 30 Minuten und nur an permanenten Druckstellen Öl durch die Lochfolie sickert. Fettflecke auf der Pappe ergeben das Druckmuster. "Dies entsteht nur über einen längeren Zeitraum und ist keine Momentaufnahme von kurzen Druckspitzen etwa vom Aufsitzen", erklärt Napp. 20 Euro koste eine solche Messung und damit nicht mal ein Viertel dessen, was für elektronische Verfahren verlangt werde. "Über die Jahre hab ich viel dazugelernt und kann mittlerweile schon mit bloßem Auge Druckstellen am Pferd erkennen", sagt der Sattlermeister.

Schließlich baut der Handwerker den Reitsattel entsprechend den anatomischen Daten um: verändert das Wollfutter, formt den Sattelbaum - das Gerüst - zurecht, baut spezielle Polster an. Damit letztlich die schwere Lederauflage dem Pferd passt wie ein Maßschuh. Napps nächste Idee: Gefütterte Satteldecken. Wie Einlagen in Schuhe nähe er Schaumstoff in die Unterlagen ein. "Damit kann der Reiter seinen teuren Sattel weiter nutzen." Der Muskelaufbau von Pferden verändere sich mit dem Training, durch Alter, Krankheit oder die Geburt eines Fohlens, erklärt der Meister. Fehlende Muskeln müssten ausgeglichen werden, damit der Sattel wieder sitzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen