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Mecklenburg-Vorpommern

18. November 2017 | 05:43 Uhr

Heilwald auf Usedom : „Therapeut Dr. Wald“

vom
Aus der Onlineredaktion

Der erster Kur- und Heilwald Europas wächst auf der Insel Usedom

svz.de von
erstellt am 13.Sep.2017 | 21:00 Uhr

Keine Hektik, kein Lärm: Der Wald hat für die Deutschen gerade in modernen Zeiten einen ganz besonderen Stellenwert. „Der Wald ist die letzte konsumfreie Zone, die Gegenwelt zur Zivilisation und der Ort an dem Geld seine Bedeutung verliert“, sagt Professor Michael Suda vom Lehrstuhl für Wald- und Umweltpolitik.

Wissenschaftler der Technischen Universität München haben Städter gefragt, welche Assoziationen sie haben, wenn sie sich den Wald wegdenken würden. Die Antworten wie „nicht lebenswert“ zeigen: die Deutschen haben ein sehr emotionales und positiv geprägtes Verhältnis zum Wald.

Der Schrecken, den der Wald als unberechenbarer Gefahrenraum im frühen 19. Jahrhundert noch auslöste, scheint vergessen. Heute strömen die Menschen millionenfach in die grünen Oasen. Zunehmend wird auch heilende Kraft von Wäldern entdeckt – eine Idee, die von Japan nach Europa schwappte und nun erstmals auch in einer deutschen Rechtsverordnung verankert ist. Auf der Insel Usedom wurde gestern der erste Kur- und Heilwald Europas ausgewiesen.

Landesumweltminister Till Backhaus (SPD), der seine Unterschrift unter die Verordnung setzte, sprach vom „Therapeut Dr. Wald“. In dem etwa 50 Hektar großen Waldstück entstanden Bewegungsstationen, Ruheplätze und Wege, um Atemwegs- sowie Herz- und Kreislauferkrankungen sowie psychosomatische Beschwerden wie Burnout oder Depressionen zu lindern. In dem Gebiet gilt auch ein Nutzungsverbot für Handys – ausgenommen sind Notfälle.

Dass der Wald die Seele lockert, für Entspannung sorgt und die Stimmung hebt, ist eine Binsenweisheit. Die Schulmedizin, die auf evidenzbasierte Wirkungen setze, habe das Heilwaldprojekt anfangs mit Skepsis gesehen, sagt der Mediziner Horst Klinkmann, Ideengeber für das Projekt in MV. Inzwischen sei die „Waldmedizin“ der boomende Sektor in der Medizin, vor allem weil inzwischen wissenschaftliche Studien den gesundheitlichen Nutzen belegten, sagte der Ehrenpräsident des Kuratoriums Gesundheitswirtschaft – lange selbst Schulmediziner.

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