Theatergipfel in Schwerin : Theaterträger schöpfen Hoffnung

Das Staatstheater in Schwerin, das Theater Neustrelitz, das Theater in Stralsund und das Volkstheater Rostock   Fotos: Jens Büttner, Bernd Wüstneck, Stefan Sauer
Das Staatstheater in Schwerin, das Theater Neustrelitz, das Theater in Stralsund und das Volkstheater Rostock

Die von der Landesregierung geplante Theaterreform ist auf halber Strecke steckengeblieben. Zu groß ist der Widerstand in den Regionen gewesen. Nun versucht Ministerpräsidentin Schwesig eine Lösung zu vermitteln.

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12. Juni 2018, 05:00 Uhr

In den Theaterstädten Mecklenburg-Vorpommerns wächst nach dem überraschend anberaumten Theatergipfel bei Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) die Hoffnung auf ein Ende der jahrelangen Reformdebatte und eine abschließende Lösung. „Nach langen Jahren der Verhandlungen erwarte ich, dass nunmehr eine Entscheidung über den Abschluss des Reformprozesses und über eine zukunftsfähige Finanzierung der Theater und Orchester getroffen wird“, sagte der Neustrelitzer Bürgermeister Andreas Grund. Damit dürfte er seinen Amtskollegen aus dem Herzen sprechen.

Wegen der seit langem festgefahrenen Verhandlungen hat Schwesig die Stadtoberhäupter, die Theaterintendanten, die beiden Vorsitzenden der Landtagsfraktionen von SPD und CDU sowie die maßgeblichen Minister Birgit Hesse (Kultur) und Mathias Brodkorb (Finanzen, beide SPD) für Dienstag zu sich in die Staatskanzlei eingeladen. Die schon 2012 vorrangig zu Kostendämpfung angeschobene Theaterreform sah die Fusion der Theater in Rostock, Schwerin und Parchim zum Staatstheater West vor. Im Osten des Landes sollten die Theater in Stralsund, Greifswald, Neubrandenburg, Anklam und die Tanzkompanie Neustrelitz zusammengeführt werden. Doch schlossen sich - trotz in Aussicht gestellter Zusatzgelder vom Land - bislang nur Schwerin und Parchim zusammen.

Wie Grund betrachtet die Mehrzahl der Verwaltungschefs in den Theater tragenden Städten das ursprüngliche Reformziel der Landesregierung mit zwei Staatstheatern im Osten und im Westen des Landes als gescheitert. „In der Vergangenheit ist deutlich geworden, dass es nicht gelungen ist, in Sachen Fusion eine Lösung zu finden, die von den Theaterschaffenden, den kommunalen Gremien und der Bevölkerung akzeptiert wird“, konstatierte Grund.

Ähnlich äußern sich auch Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und Greifswalds Stadtoberhaupt Stefan Fassbinder (Grüne). „Die Verhandlungen haben sehr lange gedauert. Wir erwarten jetzt eine gute Lösung für unser Theater“, teilten sie in einer gemeinsamen Erklärung mit. Im Ergebnis müsse es zu einer spürbaren Steigerung der Löhne für die Theater-Mitarbeiter und zu einem „nachhaltigen Konzept“ für das Vorpommern Theater kommen. Die Theater beider Städte sind seit langem unter dem Dach einer GmbH vereint. Zu der von der Landesregierung befürworteten Fusion mit der Theater- und Orchester-GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz kam es aber nicht. Erst kürzlich erreichte den Landtag eine Petition, in der 13 500 Menschen die weitere Selbstständigkeit der Theater fordern.

Rostock hatte sich von Beginn an einer Fusion mit Schwerin verweigert und auf Eigenständigkeit gepocht. Nach einem Intendanten-Wechsel gehen die Zuschauerzahlen wieder nach oben, eine neue Spielstätte ist in Planung. „Für uns stehen der Theaterneubau und seine Finanzierung an erster Stelle“, machte Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) vor dem Treffen in Schwerin deutlich.

Die Stadt Rostock habe die mit dem Land abgeschlossene Zielvereinbarung bisher konsequent umgesetzt und erwarte nun auch „die Dynamisierung der Theater-Mittel, die ja schon früher in der Perspektive zugesagt wurde, und die Gleichbehandlung der Theater tragenden Gebietskörperschaften“, erklärte Methling.

Millionen-Zuschüsse des Landes für das Schweriner Theater zur Verhinderung einer Insolvenz hatten immer wieder für Kritik gesorgt.

Schwesig machte deutlich, dass es ihr um „zukunftsfähige Theaterstrukturen“ gehe. Sie ließ aber offen, wie weit die Regierung dafür von ihren alten Pläne abzuweichen bereit ist und welche Zugeständnisse an die Kommunen möglich sind. Das Land verfüge über ein gutes Theaterangebot, das es langfristig zu sichern gelte, mahnte Schwesig.

Kreise und Kommunen als Theaterträger favorisieren Kooperationsmodelle statt Fusionen. Sie kritisieren zudem seit langem, dass das Land seine jährliche Zuschüsse in Höhe von knapp 36 Millionen Euro seit 1996 nicht an die allgemeine Preis- und Tarifentwicklung angepasst habe.

Die oppositionelle Linksfraktion teilte diese Kritik und begrüßte das Gesprächsangebot der Regierung. „Anstatt ministerielle Arbeitsgruppen die Lage lediglich aus finanzieller, juristischer oder verwaltungstechnischer Sicht beurteilen zu lassen, sollen Vertreter der theatertragenden Kommunen sowie die künstlerischen und wirtschaftlichen Theaterleitungen zu Wort kommen. Das ist ein erster Schritt, dem hoffentlich die Erkenntnis folgt, dass das Land die Zuschüsse für die Theater nach fast 22 Jahren endlich den Realitäten anpassen und hochfahren muss“, erklärte die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Kröger. Die Linksfraktion erwarte zudem, dass die Spielstätten „nach Jahren der Gängelei, der Angst und Unsicherheit wieder eine klare kulturpolitische Zukunft erhalten“.

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