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"Stimmen Sie für unser Theater" : Theaterleute suchen bundesweit Hilfe

vom

Mit einem dramatischen Appell wendet sich der Betriebsrat des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin an die Mitglieder der Stadtvertretung. Diese oberste Dienstbehörde trifft am Montag eine schicksalsschwere Entscheidung.

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erstellt am 16.Mär.2012 | 08:27 Uhr

Schwerin | "Stimmen Sie für unser Theater" - mit einem dramatischen Appell wendet sich der Betriebsrat des Mecklenburgischen Staatstheaters an die 45 Mitglieder der Stadtvertretung. Diese oberste Dienstbehörde der Landeshauptstadt trifft am Montag, 26. März, eine schicksalsschwere Entscheidung: Die Stadtvertreter stimmen über einen Sanierungsplan ab, bei dem jeder vierte Arbeitsplatz am Theater wegfällt. Die Schlossfestspiele, die niederdeutsche Fritz-Reuter-Bühne sowie das Fi gure n- und Puppentheater werden dem Sanierungskonzept zufolge ganz dem Rotstift geopfert. Dramatische Kürzungen sind überdies vorgesehen im Schauspiel, bei der Staatskapelle, in Chor und Ballett, bei Technik, Beleuchtung und Kasse. "Das wäre der Kahlschlag für unser schönes Haus", sagt Betriebsrats-Vorsitzender Andreas Fritsch. "In der Provinz wird dann besseres Theater gemacht als in der Landeshauptstadt."

In diesen Tagen erreichen die Appelle des Betriebsrats nicht nur die Stadtvertreter, sondern es flattern auch Briefe aus Schwerin in die Briefkästen von Politikern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel, Linke-Vorsitzende Gesine Lötzsch und den Fraktionschefs Frank-Walter Steinmeier (SPD), Volker Kauder (CDU), Gregor Gysi (Linke), Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) und Rainer Brüderle (FDP). Die Schreiben gehen auch an die Betriebsräte sämtlicher deutscher Theater und befreundete Arbeitnehmervertreter in großen Unternehmen, Verlagshäusern, Fernseh- und Rundfunkanstalten sowie an prominente Künstler wie Fanta 4, Die Prinzen, Inga Rumpf, Daniel Hope, Jan-Joseph Liefers, Axel Prahl, Rufus Beck, Uwe Steimle und weitere. Wenn nur einige zusagen, wird es demnächst ein Benefiz-Konzert geben.

"So wollen wir die Öffentlichkeit aufrütteln und Druck auf die Politik ausüben", erklärt Betriebsratsmitglied Rainer Fleisch. Er arbeitet eigentlich im Hintergrund des Theaters, kam aber auch schon als Eddie in der "Rocky Horror Show" auf die Bühne. Der vielseitige Theater-Mann will Künstler aus ganz Deutschland bewegen, für "sein" Haus zu singen, zu spielen, zu lesen. Angefragt sind auch die "Prinzen". Der Refrain aus einem Lied der Band wurde vom Schweriner Betriebsrat zur Parole für seine geplanten Aktionen gekürt: "Hier sind wir, und wir glauben an die Sache!"

Der Betriebsrat fordert parallel nochmals die Landesregierung auf, ihre hoheitlichen Aufgaben wahrzunehmen und die Finanzierung sicherzustellen. Seit 18 Jahren, so der Betriebsratsvorsitzende, habe das Land seine Mittel nicht erhöht. Bei steigenden Kosten bedeute dies den sicheren Tod des Kulturhauses. "Das weiß jeder Kaufmann - und doch geschieht nichts. Es ist, als ob der Kultur-Kahlschlag strategisch-bewusst in Kauf genommen wird", kritisiert Andreas Fritsch. Der Betriebsrat des Mecklen burgischen Staatstheaters sucht deshalb derzeit Möglichkeiten, wie er helfen kann, sein Theater zu retten. Während einer Betriebsversammlung stellten die Arbeitnehmervertreter ihre Pläne für eine bundesweite Kampagne zur Rettung des Theaters vor.

"Das ist unsere Art, ein wenig Optimismus und Mut zum fröhlichen Widerstand in diese scheinbar hoffnungslose Situation zu bringen", sagt Rainer Fleisch. Und Andreas Fritsch fügt hinzu: "Wir geben unser Haus nicht auf - niemals!" Am Bühneneingang liegen 2000 Plakate für Einzelhändler, Gastronomen, Hoteliers und andere Theaterfreunde bereit, die für die Rettung der Bühne Gesicht zeigen wollen.


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