Schweriner Schlossfestspiele : Theater will seine Bilanz aufpolieren

Zurück zu den Wurzel: Walter Plathe kam vor 40 Jahren von der Schauspielschule ans Schweriner Theater - und kehrt nun für die Schlossfestspiele zurück. Foto: Jens Büttner
Zurück zu den Wurzel: Walter Plathe kam vor 40 Jahren von der Schauspielschule ans Schweriner Theater - und kehrt nun für die Schlossfestspiele zurück. Foto: Jens Büttner

Mit der Sommeroper "Die Fledermaus" steuert das Mecklenburgische Staatstheater auf den Höhepunkt der Spielzeit zu - und kalkuliert mit einem Erfolg. Die Premiere ist am 14. Juni.

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16. Mai 2013, 07:08 Uhr

Schwerin | 23 Vorstellungen und zehntausende Zuschauer: Mit "Die Fledermaus" steuert das Mecklenburgische Staatstheater auf den Höhepunkt der Spielzeit zu - und kalkuliert mit einem Erfolg. "Im Vorverkauf liegen wir im Moment bei ungefähr 16 000 bis 17 000 Karten, wir rechnen wieder mit 36 000 Zuschauern", erläuterte Generalintendant Joachim Kümmritz gestern. Die Proben für die Operette hätten kurz zuvor begonnen. "Proben beim laufenden Verkehr", wie Kümmritz scherzte, denn neben der Bühne auf dem Alten Garten, Prachtplatz der Landeshauptstadt, rumpeln Autos über Kopfsteinpflaster.

Premiere ist am 14. Juni. Peter Dehler, Schauspieldirektor des Staatstheaters, inszeniert in diesem Jahr die Sommeroper selbst: "Ich mache ja gerne Musiktheater. Das ist eine Operette, die mir sehr liegt. Sie hat viele komödiantische Aspekte." Und auf augenzwinkernde Nachfragen angesichts des Skandals an der Düsseldorfer Rheinoper um einen plakativ nazifizierten "Tannhäuser" stellte Dehler ebenso augenzwinkernd klar: "Wir machen das ohne Wehrmachtsuniformen."

Der Vorverkauf, die Zuschauerzahlen: Bei den Schlossfestspielen, die 21. ihrer Art, geht es nicht nur um den künstlerischen Höhepunkt der Saison, sondern auch um ein wichtiges wirtschaftliches Standbein des immer wieder von der Insolvenz bedrohten und mit Sonderzuschüssen geretteten Staatstheaters. "Wir sind noch nicht über den Berg, die Unruhe am Haus ist da", betonte die Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt, Angelika Gramkow (Linke). Umso bewundernswerter sei es angesichts der permanenten Diskussion über die Zukunft des Theaters , "wie hier mit aller Macht gestritten wird für solche Aufführungen."

Bis heute ist die von Johann Strauss komponierte, von Karl Haffner und Richard Geneé getextete und 1874 uraufgeführte "Fledermaus" eines der meistgespielten Werke. Sie genießt auch unter Opern-Feinschmeckern höchste Anerkennung. "Operette war immer etwas Besonderes für mich", erklärte Generalmusikdirektor Daniel Huppert: "Sie ist spritzig und auf den Punkt komponiert. Das umzusetzen, ist von hohem Anspruch."

Und lustig: In der "Fledermaus" feiert sich die feine Gesellschaft genüsslich um Kopf und Kragen. Maskenball, Champagner, hoch die Tassen und gerne mal ein Seitensprung, habe die Ehre. Der Katzenjammer kommt dann am nächsten Tag, aber am Ende haben sich alle gut amüsiert.

"Jeder Komödiant, der was auf sich hält, will das mal spielen", sagt Gaststar Walter Plathe, der in der "Fledermaus" den ewig alkoholisierten Gerichtsdiener Frosch spielt. Plathe war von 1992 bis 2008 im Fernsehen "Der Landarzt", ist aber Theatermann mit Leib und Seele. Vor mehr als 40 Jahren hat er sein erstes Engagement nach der Schauspielschule in Schwerin angetreten. "Deshalb ist diese Rolle für mich ein großes Vergnügen." Die Figur des Frosch ist vor allem dafür zuständig, das Geschehen zu kommentieren, aktuelle Bezüge herzustellen. Dehler: "Die Uraufführung war 1874, da siedeln wir die Kostüme an. Aber wir sind ja moderne Menschen, wir wissen, wo wir leben, natürlich gibt es moderne Anspielungen." Aber eben "ohne Wehrmachtsuniformen", heißt: nicht mit dem Holzhammer.

Knapp einen Monat Zeit hat das Inszenierungsteam noch bis zur Premiere (14. Juni, 21 Uhr). "Am ersten Probentag hat es pünktlich angefangen, zu regnen", erzählte Dehler. Die Schlossfestspiele und das Wetter - eine unendliche Geschichte. Tontechnik, Kostüme (Susanne Richter), alles müsse auf eventuellen Regen eingerichtet sein, so der Schauspieldirektor: "Aber das sind Sachen, die mich anregen, da sage ich: Da mach ich was draus." Seine "Fledermaus" solle vor allem eines sein - ein "Fest der Sinne und eine große Einladung zum Leben".

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