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Theater sucht seine Rolle in der Inszenierung „Rostock"

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erstellt am 18.Dez.2011 | 10:16 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Rostock ist das Oberzentrum Mecklenburg-Vorpommerns, der wirtschaftliche Ballungsraum, die stolze Hansestadt. Doch welche Rolle spielt dabei das Theater? Und wie kann die Bühne einen Beitrag dazu leisten, dass Rostock sich nach mehreren einschneidenden Umwälzungen wieder neu erfindet?

Diesen und anderen Fragen wollte der erste "Talk im Zelt" nachgehen. Die hochkarätigen Diskussionsteilnehmer im Podium versprachen eine anregende Debatte. Und so verwundert es nicht, dass die Ränge im Theaterzelt am Freitagabend trotz des miesen Wetters gut gefüllt waren.

Hansestadt muss sich neu erfinden

"Talk im Zelt" ist eine Koproduktion von Volkstheater und Rostock-Marketing - eine Zusammenarbeit, die schon bei der Veranstaltung "Kultur trifft Genuss" erste Früchte getragen hat. Nun sollte es unter dem Titel "Der Sinn des Lokalen - Kultur als Baustein einer zukunftsfähigen Stadtidentität Rostocks?" ernster zur Sache gehen. Tatsächlich wurde es emotional.

Zu Beginn gab es einen zugegebenermaßen etwas zu langatmigen Vortrag über die Rostocker Stadtgeschichte. Klar wurde: Rostock befindet sich in einer Phase, in der sich die Stadt neu erfinden muss. Nachdem die Hanse untergegangen, die Zeiten des "Tores zur Welt" vorbei sind, inszeniere sich Rostock heute nur noch als die stolze Hansestadt. So lautet das Urteil von Jochen Schwenk, der in einem wissenschaftlichen Vergleich die Städt Rostock und Bremerhaven unter die Lupe genommen hat. Das Theater sei hier aufgefordert, sich in diese Inszenierung einzubringen.

Stefan Rosinski, Geschäftsführer der Volkstheater Rostock GmbH, erweiterte den Vergleich im Anschluss. Er stellte anhand einer Reihe von Zahlen dar, dass kommunale Zuschüsse für Theater weder von der Größe noch von der finanziellen Ausstattung einer Stadt abhängen. Zum Vergleich: Schwerin gibt etwa 184 Euro pro Einwohner für sein Theater aus, Rostock nur 80 Euro. Wonach wird also entschieden?

Im Podium nahmen dann Platz: Helmuth Berking, Ulrich Khuon, Prof. Wolfgang Weiß, Rainer Jarohs, Peter Spuhler und Arvid Schnauer.

Spuhler: "Kontinuität ist ungeheuer wichtig"

Dass die größte städtische Kultureinrichtung in der Regiopole Rostock zu fördern und zu erhalten sei, auf diesen gemeinsamen Nenner kamen die Debattierenden sofort.

Spuhler, heute Intendant in Karlsruhe und bis 2002 als Schauspieldirektor am Rostocker Volkstheater, fordert: Das Haus, vor allem dessen Führungsebene, müsse endlich zur Ruhe kommen. "Kontinuität ist ungeheuer wichtig, damit etwas entstehen kann." Die Zahl der Intendanten-Wechsel in Rostock sucht ihresgleichen in Deutschland. Das Theater - so groß die Sympathien im Publikum waren - musste sich auch einige Kritik gefallen lassen. Schnauer, Sprecher des Agenda-21-Rates, fordert, dass Kinder und Jugendliche noch mehr an das Theater heranzuführen seien. Es müsse mehr ein offenes Haus werden. Aber auch die Politik bekam ihr Fett weg. Es mangle an Zusammenarbeit. "Grabenkämpfe entstehen, weil eine Konzeption von oben fehlt", so der Beitrag von Erik Raab aus dem Publikum.

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