Schweriner Schlossfestspiele mit Walther Plathe : Theater bekommt Besuch vom Landarzt

<fettakgl>Lange ist es her: Walter Plathe</fettakgl> war als junger Schauspieler am Staatstheater Schwerin engagiert, gestern kehrte er   für die Theater-Theken-Nacht zurück, im Sommer spielt er in Peter Dehlers 'Fledermaus'-Inszenierung den Frosch. <foto>Silke Winkler</foto>
Lange ist es her: Walter Plathe war als junger Schauspieler am Staatstheater Schwerin engagiert, gestern kehrte er für die Theater-Theken-Nacht zurück, im Sommer spielt er in Peter Dehlers "Fledermaus"-Inszenierung den Frosch. Silke Winkler

Walter Plathe, der 17 Jahre als "Landarzt" im Fernsehen praktizierte, wird der Frosch in der „Fledermaus“ bei den Schweriner Schlossfestspielen. Am Staatstheater hat er auch einst angefangen.

svz.de von
22. März 2013, 07:27 Uhr

Schwerin | Oh, er kommt fünf Minuten vor der Zeit. Er trägt modischen schwarzen Hut mit breitem Rand und statt Künstlerschal Krawatte zum Blazer. Sagt man noch schnieke? Der Mann, der 17 Jahre als "Landarzt" im Fernsehen praktizierte, auf der Bühne Prof. Unrat, Zille, Eiserner Gustav war, wird bei den Schweriner Schlossfestspielen in der Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauss der Frosch sein. Wenn die Rede darauf kommt, blickt Walter Plathe durch die Brille schon jetzt listig wie Schwejk, den er solo auch belebt hat, ganz zu schweigen von Otto Reutter - "Wir sind, glaub’ ich, nur auf der Welt weg’n de Leut."

Der Zellenschließer Frosch also - "Das ist ein fideles Gefängnis. Verdammter Slibowitz!" - ist auch ein Sahnestückchen. Spielt sich das von allein? Da hat der bärtige Akteur ein Ausrufzeichen in der Stimme: "Nichts spielt sich von allein!" Das Leichte ist das Schwere? Plathe kommt auf die Popularität solcher Rollen und erklärt: "Die Leute reden dann vom Volksschauspieler. Was heißt denn das? Der versucht Vorgänge so weit zu erkunden, dass der Zuschauer sich mit der Figur identifizieren kann. Das ist nichts Abgehobenes, aber schwer - leicht ist etwas schwer. Die Leute erreichen, das ist mein Ziel. Wenn dann jemand fragt, hätt’st du Lust, den Frosch zu spielen, dann blättert man nach, Moser, Lohner, wer alles hat das gespielt! Aber es ist eine Volksfigur, das Ding mach ich, dem werd’ ich meinen Stempel aufdrücken."

Er sagt es ohne Großspur. Nachdenklich hängt er an: "Ich war ja so ein bisschen der vermeintliche Schwiegersohn. Seit ich in die Jahre gekommen bin, sind die Rollen interessanter geworden. Heute sage ich, Romeo ist langweilig, wenn ich an den Schwejk denke. Dazu braucht es Lebenserfahrung."

Gegenwartserfahrung lehrt, Theater hat es nicht leicht in der neuen Medienwelt, wie kann es sich behaupten? "Es hat’s schwer mit der Politik. Vor allem aber muss es immer wieder präsent sein mit Angeboten von Qualität, die es so auf den technischen Kanälen nicht gibt. Das versuche ich, demnächst eben mit dem Frosch. Und im Übrigen muss Theater tun, was schon Brecht gesagt hat: Es dient der Unterhaltung. Da gibt es viele Wege." Unterhaltung mit Sinn? Plathe unterstreicht das und - er spielt viel an privaten Bühnen - sieht eine gefährliche Tendenz: "Theater, die subventioniert sind, gehen oft Wege, die den Zuschauer verprellen statt heranzuziehen. Theater ist aber nicht da, um für sich selbst zu spielen."

Wie also ergeht es dem Schauspieler mit der Egomanie des Regietheaters? Plathe ist davon weniger betroffen, meint: "Das geht zurück. Was nur ein Ego befriedigt, hat mit Theater wenig zu tun." Und dass manche damit kokettieren, die Schauspielschule abgebrochen zu haben, da schüttelt er den Kopf. Darauf nimmt er einen Schluck Weißweinschorle, obwohl er mit Bass scherzt: "Unter den leichten russischen Landweinen ist mir der Wodka der liebste."

Der Frosch ist nicht seine erste Rolle in Schwerin. Der Berliner, der auch in Waren an der Müritz aufwuchs, bekam in Schwerin sein erstes Engagement nach der Schauspielschule "Ernst Busch". Am Alten Garten hat er unter anderem den Münzmatthias in der "Dreigroschenoper" gespielt, inszeniert von Wolfgang Engel, der ihn dazu noch als Assistent verpflichtete. Plathe erinnert sich: "Ich war hier glücklich, tolle ältere Kollegen haben uns junge bestens unter ihre Fittiche genommen." Noch eine Anekdote von damals? Er überlegt nur kurz: "Lange wartend auf eine Probe, hatte Heinrich Schmidt, der geliebte Ensemble-Vater, mehrere Wodka spendiert. Schauspieldirektor Gert Jurgons mahnte: Nicht mit den jungen Kollegen! Anderntags traf Jurgons die Runde in der Kantine beim Glas Milch und lobte das, nicht wissend, dass darin zwei Doppelte waren. Wir waren, die Anfänger mit 375 Mark netto, eine wunderbare Gemeinschaft." Wohl vorbei, nicht vergessen.

Apropos Anekdote, nach 130-mal "Landarzt" hat Plathe dabei ein bisschen Medizin gelernt, kann er sich selbst verarzten? "Um Gottes Willen", hebt er die sonore Stimme, "manchmal kommt jemand auf mich zu und sagt, Herr Doktor, ich habe hier etwas. Und ich sage: Sie wollen doch noch eine Weile leben, gehen Sie zum richtigen Arzt. Im Gegensatz zu einem Kollegen Arzt habe ich nie medizinische Ratschläge erteilt." Nebenbei, er hat einen Landarzt-Fonds gegründet, der Kindern zugute kommt.

Als Zuschauer war Plathe vom Schweriner "Sommernachtstraum" begeistert: "Ich finde nichts schöner, als wenn ich aus einer Vorstellung he rausgehe und bin gerührt. Das ist das Wichtigste am Theater. Es sollte den Zuschauer heiter stimmen, was man leider nicht so oft sagen kann."

Plathe dreht auch wieder, "möglicherweise", intoniert er selbstironisch, "bin ich ein Charakterdarsteller geworden". Hat er noch Wunschrollen? "Ist der Recorder aus?", fragt er zurück. Da soll nun - Bühnen-Aberglaube - auch nichts verraten sein. Mit Reutter aber - "Ich bin ein Optimiste" - gastierte er schon mal bei der berühmten Theater-Theken-Nacht des Schweriner Ensembles. Und dann: Warten auf Plathes Frosch.

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